erste Version: 6/2018
letzte Bearbeitung: 6/2018

Chronik des Aufstiegs: Die Pforten der Hölle - Die Beschützer der Menschheit vor den Geistern der Verzweiflung

F1065.

"Sagen sie mal, halten sie sich eigentlich für allmächtig?" fragte Tharon mich unvermittelt

Vorgeschichte: F1062. Mirko: Der Ordensführer entschuldigte sich als erstes, daß er nicht aufstehen könnte, da er bei einem Angriff die Beine verloren hätte

Mirko erzählt:
"Sagen sie mal, halten sie sich eigentlich für allmächtig?" fragte Tharon mich unvermittelt.
Ich schüttelte den Kopf und war verwirrt, worauf er hinauswollte.
"Ich habe durchgelesen, was sie so über ihre Erfahrungen erzählt haben. Dabei ist mir aufgefallen, daß sie offensichtlich sehr gut damit zurechtkommen, daß sie einige Male nur sehr knapp mit dem Leben davongekommen sind, aber offensichtlich gar nicht darauf vorbereitet waren, daß man bei einem solchen Unterwanderungsauftrag auch immer mit seinem Gewissen in Konflikt kommt."
"Ja. Das ist wahr." antwortete ich.
"Am ersten Tag hatten sie erzählt, daß sie Darion das Frühstück gebracht und dabei offensichtlich immer drei freundliche Worte mit ihm gewechselt haben?"
"Ja das ist wahr. Aber das Brot war verschimmelt."
"Hätten sie ihm denn Besseres geben dürfen?"
"Nein. Einen Wächter, der einem Gefangenen einen Kanten trocken Brot zugesteckt hat, haben sie danach zu Tode gefoltert."
"Sie haben also den Spielraum, den sie hatten ausgenutzt, um ein bißchen freundlich zu sein und geben sich trotzdem die Schuld für alles, was Darion angetan wurde? Das ist absurd." meinte er.
Im Grunde hatte er ja recht.

Danach sprach er mich darauf an, daß ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil er beide Beine verloren hatte.
"Ich hatte bei dem Angriff den Befehl." sagte ich.
"Welche Wahlmöglichkeiten hatten sie denn? Wäre es denkbar gewesen, den Angriff gar nicht durchzuführen oder ihren Leuten zu sagen, daß sie bloß niemanden verletzen sollen?" fragte er mich.
"Nein. Aus mehreren Gründen nicht. Zum einen mußte es ja wie ein ernstzunehmender Angriff aussehen, weil ich von meinem eigenen Orden den Auftrag hatte, mich gefangennehmen zu lassen, sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, in einen Kampf mit Schwarzen Rittern verwickelt zu werden. Mir wurde erklärt, daß es zwar durchaus wichtig wäre, herauszufinden, wie die inneren Strukturen der Gefährten Jesu sind es wurde aber als noch wichtiger angesehen, zu prüfen wie sie zu uns stehen und warum sie so erfolgreich sind, Agenten umzudrehen und so wenig Zweifel an ihren Erfolgen haben." erklärte er.
"Was würden sie denn meinen, warum das so ist?" fragte er mich.
"Na ja ihr seid alle so nett."
"Nein, waren wir nicht."
"Doch ... ihr wart immer für mich da."
"Wir haben sie eingesperrt und den ganzen Tag intensiv überwacht. Das haben wir ein bißchen durch Freundlichkeit kaschiert, aber nein, wir haben über jede ihrer Regungen Buch geführt. Schauen sie mal, hier sind die Akten!"
Das überraschte mich nicht, schließlich hatten die Ritter in meiner Anwesenheit notiert, was ich gesagt hatte. Sie hatten nicht versucht, das vor mir zu verbergen, sondern sogar mein Einverständnis für diese Totalüberwachung eingeholt. Aber ...
"Aber ich habe ihnen das doch freiwillig erzählt, weil ich fand, daß sie das wissen sollten." meinte ich.
"Sie haben uns am zweiten wachen Tage freiwillig erzählt, daß sie in diesem anderen Leben gefoltert wurden, bis sie nicht mehr in der Lage waren, ihren eigenen Willen zu tun, weil sie fanden, daß wir das wissen sollen? Das glaube ich ihnen nicht!" antwortete er.
"Da brauchte ich einfach einen Gesprächspartner. Ich hatte doch mein ganzes Leben nicht gewußt, wie ich damit fertig werden sollte." sagte ich.
"Und warum haben sie sich an diese Geschichte überhaupt erst erinnert? Das wollten sie doch gar nicht." behauptete er.
"Wegen der Einweihung die mir Khiris gegeben hat." sagte ich und dachte daran, wie ich um Gnade gefleht hatte, damit er das nicht tut.
"Inzwischen habe ich erfahren, daß sie danach monatelang nicht in der Lage waren uns zu widersprechen oder zu tun was ihren eigenen Wünschen entspricht. Khiris hat damals wesentlich mehr hochgeholt, als sie verarbeiten konnten. Er hätte sie damit sehr leicht endgültig in den Wahnsinn treiben können." meinte Tharon.
"Das ist aber nicht passiert. Khiris selbst hat mir geholfen alles aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, daß niemand je wieder so etwas mit mir tun kann." gab ich zurück.

"Nun ja, dann denken sie mal an diese Geschichte im ersten Jahr ihrer Ausbildung, die sie uns erzählt haben. Ist es in Ordnung so etwas - inklusive der Geheiminformation, für die ihr Kollege Ärger bekommen hatte, die sie aber auch an denselben Typ ausgeplaudert hatten, einer Organisation wie unserer zu erzählen, wo sich ihre Vorgesetzten nicht wirklich sicher sind, ob sie weiterhin Verbündete sind?" fragte er mich.
Ich starrte ihn fassungslos an. Da hatte er nicht unrecht. Ich hätte zumindest die Geheiminformation an sich für mich behalten sollen. Aber während des Gesprächs war mir das nicht einmal bewußt gewesen. Ich war viel zu aufgelöst gewesen, weil ein Freund von mir wegen diesem Fehler ermordet worden war.
"Sie sollten wirklich lernen, sorgfältiger bei der Geheimhaltung zu sein, als sie es bei dem Gespräch waren." erklärte er mir.
Darauf hatte ich keine Antwort, denn damit hatte er absolut recht und es war mir sehr peinlich, mich so vor ihm blamiert zu haben.

Es gab einen Punkt, der mich an der Geschichte immer gewundert hatte. Ungefähr mit ihm und mir gleichrangige Kollegen hatten den, der damals zugegeben hatte, die Information ausgeplaudert zu haben, einige Zeit geschnitten. Die Vorgesetzten hatten ihn aber beschützt und er war, nachdem ein bißchen Gras über die Sache gewachsen war, mehrfach relativ kurz hintereinander bevördert worden, so daß er bald einen höheren Rang hatte, als ich ihn bis heute habe. Ich erzählte das - das war schließlich keine Geheiminformation - und fragte, was er meinte, warum meine Vorgesetzten das so gemacht hatten.
"Glauben sie, daß irgendjemand in ihrem Jahrgang von Anfang an vorsichtiger mit Informationen umgegangen ist, als ihr beiden?" fragte er mich.
Ich nannte den Namen von einem Streber, den wir alle nicht besonders sympathisch gefunden hatten, weil er sich immr so streng an alle möglichen Regeln hielt.
"Wo steht der jetzt im Rang?"
"Einen Rang über ihm."
"Dann gab es also in eurem Jahrgang einen der sofort begriffen hat, warum Geheimhaltung wichtig ist und einen der es aus einer richtig schlimmen Erfahrung gelernt hat. Sie sind bis heute noch nicht in der Lage, das immer im Blick zu behalten, wenn es notwendig wäre."
Ich wußte nicht was ich dazu sagen sollte.
"Sehen sie, ihre Vorgesetzten hatten durchaus Verständnis dafür, daß ihr noch zu jung und zu naiv wart, um mit so etwas zu rechnen. Sonst hätten sie den Kollegen nicht so sehr bevördert, nachdem Gras über die Sache gewachsen war. Sie haben wahrscheinlich noch mehr Zusammenhänge bewußt registriert als die meisten, indem sie den Zusammenhang zwischen dem Fehler und der Bevörderung festgestellt haben. Ich bin mir ziemlich sicher, daß der Orden andere Gründe für die Bevörderung vorgeschoben hat."
Das hatte er tatsächlich.
"Ihr beiden habt also Fehler gemacht, die jeder außer der Typ, den du als Streber bezeichnest hast, gemacht hat. Der Streber war unbeliebt, weil er mehr begriffen hat als ihr und deshalb sorgfältiger war. Zwei von euch hatten das Pech, daß der Fehler, den alle anderen auch gemacht haben, dazu geführt hat, daß ein Freund gestorben ist. Die anderen hatten das Glück, daß ihre Fehler keine so üblen Auswirkungen hatten. Wie du sagst, hat dein Kollege seinen Fehler selbst gemeldet. Danach dürfte ihm sein Vorgesetzter gesagt haben, daß es zwei Möglichkeiten gibt, damit umzugehen. Eine wirklich unangenehme, aus der ihr anderen ziemlich sicher begreifen würdet, daß ihr weit vorsichtiger mit Geheiminformationen umgehen müßt und eine, die für ihn weitaus angenehmer laufen würde. Seine Vorgesetzten hätten nämlich die Geschichte durchaus als anonymes Fallbeispiel erzählen können, ohne ihn so vorzuführen. So aber habt ihr alle verstanden, daß Freunde ermordet werden, wenn man mit Geheiminformationen nicht vorsichtig ist. Oder waren sie danach noch so leichtfertig mit Geheiminformationen?"
"Nein wirklich nicht. Eigentlich haben wir alle danach fast so sehr darauf geachtet, nichts an der falschen Stelle zu erzählen, wie der Streber."
"Das hätte ein anonymen Fallbeispiel niemals bewirken können, nicht wahr?"
Ich nickte.
"Ich habe deshalb hohen Respekt vor ihrem Kollegen und finde, daß er sich mit dieser mutigen Entscheidung seine Bevörderungen redlich verdient hat." erklärte der Ordensführer.

Ehe ich mich emotional so richtig mit dieser Erkenntnis angefreundet hatte, sagte er noch etwas, mit dem er mich wieder kalt erwischte.
"An der Geschichte ist noch etwas, über das sie ernsthaft Gedanken machen sollten. Damit haben sie uns nämlich verraten, wer sie sind."
"Aber ich habe doch gar nicht dazu gesagt, wo das passiert ist!" sagte ich.
"Überlegen sie doch mal. Wie wäre der Sauhaufen, den sie unterwandern sollten, denn mit so einem Fehler umgehen?"
"Die hätten ihn ermordet."
"Wir schleusen bei unseren Feinden ebenfalls Agenten ein. Meinst du, wir wissen nicht, daß diese Organisationen eine Person, die so einen Fehler gemacht hätte auf möglichst spektakuläre Weise ermordet hätte?"
Ich sah ihn sprachlos an.
"Der wachhabende Ritter ist jedenfalls nach diesem Gespräch zu Rios, meinem Stellvertreter gegangen - ich war da ja noch zu krank - und hat ihm gemeldet, daß er meint, du wärest nicht, was du vorgibst zu sein. Rios hat sich dann an Michaela gewendet und sie gebeten dir das Abendessen zu bringen und nachher zu sagen ob sie dich kennt. Nun ja und sie hat dich erkannt. Daher wissen wir so genau, wer du bist."
"Dann war das gar nicht, weil Khar mich entlarvt hat?"
"Nein, Khar war sich nur nicht im klaren, daß es klüger gewesen wäre, das nicht vorzeitig zu verraten. Er ist schließlich noch ziemlich unerfahren."

Kersti

Fortsetzung:
F1063. Khar: Abends fragte ich daher Rios, ob die weißen Ritter zuhause eigentlich keine Schule haben, in der sie lernen wie man ihre Arbeit macht

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben

EGI. Kersti: Erinnerungen aus diesem Leben, aus früheren Leben und aus feinstofflichen Welten
V231. Kersti: Frühere Leben von mir
FI21. Kersti: Inhalt: Seelengeschwister aus der Hölle

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im Voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.
Werbung - auch in Form spiritueller Newsletter - ist nicht erwünscht und ich bin nicht damit einverstanden, daß diese Adresse für Werbezwecke gespeichert wird.