erste Version: 6/2018
letzte Bearbeitung: 6/2018

Chronik des Aufstiegs: Die Pforten der Hölle - Die Beschützer der Menschheit vor den Geistern der Verzeiflung

F1062.

Der Ordensführer entschuldigte sich als erstes, daß er nicht aufstehen könnte, da er bei einem Angriff die Beine verloren hätte

Vorgeschichte: F1061. Mirko: "Dann wollten sie dich loswerden." sagte er in einem Ton, als wäre kein Zweifel möglich

Mirko erzählt:
Als ich das Zimmer mit dem Ordensführer betrat, entschuldigte dieser sich als erstes, daß er nicht aufstehen könnte, da er bei einem Angriff die Beine verloren hätte und lud mich dann ein mich zu ihm setzen. Ich nahm die Einladung, natürlich an, schließlich wäre alles andere unhöflich gewesen. Aber zu sehen, was ich da angerichtet hatte, versetzte mir einen Stich.

Der Junge erfüllte die typische Aufgabe eines Knappen und bediente uns bei Tisch, er aß nachdem er uns alles hingestellt hatte auch mit. Tatsächlich war es regelrecht goldig, ihn bei der Arbeit zu beobachten. Während er seine Pflichten erfüllte sah der Junge wesentlich jünger aus, er wirkte vielleicht wie neun oder zehn und reagierte auf jede freundliche Geste auf jedes liebe Wort seines Vorgesetzten mit einem Lächeln. Er gab sich große Mühe, uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen, aber während das bei mir eine zuvorkommend und liebenswürdig erfüllte Pflicht war, war es ihm beim Ordensführer offensichtlich eine Herzensangelegenheit. Die Körpersprache seine Vorgesetzten paßte genau dazu. Sein Gesicht drückte einen väterlichen Stolz auf dieses Kind aus, eine Liebe, als wäre der Kleine das goldigste was es unter der Sonne gibt. Da er genau zu dem Zeitpunkt aufhörte zu essen, in dem auch ich fertig war, fragte ich mich, ob Khar überhaupt satt geworden war. Zumindest wirkte er aber gut gelaunt.

"Da wir ja beide nicht mehr vorgeben können, wir wüßten nicht, daß sie als Spion bei uns sind, müssen wir uns jetzt überlegen, wie wir mit der veränderten Situation umgehen. Zuächst kommt es überhaupt nicht in Frage, daß sie weiterhin in dem vergitterten Raum schlafen. Natürlich ist der so gut wie jedes unserer Gästezimmer, schließlich sind meist unsere eigenen Leute darin und nicht weil sie etwas verbrochen hätten. Trotzdem könnte das uns Ärger mit ihrer Organisation einbringen, weil es formal ein Kerker ist. Daher habe ich ihnen eine Wohnung zuweisen lassen. Damit wir nicht ewig um den heißen Brei herumreden, sage ich gleich, was ich noch alles über sie weiß."
Dann kam der nächste Schock. Er wußte nämlich nicht nur, daß ich nicht war, wer ich vorgegeben hatte zu sein, sondern er konnte mir auch noch genau sagen zu welchem Orden ich gehöre, wie ich heiße und welchen Rang ich dort vor ein paar Jahren bekleidet hatte. Außerdem legte er mir eine Abschrift eines Briefes vor, in dem er meinem direkten - mit Namen benannten - Vorgesetzten schrieb, daß ich nach einigen Umwegen gut bei den Schwarzen Rittern angekommen sei und ich könne selbstverständlich wie gewünscht deren Archiv und Bibliothek verwenden, um zu recherchieren. Sie wären ebenfalls gerne bereit die angefragten geheimdienstlichen Daten mit mir zu teilen.

Ich fragte perplex, ob mein Orden tatsächlich nach geheimdienstlichen Daten gefragt hatte.
"Nein. Einen solchen Text nennt man eine diplomatische Ohrfeige. Frei übersetzt bedeutet es: Warum glaubt ihr, uns einen Spion schicken zu müssen? Wir betrachten euch als Verbündete und ihr seid jederzeit als Gäste bei uns willkommen und dürft euch alles ansehen." erklärte der Ordensführer, "Natürlich müssen ihre Vorgesetzten einen sehr triftiger Grund gehabt haben, sie in Lebensgefahr zu schicken, sonst hätten sie es nicht getan. Daher möchte ich sie fragen, ob sie mir sagen können, was ihre Ordensführung denn dermaßen beunruhigt hat."
Ich wußte gar nicht was ich antworten sollte und versuchte mir ins Gedächtnis zu rufen, was mir dazu gesagt worden war. Als ich zu lange schwieg, fragte der Ordensführer:
"Meinen sie, daß ihre Vorgesetzten ihnen etwas wirklich Geheimes erzählt haben?"
Plötzlich war mir klar, daß das eine rethorische Frage war. Mein Lehrer hatte mir nämlich vor diesem Auftrag erklärt, daß ein Agent vor dem Aufbruch niemals Geheimnisse erzählt bekommt, mit denen er den eigenen Orden wirklich gefährden könnte, weil man leicht in Situationen kommen könnte, wo es einem nicht gelingt, solche Dinge geheim zu halten, sei es daß man gefoltert wird, daß man sich in einem Fiebertraum verrät oder daß die Post abgefangen wird. Da das so war, brauchte ich mir nur Gedanken zu machen, ob es für die Beziehung zwischen unseren Orden eher gut oder eher schlecht wäre, wenn ich es erzähle. Und dann war die Sache auch klar. Es war richtig das zu erzählen.

Ich erzählte daß eine wichtige geheimdienstliche Verbindung abgerissen war, die mit den Schwarzen Rittern zu tun hatte - mehr wußte ich darüber nicht. Zur selben Zeit hatten mehrere grausame Morde an Mitgliedern unseres Ordens stattgefunden und wir wußten nicht, ob es einen Zusammenhang gibt und wenn ja, wie der geartet sein könnte.
"Die wichtige geheimdienstliche Verbindung ist Darion. Uns ist ebenfalls unklar, ob da ein Zusammenhang besteht, daher wäre es sinnvoll, wenn sie sich ansehen würden, welche geheimdienstlichen Erkenntnisse wir zu Darions Verschwinden haben und mir erzählen, was ihnen dazu einfällt. Daß sie keine Einzelheiten über die Morde wissen, ist uns klar, sie wissen aber Details über Darions Geschichte, die wir noch nicht wissen und es ist für uns alle wichtig, das möglichst gründlich zu verstehen, um weitere ähnliche Probleme zu verhindern." erklärte der Ordensführer mir.

Auch hier gab es keinen Grund dazu nein zu sagen. Schließlich ging es nicht um die Geheimnisse meines eigenen Ordens und ich konnte einem Verbündeten jederzeit alles erzählen, was ich über einen Orden wußte, der mit unseren beiden Orden verfeindet ist. Also erklärte ich mich damit einverstanden.

Kersti

Fortsetzung:
F1065. Mirko: "Sagen sie mal, halten sie sich eigentlich für allmächtig?" fragte Tharon mich unvermittelt

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir
FI21. Kersti: Inhalt: Seelengeschwister aus der Hölle

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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