erste Version: 5/2019
letzte Bearbeitung: 5/2019

Chronik des Aufstiegs: Die Pforten der Hölle - Die Beschützer der Menschheit vor den Geistern der Verzweiflung

F1256.

"Wenn sie den Dämon fragen würden, warum er Karl für seine Unverschämtheit nicht bestraft hat, würde er sagen 'Aber ich würde ihm doch nie etwas tun!'" antwortete ich

Vorgeschichte: F1289. Karl: Offensichtlich hatten die Schwarzen Ritter sogar ein irdisches Weltbild, wo sie all die nächtlichen Erkenntnisse nahtlos einbauen konnten

Khar erzählt:
Die Persönlichkeit von Karl beeindruckte mich immer mehr. Ich führte mit ihm irdisch ein ausführliches Gespräch über die Geflogenheiten in verschiedenen Höllen und war erstaunt, was er irdisch alles darüber wußte. Während ich weiter mit ihm redete, wuchs mein Erstaunen, denn er hatte diese Wissen in diesem Leben direkt aus den Höllen bezogen.

Dann gingen wir raus zu den Wachen und befragte sie dazu, wie sich Karl in der letzten Zeit verhalten hatte und ob er irgendetwas gesagt oder getan hatte, was ein irdischer Mensch nie so gemacht hätte. Nach allem was ich feststellen konnte, hatten sie zwar alle Angst vor ihm gehabt, ohne sich diese Angst wirklich erklären zu können, der Junge selbst hatte sich aber völlig normal verhalten.

Ich habe mich am längsten mit dem Leiter der Wacheinheit unterhalten, der hellsichtiger war als die meisten von dieser Einheit. Anfangs war er diesbezüglich sehr zugeknöpft, als er aber merkte, daß ich in der Lage war genauso viel zu sehen wie er, redete er immer ausführlicher und offener.

Dabei wurde dann klar, daß er zumindest sich vor C'her fürchtete. Ich brachte ihn so weit, daß er sich erinnerte aus welchen Erfahrungen diese Angst stammte und ihm wurde klar, wie alt sie war. Sie stammte aus alten Kriegen, in denen er erlebt hatte, daß die Dämonen in der Lage waren, auf archaische Kräfte zuzugreifen, die die Menschen zur damaligen Zeit längst verloren hatten. Deshalb hatten die Menschen Waffen erfunden, während die Dämonen sich auf ihre geistigen Kräfte verlassen hatten.

"Was meinst du - haben die Dämonen ihre Kräfte immer noch?" fragte ich.
"Ja. Das haben sie. Das habe ich ja während der Dämon im Körper war gesehen. Wir hatten ja so eine Angst, weil er in der Woche danach immer noch da war." antwortete er.
"War es derselbe?"
"Er war zumindest sehr ähnlich. Aber er kam mir etwas kleiner vor." antwortete er.
"Tatsächlich war der in der Woche nach dem Exorzismus ein anderer und er war nicht nur etwas kleiner sondern um mehrere Größenordnungen kleiner. Ich habe den größeren gestern Abend gezeigt bekommen und war doch erstaunt, daß Karl es gewagt hat, mit ihm zu reden, als wäre der Große ein ungezogenes Kind das seine Hausaufgaben nicht gemacht hat." antwortete ich.
"Aber woher nimmt ein Mensch den Mut, so etwas zu tun?" fragte er.
"Haben sie ein Kind?"
"Ja."
"Hat ihr Kind schon einmal mit ihnen geschimpft?"
Er begann zu schmunzeln.
"Der kleine Fratz ist noch keine drei jahre alt. Aber sie werdens nicht glauben, was der manchmal für Wutanfälle kriegen kann."
"Aber woher nimmt so ein kleiner Mensch den Mut, so etwas zu tun?" fragte ich.
"Aber ich würde ihm doch nie etwas tun!" antwortete er.
"Fassen wir zusammen - wenn so ein kleiner Mensch den Mut hat, mit einem viel größeren und mächtigerem Wesen zu schimpfen wie ein Rohrspatz, hat er Vertrauen darauf, daß dieses größere Wesen ihm nie etwas tun würde. Was sagt ihnen das über den großen Dämon?"
"Weiß ich nicht."
"Wenn sie den Dämon fragen würden, warum er Karl für seine Unverschämtheit nicht bestraft hat, würde er sagen 'Aber ich würde ihm doch nie etwas tun!'" antwortete ich.
"Das glaube ich nicht!"
"Hat er euch denn etwas getan?" fragte ich.
"Mir persönlich nicht - also weder der Große noch der Kleine. Bei dem kleinen hatte ich sogar den Eindruck, daß er versucht hat, alle zu beruhigen. Ich hatte trotzdem Angst. Aber einige sind wahnsinnig geworden." meinte er.
"Dann sollte ich die mir mal ansehen. Möglicherweise kann ich ihnen helfen." sagte ich und fuhr dann fort "Und wie war es umgekehrt, was hattet ihr mit dem Dämon vor?"
"Er sollte zurück in die Höllen geschickt weren."
"Davon wird er nicht erbaut gewesen sein. Die Dämonen sehen die Höllen als Kerker, in die sie von Menschen geworfen wurden, die sie aus ihrer Heimat verbannt haben. Sie waren nämlich zuerst auf dieser Erde. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß die Leute, die den Exorzismus benutzen wollten, um den Dämon in die Hölle zu werfen, ihren eigenen Exorzismus abbekommen haben. Manche Dämonen spiegeln nämlich Exorzismen zurück." erklärte ich.

Kersti

Fortsetzung:
F1291. Der Offizier von Karls Wache: Ich war verwirrt. Und egal was Khar gemeint hat, er scheint ernsthaft der Ansicht zu sein, daß Dämonen liebevoll sein können!