erste Version: 2/2020
letzte Bearbeitung: 7/2020

Chronik des Aufstiegs: Die Pforten der Hölle - Die Beschützer der Menschheit vor den Geistern der Verzweiflung

F1359.

Aber mir war das nur wie ein Stich in Herz, denn diese völlig rücksichtslos rebellische Reaktion zeigte mir, daß Geron seine Situation für völlig aussichtslos hielt

Vorgeschichte: F1654. Khar: Offensichtlich waren mir aber Helfer geschickt worden, die sich auf der Erde, wie sie heute war, auskannten, denn den anderen war das nicht aufgefallen

Khar erzählt:
Mir wurde gemeldet, daß mich jemand sprechen wolle, dessen Namen ich noch nie gehört hatte. Dann wiederholte der Junge, der mir das hatte ausrichten sollen, den Satz, den diese Person ihm gesagt hatte - und ich erstarrte. Der Satz enthielt ein Schlüsselwort, das sich auf eine Person bezog die ich kannte und zwei weitere Worte, die mir mitteilten, daß sie persönlich anwesend und die Angelegenheit wichtig war - dummerweise waren mit dieser Person keine guten Erinnerungen verbunden. Thar, der Arzt, von dem diese Botschaft stammte, hatte mich bei unserer letzten Begegnung gefoltert. Er war aber auch derjenige, der meine Flucht vor der Inquisition eingefädelt hatte. So häßlich diese Erinnerungen waren, so klar war mir, daß ich ihn sprechen mußte, weil die Botschaft wahrscheinlich wichtig war. Ich sage dem Jungen, daß er ihn in ein Besprechungszimmer bringen sollte, das in einem nicht ganz so geheimen Bereich lag wie der, wo ich wohnte. Außerdem sollte er Ehon zu uns schicken, sobald der sich freimachen konnte.

Dann begab ich mich selbst in dieses Zimmer, wartete, bis die beiden ankamen, fragte meinen Gast, ob er etwas essen und ob er bei uns übernachten wolle. Er meinte, daß das davon abhängt, wie viel ich von ihm wissen wolle. Er hätte zwei Nachrichten für mich eine offizielle und eine geheime und wenn ich zusätzliche Fragen hätte, würde er sie mir gerne beantworten und hätte dafür bis zu drei Tage Zeit. Ich entschied, ihm ein Gästezimmer zuweisen zu lassen und bat den Jungen, uns das Abendessen zu bringen.

Das offizielle Schreiben war eigentlich an Ehon gerichtet, der im Gegensatz zu mir offiziell noch lebte. Dort wurde Geron unter seinem neuen Decknamen genannt, es wurde behauptet, man würde wissen, wie wichtig er für uns ist und wenn wir nicht tun, was sie wollen - sie forderten lauter Dinge, die unsere Situation nur verschlimmern und ihm nicht helfen würden - dann würden sie ihn zu Tode foltern und seine Seele würde der ewigen Vernichtung anheimfallen. Ich fragte mich, warum sie eigentlich immer noch glauben, daß das funktionieren könnte. Wenn das so einfach wäre, wie sie immer vollmundig behaupten, wären alle engen Freunde Jesu längst ein einzige seelisches Wrack. Es hätte mich schon lange vor diesem Leben nicht mehr gegeben. Man sollte meinen, daß ihnen irgendwann auffallen müßte, daß wir nicht weniger sondern mehr werden! Nicht nur das, wir gewinnen immer mehr unserer ursprünglichen Intelligenz und unserer magischen Macht zurück, während sie immer machtloser werden. Ich kann nicht sagen, wie lange das dauern wird, aber irgendwann werden wird die Oberhand haben. Offensichtlich war das aber noch nicht bei unseren Feinden angekommen.

Mir war klar, daß ich nichts tun konnte, um ihm zu helfen. Natürlich konnte ich unterschiedllich auf diese Nachricht reagieren, aber nichts davon würde Geron helfen. Und ich konnte mich an genug Foltern und Höllen erinnern, um zu wissen was auf ihn zukam.

Es lagen Bilder bei und ein Zeh von Geron. Die Bilder waren - typisch Geron. Sie hatten ihn offensichtlich an einem Stuhl festgenagelt und er wirkte erschöpft und mitgenommmen von den Foltern. Aber was an den Bildern beeindruckte, war sein Gesichtsausdruck. Mal verächtlich, mal wütend, aber immer hellwach und stark. Daß wir so sind, hatte die Leute immer beeindruckt, schon zu Jesu Zeiten und sie hatten daraus eine völlig krankhafte Märtyrerverehrung gemacht. Aber mir war das nur wie ein Stich in Herz, denn diese rücksichtslos rebellische Reaktion zeigte mir, daß Geron seine Situation für völlig aussichtslos hielt, für etwas, wo nachgeben so zwecklos war wie Rebellion und da sich Rebellion besser anfühlt, rebellierte er.

Ich zog den zweiten Brief zu mir heran und stellte gleich fest, der ist viel länger als der erste. Nach den ersten Sätzen der Einleitung, wußte ich, was das bedeutete. Geron hatte geschrieben, er hätte mir einige wichtige Dinge mitzuteilen, denn er hätte recherchiert. Es klingt natürlich absurd, in einer Situation zu rechercheren, wo man weder damit rechnen kann freizukommen, noch damit, die Botschaft überhaupt an den Mann zu bringen. Aber ich kann mich an diverse Leben erinnern, wo ich genau das getan habe und der Grund dafür hatte nichts damit zu tun, daß ich ernsthaft geglaubt hätte, mit den nachrecherchierten Fakten irgendetwas anfangen zu können. Tatsächlich habe ich später etwas damit angefangen, und sei es erst, wenn ich mich in einem der nächsten Leben daran gemacht habe, die traumatische Erfahrung aufzuarbeiten. Aber der wirkliche Grund für die Recherchen war ein psychologischer Trick. Ich habe mich damit von meiner Angst vor der nächsten Folter abgelenkt. Die Zeit die man mit zuhören, genau beobachten und recherchieren verbringt, kann man nicht darauf verwenden, sich vor der nächsten Folter zu fürchten und sich selbst in den Wahnsinn zu treiben, also recherchiert man auf Teufel komm raus - und die Leute machen es einem leicht, weil sie wissen, daß man das nicht überleben wird. Es ist unfaßlich, wie viel von dem was wir über den Feind wissen aus solchen Situationen stammt, unfaßlich wegen der Häufigkeit und Dauer solcher Foltern und wegen der Menge der Informationen, die wir gewonnen haben, weil sie einem Sterbenden alles erzählen.

Ehon kam herein, ich stellte ihm unseren Gast vor, erklärte, woher ich ihn kannte und zog mich relativ bald zurück, um den Brief in Ruhe zuende zu lesen. Das tat ich dann in meinem eigenen Zimmer, wo ich weinen konnte, während ich las, was Geron mir schrieb. Wenn ich zurück durch all diese Leben sehe, sind da so viele Grausamkeiten. Manchmal denke ich, all diese Grausamkeiten hören nie auf.

In der Nacht hatte ich Alpträume. Es gab einfach zu viele Erfahrungen, an die mich der Brief hatte erinnern können. Ich mußte natürlich unseren Gast auch noch befragen, weil nicht alles was im Brief stand völlig klar gewesen war und weil er auch einiges darüber wissen mußte.

Kersti

Fortsetzung:
F1368. Mirko: Danach war nichs mehr als kalte Gleichgültigkeit