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F36.Und doch gingen merkwürdige Gerüchte um. Wir Kinder wurden gewarnt, uns nicht mit der fürstlichen Familie abzugeben und niemals dort oben eine Stellung anzunehmen, denn dort wäre es nicht geheuer. Die Maria war damals - kurz bevor der Sohn des Herrn aufgetaucht war - beispielsweise spurlos verschwunden. Und der Hannes noch etwas früher. Dabei hatte sie vorher bei den Besuchen im Dorf immer so begeistert von ihrem Leben dort erzählt - und wie gut es dort war, wie freundlich die herrschaftliche Familie zu ihnen wäre. Fast als gehörten sie dazu. Andererseits arbeitete die Maja dort schon seit über zehn Jahren und sie war immer zufrieden dort gewesen. Aber sie kann auch nicht sagen, wo die Maria hinverschwunden ist, nur daß es hieß, sie wäre schwanger und dann ist sie verschwunden.
Der Sohn des Herrn war übrigends kein Baby, als er auftauchte - sondern vier oder fünf Jahre alt - und tatsächlich waren sich die Leute nicht einmal einig ob er ein Junge oder ein Mädchen war. Und es war erst recht nicht klar, wer die Mutter war. Es gab keine Frau unter den Herrschaften - nur den Herrn und einen ziemlich verschrumpelt wirkenden Onkel, der auch einiges zu sagen hatte. Heimlich hinter vorgehaltener Hand wurde er die Fledermaus genannt und es hieß daß die Herrschaften sich in Vollmondnächten in große Fledermäuse verwandeln und man sie über dem Schloß herumflattern sehen kann.
Ich war zehn Jahre alt, als ich einmal abends nicht rechtzeitig vorm
Dunkelwerden heimkehrte. Plötzlich hörte ich Hufgetrappel
hinter mir - ging vom Weg um den Reiter vorbeizulassen, doch der hielt
sein Pferd und stieg ab. Es war der Sohn des Herrn - der auch etwa zehn
Jahre alt zu sein schien.
"Hallo, wollen wir spielen?" fragte er.
Ich war etwas überrascht, daß so ein hoher Herr mit mir
spielen wollte. Dann dachte ich an die vielen unheimlichen Geschichten
über die herrschaftliche Familie. Am liebsten wäre ich
weggelaufen und ich wußte gar nicht was ich sagen wollte.
"Sie erzählen immer so blöde Geschichten über uns und
keiner will mit mir spielen." sagte er.
Ich wußte gar nicht was ich sagen sollte, nur daß ich weg
wollte. Aber mir fiel keine Ausrede ein, um mich verdrücken zu
können also blieb ich stehen und starrte ihn einfach nur an.
Schließlich waren die Mitglieder der herrschaftlichen Familie genau
der Grund, warum uns gesagt wurde, daß wir nicht nachts
draußen herumrennen sollten. So lange die Sonne scheint, so
hieß es, sei es ungefährlich.
"Komm steig mit auf mein Pferd, dann bringe ich dich nach
Hause."
Ich gehorchte weil mir keine Ausrede einfiel, um nicht auf das Pferd
steigen zu müssen. Doch er stieg einfach hinter mir auf, hielt
mich fürsorglich fest und brachte mich bis an die Haustür.
Am nächsten Abend nach Sonnenuntergang kam er wieder ans Haus und fragte, ob ich mit ihm spielen wolle. Ich war entsetzt, denn da er mich beim Öffnen der Tür gesehen hatte, konnten meine Eltern schlecht erzählen ich wäre nicht da. Und es war auch kaum möglich dem Sohn des Herrn des Hauses eine solche Bitte abzulehnen. Also kam ich heraus. Vor der Tür des Hauses hielt ein Stallbursche zwei Pferde bereit. Der Sohn des Fürsten fragte mich, ob ich selber reiten könne oder lieber mit ihm auf einem Pferd reiten wolle. Ich konnte nicht reiten. Aber ich war mir absolut sicher, daß ich lieber alleine von einem Pferd fallen wollte, als mit ihm zusammen auf einem Pferd zu sitzen. Also sagte ich, ich könne reiten. Er nickte und half mir aufzusteigen. Bei dem Pferd konnte ich mich zumindestens darauf verlassen, daß es mir nicht absichtlich wehtun würde.
Ohne viel zu überlegen ließ der Fürstensohn sein Pferd
zuerst im Schritt gehen - was ich noch problemlos hinbekam und am
Ortsausgang lostraben. Erschrocken klammerte ich mich an die Mähne
meiner Stute und die Zügel glitten mir durch die Hände,
als sie seinem Hengst folgte. Daraufhin begann mein Pferd zu
galloppieren. Ein Mißverständnis. Nur nicht in Panik geraten,
sonst, kriege ich das Pferd gar nicht mehr unter Kontrolle. Gewaltsam
entspannte ich meine Muskeln und zwang mich, meine Gefühle unter
Kontrolle zu bekommen. Das Pferd galloppierte und jetzt, wo ich mich
etwas entspannt hatte, merkte ich, daß es nicht so schwer war, sich
festzuhalten, wie es mir zuerst erschien. Ich griff in die Mähne und
zog mich wieder gerade, dann überlegte ich, wie ich es schaffen
sollte die Zügel wieder richtig zu fassen, ohne die Mähne
loszulassen... Verdammt war das Pferd schnell. Vielleicht sollte ich auch
eher mit ihm reden, dann brauchte ich die Mähne nicht loszulassen.
Ich konzentrierte mich, zwang meine Stimme, ruhig zu klingen und redete
sanft auf das Pferd ein.
"Ruhig Kleines, Scheritt, ganz ruhig. Es frißt dich ja keiner.
Alles in Ordnung Kleines."
Es wurde tatsächlich langsamer und blieb stehen und sah sich nach
dem anderen Pferd um. Ich atmete auf. Dann setzte ich mich wieder grade
hin, sammelte die Zügel ein und lenkte es zurück auf den
Weg.
"Ist alles in Ordnung?" fragte der Fürstensohn und an seiner
Stimme konnte ich hören, daß ihn das Ganze erschreckt hatte.
Mich ja auch, aber das würde ich vor ihm nie zugeben.
"Ja alles in Ordnung. Sie hat sich nur ein wenig erschreckt."
antwortete ich, sobald ich mir sicher war, meine Stimme wieder
völlig unter Kontrolle zu haben.
Ich war sauer. Selbst so ein Tölpel von Fürstensohn
wußte, daß Bauern es sich nicht leisten können, ein
Pferd zum reiten zu halten. Die Pferde im Dorf wurden vor den Wagen oder
Pflug gespannt. Um richtig reiten zu lernen, hatten selbst die Reicheren
keine Zeit. Er überschüttete mich mit Entschuldigungen, die ich
ärgerlich abwehrte. Den Rest des Weges ritt er im Schritt.
Vielleicht war es doch keine Absicht gewesen.
In der Burg wurde ich vom Fürsten herzlich willkommen geheißen. Eine Dienerin servierte mir eine Malzeit, wie ich sie noch nie bekommen hatte. Im Dorf war das Essen immer knapp und so sagte ich selbstverständlich nicht nein. Der Fürstensohn aber sagte, er hätte keinen Hunger und sah nur zu, wie ich aß. Über das Essen auf der Burg gab es keine Gerüchte, deshalb aß ich es alles auf. Das Mädchen, das mich bediente, scherzte währenddessen entspannt mit dem Fürstensohn. Offensichtlich mochten sie einander. Auch ich entspannte mich langsam. Während des Essens unterhielten wir uns ein wenig. Danach spielten wir einige Spiele, die ich auch im Dorf immer spielte und das Dienstmädchen, das nur drei oder vier Jahre älter war als ich, spielte mit.
Am nächsten morgen erwachte ich in einem weichen Bett in einer kleinen Kammer. Ich wunderte mich, wo ich war, dann fiel mir wieder ein, was am Vortag geschehen war und ich begriff, daß ich wohl irgendwo in der Burg war. Ich stand auf und stellte fest, daß statt meines alten Kleides ein neues, schöneres bereitlag. Das gefiel mir überhaupt nicht. Das sah mir zu sehr danach aus, daß sie mich hierbehalten wollten. Und wenn konnte ich da nur etwas gegen tun, indem ich gleich das Land verließ. Dummerweise war das alte Kleid nicht da. Ich runzelte die Stirn und zog es an. Dann ging ich zur Tür. Die war immerhin nicht abgeschlossen. Ein gutes Zeichen. Ich trat in den Gang und lauschte. Dann ging ich in die Richtung, aus der ich lachende Menschenstimmen hörte.
Er führte zur Küche, wo eine rundliche
Frau gerade Brot buk. Das Mädchen von
gestern half ihr dabei und sie unterhielten
sich leise. Als ich hereinkam, brachen sie
ihr Gespräch ab, schauten beide auf und
sahen mich an. Ich erwiderte ihren Blick.
"Schön. Du bist schon wach. Was möchtest
du denn frühstücken, Kind?"
"Hab keinen Hunger." meinte ich kurz angebunden.
Die jüngere lachte leise - nicht unfreundlich - und sagte dann:
"Komm, das kannst du mir nicht erzählen. Und der Herr wird mich
schlagen, wenn du unzufrieden bist. Komm, Kind. Sag schon was
würdest du am liebsten essen?"
"Ich esse gar nichts, wenn ihr mir nicht zuerst sagt, was das hier
soll." erwiderte ich trotzig.
"Na komm - haben wir dir etwas getan? Schmoll nicht, Kleines.
Möchtest du..."
Sie zählte eine ganze Reihe Gerichte auf, die sich eine normale
Familie höchstens einmal im Jahr leisten kann. Ich ließ sie
schweigend ausreden.
"Was ist? Was willst du nun?"
"Warum habe ich ein neues Kleid bekommen?"
"Hast du etwas gegen neue Kleider? Das ist ein Geschenk vom
Burgherrn."
"Nein. Warum hat er es mir geschenkt?"
"Er möchte, daß du ein schönes Kleid hast."
"Warum möchte er das?"
"Gefällt es Dir nicht?"
"Doch. Aber ich will nach Hause."
"Nein, Kind, du bleibst hier. Der Herr möchte, dich als
Gespielin von seinem Sohn hierbehalten."
Hätten sie das nicht gleich sagen können?
Ich ballte die Fäuste und wechselte abrupt
das Thema, um sie deshalb nicht anzubrül-
len. Sie hatten sich das schließlich nicht
ausgedacht.
"Ich will Butterbrot."
Die beiden Frauen starrten mich verwirrt
an. Dann griffen sie erleichtert das Thema
Essen auf und die Ältere holte ein Brot aus
der Kammer, schnitt mir eine Scheibe ab
und schmierte dick Butter drauf. Ich nahm
es in die Hand und kaute mit düsterem Gesicht darauf herum.
"Wann muß ich mit diesem Mistkerl spielen?" fragte ich als
ich fertig war.
"Gera!"
"Ich will nach Hause."
"Du nennst den jungen Herrn nicht Mistkerl, weder in seiner
Abwesenheit noch in seiner Anwesenheit, verstanden?" sagte die
ältere der Frauen streng.
"Wann muß ich mit ihm spielen?"
"Erst nach Sonnenuntergang, Mädchen. Bis dahin kannst du tun was
du willst. Das Pferd, das du gestern geritten hast ist ein Geschenk des
Herrn an dich und es steht dir frei, jeden Tag deine Eltern zu
besuchen."
Die folgenden Wochen und Monate auf der Burg besänftigten mein Mißtrauen. Der Sohn des Herrn war immer nett zu mir, wir spielten wunderbaren Spiele und ich durfte tagsüber machen, was ich wollte. Meist ritt ich ins Dorf und spielte mit meinen Freundinnen dort.
Eines Tages sagte er zu mir, daß er mit mir Mann und Frau spielen
wollte. Und zwar - so erklärte er mir - wollte er mit mir in Bett
gehen und da machen, was Mann und Frau miteinander machen. Meine Mutter
hatte mich bei einem meiner Besuche zu Seite genommen und mir gesagt,
daß ich auf keine Fall mit dem Herrn schlafen solle, denn
Hochgestellte sind immer nur so lange nett zu einem, bis sie
plötzlich merken, daß man schwanger ist, und dann nennen sie
einen Schlampe und das Kind muß ohne Vater aufwachsen. Deshalb
sagte ich:
Plötzlich war er wieder der nette Junge, als
den ich ihn kennenlernte, tröstete mich,
versuchte mich zu beruhigen. Als ich nur
noch ehr weinte nahm er mich auf den Arm
brachte mich in einen Nachbarraum, in dem
ein warmes Bad für mich vorbereitet war
und wollte mich waschen wie ein kleines
Kind. Ich jagte ihn fort und wusch mich allein.
Von da ab durfte ich die Räume, in denen er ich vergewaltigt hatte,
nicht mehr verlassen. Ich bekam weiterhin dasselbe gute essen, er war
wieder unablässig nett zu mir, aber er weigerte sich, über die
vergewaltigung zu reden. Als eine Blutung nicht kam, begriff ich,
daß ich schwanger war.
In den ersten Wochen der Schwangerschaft hatte ich mich gut gefühlt
- außer, daß mir ziemlich oft übel war. Danach bekam ich
manchmal Krämpfe. Der Herr holte dann einen Arzt, der mir immer
riet, im Bett zu bleiben und zu ruhen und Kamillentee zu trinken.
Außerdem sollte ich viel Fleisch essen, damit ich kräftig
genug bliebe um das Kind mitzuernähren.
Obgleich ich diese Ratschläge gewissenhaft befolgte, fühlte ich
mich jeden Tag schlechter. Im dritten Monat setzte ein nagender Schmerz
ein, wegen dem mir der Arzt strenge Bettruhe verordnete. Der Herr selbst
pflegte mich liebevoll, brachte mir die Malzeiten ans Bett und las mir
Geschichten aus seinen vielen Büchern vor. Ich hatte schon viele
schwangere Frauen gesehen. Reva und Jana waren sogar noch halbe
Mädchen gewesen und meine Mutter hatte mit mir darüber
gesprochen und gesagt, daß ich nicht mit einem Mann - wer auch
immer - schlafen solle, ehe ich voll ausgewachsen sei, weil es nicht gut
für eine Frau sei, ein Baby versorgen zu müssen, ehe sie
erwachsen ist. Aber keine dieser Frauen hatte sich dermaßen mies
gefühlt, wie ich. Alle hatten sie fast die gesamte Schwangerschaft
gearbeitet. Und ich war erst im vierten Monat und fühlte mich - als
würde das Kind mich von innen auffressen - ja - genau so.
Zu Beginn des vierten Monats kam mir das erste mal der Gedanke, daß
ich diese Schwangerschaft vielleicht nicht überleben würde. Der
Arzt versuchte mir das auszureden. Doch seine Worte, seine Stimme wirkte
auf mich nicht ehrlich. Ich forderte, daß meine Mutter mich
besuchen solle. Als dann jedes einzelne Mitglied der herrschaftlichen
Familie versuchte, mir das auszureden, war mir klar, daß ich
wirklich in Lebensgefahr schwebte und daß sie es aus irgendeinem
Grunde geheimhalten wollten.
Ich versuchte mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln, sie zu
überreden. So lange, bis der Sohn des Herrn, mein Freund - das hatte
ich zumindest immer gedacht - irgendwann Daumenschrauben aus der
angeblich nie benutzten Folterkammer holte und mir sagte, daß er
sie benutzen würde, wenn ich nicht mit meinen unangemessenen
Forderungen aufhören würde. Ich sah ihn an. Verdammt. In dem
Augenblick war ich absolut sicher, daß ich an dieser
merkwürdigen Schwangerschaft sterben würde - und sie
würden mir noch nicht einmal erlauben, meine Mutter wiederzusehen.
Und ich hatte ihn für einen Freund gehalten. In der Nacht
weinte ich. Ich konnte es einfach nicht unterdrücken.
Danach redete ich nicht mehr über meine Mutter. Aber ich
wußte, daß ich fliehen wollte. Ich bezweifelte, daß das
etwas bringen würde, denn ich hatte das Gefühl, daß es
tatsächlich diese Schwangerschaft war, an der ich sterben
würde. Ich wartete auf den Augenblick, wo ich lange genug allein
war, um den Raum unbeobachtet verlassen zu können. Doch ich wartete
vergeblich. Teils, weil ich wirklich fast nie allein war, teils weil ich
so schwach war, daß ich den größten Teil der Zeit
schlief und wohl die wenigen Fluchtchancen verschlafen habe, die sich
geboten hätten, wenn ich es nur gemerkt hätte.
Da ich jetzt über meine Befürchtungen schwieg, benahm sich der
Sohn des Herrn wieder wie der liebevolle Freund, für den
ich ihn gehalten hatte. Er dachte sich jeden
Tag irgendeine nette Überraschung aus.
Streichelte mich zärtlich, wenn ich vor
Schmerzen weinte - das kam bald täglich
vor. Meist drängte ich die Schmerzen so
gut es ging zurück und versuchte sie mir
nicht anmerken zu lassen. Ich hatte schließlich meinen Stolz. Aber
wenn das Kind sich bewegte, schien es als würde alles in mir
zerrreißen. Irgendwann brach dann einfach
meine Selbstbeherrschung zusammen. Die
Schmerzen wurden jeden Tag schlimmer.
Aber er ließ mich nie allein - und das war,
was ich mir am dringendsten wünschte -
daß er mich alleinließ, damit ich fliehen
konnte. Verdammt - ich wollte nicht hier
herumliegen und tatenlos auf meinen Tod
warten - nur wenn er da war, hatte ich
natürlich nicht die geringste Chance auf
Flucht, weil er gesund und stark war - und
ich ernsthafte Zweifel hatte, daß meine
Kräfte auch nur reichen würden, damit ich
es bis in den Pferdestall schaffte - ein
Pferd entwenden wäre dagegen relativ einfach - und unter den
Umständen würde mir der Stallbursche wahrscheinlich den
Rücken decken und dafür sorgen, daß ich ungesehen
heimkam.
Eines Tages - etwa viereinhalb Monate nach
Beginn der Schwangerschafft - nahmen die
Schmerzen plötzlich ins schier unermeßliche
zu. So als würde jemand von innen meinen
Bauch aufschneiden. Ich konnte ein leises
Wimmern nicht unterdrücken und sofort war
Raidi an meiner Seite. Er fragte was ist.
Ich beschrieb das Gefühl. Vorsichtig, um
mir nicht noch mehr wehzutun, tastete er
meinen Bauch ab. Er rief seinen Freund Gari. Dann sagte er sanft:
Noch ein Stechen, dann sah ich,
daß der Bauch tatsächlich von innen aufgeschnitten wurde.
Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm,
aufzustehen und das Zimmer zu verlassen.
Ich kann mir auch nicht so ganz erklären,
wie ich es in dem Zustand bis auf den Hof
der Burg geschafft habe. Aber als ich keuchend
an die Stalltür gelehnt innehielt, landete der Burgherr
neben mir und fragte mich, was los sei. Ich sagte gar nichts,
sah ihn nur schweigend an. Er redete mit
mir, als wäre ich ein armes verwirrtes
Kleinkind das einen Alptraum gehabt hatte,
streichelte mich, versuchte mich zu beruhigen und ich blieb nur
unbeweglich stehen.
Mist. Es war mißlungen. Wortlos ließ ich
es zu, daß er mich in eine kleine Kammer
führte und mich dort aufs Stroh legte. Er
redete immer noch beruhigend auf mich ein.
Ich schwieg, wußte nur, daß es mir nicht
gelingen würde, zu fliehen. Dann beugte er
sich über mich, biß mich in den Hals und
saugte mir das Blut aus. Als er den Kopf
wieder hob und sich das Blut von den Lippen leckte, war ich längst
tot.
Der Tod war eine Erlösung nach den
Schmerzen der letzten Monate.
Als ich meinen Körper verließ, wartete
schon mein Schutzengel auf mich. Ich fragte
ihn bei der Besprechung meines Lebens,
warum ich denn so etwas hatte erleben
müssen. Quelle: Erinnerungen an eigene frühere Leben
Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615,
Internetseite: http://www.kersti.de/ ,
E-Mail an Kersti_@gmx.de
"Nein, das ist ein blödes Spiel, das mag ich nicht
spielen."
"Laß mich sofort raus!"
Doch er packte mich, warf mich zu Boden schob mein Kleid hoch und ich
wehrte mich nach Leibeskräften, trat biß und kratzte.
Doch er war stärker als ich, stärker als jeder Mensch, den ich
je erlebt hatte, zerriss die Unterhose und stieß mir sein hartes
spitzes Ding in den Unterleib. Irgendwann gab ich den Kampf auf und
ließ es zu, daß das Ding weiter in einen Körper
eindrang, obwohl es schrecklich weh tat. Als er sich befriedigt
aufrichtete schluchzte ich vor Angst und Schmerzen.
"Du mußt jetzt sehr tapfer sein."
In dem Augenblick war ich wütend. Einfach
nur wütend. Denn ich war mir sicher, daß
mein letztes Stündchen geschlagen hatte und
daß das, wofür ich sehr tapfer sein müßte
mein Tod war. Ich warf ihm einen verächtlichen Blick zu, dann
krümmte ich mich zusammen, weil ein rasender Schmerz in meinen Bauch
stach. Er zog die Bettdecke zur Seite und schob das Nachthemd hoch. Ich
machte keinen Versuch, etwas dagegen zu tun, weil mir klar war, daß
ich keine Chance hatte.
"Er kommt raus." sagte mein Geliebter leise, faßte in die
offene Wunde und riß sie noch weiter auf.
Ich keuchte vor Schmerz, ich konnte es
einfach nicht unterdrücken. Dann sah ich
wie er ein dunkles, faltiges etwas, das gar
nicht wie ein Baby aussah, aus meinem
Bauch herausholte und zusammen mit dem
anderen Vampier den Raum verließ. Ich hörte wie er liebevoll
mit diesem Etwas redete, so als wäre es tatsächlich ein Baby.
Dann war er weg. Er war ja auch kein Mensch.
Ich versuchte die Beherrschung wiederzugewinnen.
"Diese Erfahrung mußtes du machen, denn
du bist dafür verantwortlich, daß es die
Vampiere gibt." erklärte er mir.