erste Version: 3/2021
letzte Bearbeitung: 3/2021

Das Sternenreich der Zuchtmenschen: Das Leben des perfekten Kriegers

F1565.

Nachem ich einen Drachen aufsuchen mußte, hatte ich immer Dinge gemacht und gedacht, als wäre ich ein ferngesteuerter Automat

Vorgeschichte: F1561. Geson XZB12-56-78: Wenn man die Macht hat, stellt man fest, daß Politik frustrierend ist

Staatsregentin Kira Santalon erzählt:
Kurz nachdem er die Macht als Planetenregent und Botschafter der Regierung des Lichtreiches übernommen hatte, rief mich Geson XZB12-56-78 an und wollte den Termin des jährlichen Berichtes mit mir abstimmen. Ich fragte ihn, ob das hieße, daß wir weiter zu den Drachen bestellt würden.
"Nein. Nach dem, was ich von den Drachen und ihren Reitern erfahren hatte, hat das offensichtlich nicht funktioniert. Es ist ihnen in den ganzen Jahren ihrer Herrschaft nicht gelungen, eine Lösung zu finden, mit der der typische Regent lernt, seine eigenen Gedanken von den telepathischen Gesprächsbeiträgen der Drachen zu unterscheiden. Da Sie das noch nicht gelernt haben, ist es witzlos, sie zu den Drachen zu schicken, denn was bei der Kommunikation rauskommt, kann dann nur ziemlich verunglücken. Wenn sie ein Interesse daran haben, eine souveräne Kommunikation mit den Drachen zu lernen und mit ihnen zu reden, können wir ihnen dafür Kurse anbieten, aber wir werden sie nicht zwingen, etwas zu tun, was schon die ganze Zeit, seit es eingeführt wurde, nicht richtig funktioniert hat. Sie sollen einfach mit mir ausführlich reden und genug Zeit mit mir verbringen, um mich als Mensch so gut kennenzulernen, daß eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist." antwortete er.
Ich fand nicht die passenden Ausdrücke, um zu sagen, wie erleichtert ich war, nicht zu den Drachen zu müssen, denn jedes mal, wenn ich dort gewesen war, hatte ich zuerst drei Tage übelste Kopfschmerzen gehabt, die dann wochenlang immer noch quälend waren und es hatte Monate gedauert, bis ich mich einigermaßen wiedergefunden hatte. Das erste mal hatte ich es das ganze Jahr nicht geschafft, bis ich wieder hinmußte.

Was daran richtig gruselig war, war daß ich Dinge gemacht und gedacht habe, die nicht meine eigenen Gedanken und meine eigenen Handlungen waren, als wäre ich ein Automat, der ferngesteuert wird. Und dann kam noch dazu, daß Leute, die vorher meine Freunde gewesen waren, nichts mehr mit mir zu tun haben wollten. Und es hatte keine Möglichkeit gegeben, mich zu weigern.

Als ich meine Erleichterung ausdrückte, erklärte mir Geson, daß er grob wüßte, was das Problem gewesen sei. Sie hätten damals ein Buch von Jorian dem Zentaur gelesen, der aus eigener Kraft eine souveräne Kommunikation gelernt hätte und das ihnen verraten hätte, was das Problem und was die mögliche Lösung wäre. Drachen wären eigentlich gentechnisch als Biocomuter mit sehr hoher Leistungsfähigkeit erschaffen worden und da sie Lebewesen wären, müßte ihre Intelligenz ausgenutzt werden, damit sie nicht unglücklich sind und das Gefühl haben, geistig verhungern zu müssen. Gleichzeitig wären sie sehr fügsam und menschenbezogen und wenn man richtig mit ihnen umgeht, würden sie gerne das meiste tun, was man von ihnen will. Da es im Augenblick viele Zuchtmenschen auf dem Planeten gäbe, die sich gerne mit den Drachen unterhalten und diverse Schiffgehirne auf dem Planeten zu Gast sind, damit sie ans Netz angeschlossen sind, so lange sie kein Schiff haben, wären die Drachen im Augenblick glücklicher, als sie es Zeit ihres Lebens gewesen seien und würden sich sozusagen an Wissen überfressen, um die vergangenen Hungerzeiten zu kompensieren. Das, was sie jetzt bekämen, auszuwerten, würde wahrscheinlich Jahre dauern und von jetzt ab würde es immer ein Planetengehirn geben, das bei den Drachen sei, um deren Wissenshunger zu stillen, es wäre nur noch nicht klar, welches der Gehirne diese Aufgabe letztlich übernehmen würde, da es diverse interessierte Bewerber gebe.

Die Kopfschmerzen entstünden dadurch, das der Drache zu wenig über Menschen weiß und innerhalb von 24 Stunden Wissen in das Gehirn hochgeladen hatte, das dazu dienen sollte, gute Ratschläge für ein ganzes Jahr bereitzustellen. Menschen wären aber gar nicht in der Lage, derart viel Wissen auf einmal zu verarbeiten, mit dem Ergebnis, daß sie erstens Kopfschmerzen bekommen und zweitens das meiste des eingespeicherten Wissens verdrängen, während sie den Rest falsch und undurchdacht anwenden, beziehungsweise vollautomatisch umsetzen, ohne ihr eigenes Wissen richtig einzubringen, so daß man sinnvoll handeln kann. Entsprechend seien die Drachen selbst mit dem Ergebnis immer sehr unzufrieden gewesen. Er würde mir dringend raten, mir jemanden zu suchen, mit dem ich über meine Erfahrungen reden kann und will, um so viel wie möglich davon zu verarbeiten, weil ich sonst für den Rest meines Lebens ein Problem damit haben würde.

Ich fragte ihn, ob er dieses Problem nicht gehabt hätte.
"Nein, hatte ich nicht. Ich habe dem Drachen schlicht verboten, unbeaufsichtigt in meinem Geist herumzurennen und er hat darauf gehört. Ich würde ihnen dringend raten, die Kurse die wir zur Kommunikation mit Drachen gemacht haben zu machen, es ist keinerlei weitergehende Verpflichtung damit verbunden, aber es kann ihnen helfen, ihre eigenen Erfahrungen besser zu verstehen." erklärte er.
Ich hatte das Gefühl, daß er sich aufrichtig Sorgen um mich machte, als er das sagte. Gleichzeitig waren Drachen für mich derart zum kotzen, daß ich mir nicht vorstellen konnte, mich mit dem Thema freiwillig zu beschäftigen.

Ich fragte ob ich alleine kommen oder meine Assistenten mitbringen sollte und er erklärte mir, daß ich bis zu zwanzig Leute mitbringen konnte, die alles besichtigen und sich mit der neuen Regierung vertraut machen könnten, er sich persönlich aber höchstens mit einer zweiten Person abgeben würde. Ich solle machen, was ich meinte, was die beste mögliche Zusammenarbeit bringt und ihm innerhalb der nächsten Woche einen Plan schlicken. Dann einigten wir uns, daß das Treffen exakt zum normalen Termin stattfinden würde, weil ich dann keine Termine schieben mußte.

Nach dem Gespräch fragte ich mich, ob er wirklich so naiv war, anzunehmen, daß man zu allen Menschen nur nett und freundlich sein muß, damit sie das ebenfalls sind. Außerdem fragte ich mich, wie es möglich war, daß die gefährlichten Krieger des Feindes eine solche Einstellung und offensichtliche Naivität mitbrachten.

Kersti

Fortsetzung:
F1566. Geson XZB12-56-78: Jedenfalls haben die Leute mir alle möglichen Fähigkeiten zugeschrieben, die ich gar nicht habe und sich ganz komisch benommen

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben