erste Version O7.10: 2/2009
letzte Überarbeitung: 2/2009
Diese Aussage ist falsch, da sie den Unterschied zwischen einem akuten und einem chronischen Mangel an Sinnesreizen nicht berücksichtigt. In der Medizin bezeichnet das Wort akut, das von lateinisch acutus, "scharf, spitz" abgeleitet ist, schnell zum Ausbruch kommende Erkrankungen vergleichsweise kurzer Dauer (3 bis 14 Tage). Das Wort chronisch, ist von griechisch Χρονος, chrónos, "die Zeit" abgeleitet und kennzeichnet sich langsam entwickelnde oder lang andauernde Erkrankungen. Der Krankheitsverlauf erstreckt sich über mehr als vier Wochen. Auf einen akuten Mangel an Sinnesreizen werden folgende Theorien zur Nahtodeserfahrung zurückgeführt.
Bei Blinden liegt jedoch ein chronischer Mangel an Sinnesreizen vor, der völlig andere Folgen hat.
In der kritischen Periode, in der sich das räumliche Sehen entwickelt, entwicklen sich die Axone im Gehirn in Abhängigkeit davon, wie oft sie benutzt werden. Ist ein Auge in dieser Zeit abgedeckt, ist dieses Auge nachher blind und die Sehzellen, die mit dem anderen Auge verbunden sind, nehmen den gesamten Bereich mit ihren Synapsen ein, den sonst beide Augen sich teilen. 4.17 S.498-500
Wenn beide Augen blind sind, dehnen sich die Bereiche der anderen Sinnesorgane auf Kosten des Gesichtssinnes aus, während sich das Sehzentrum nach und nach zurückbildet. Das geschieht auch bei erwachsenen Menschen und Säugetieren noch, aber nicht so vollständig. 4.17 S.500-502
Da den anderen Sinnen mehr Platz zur Auswertung ihrer Daten im Gehirn zur Verfügung steht, können Blinde oft genauer hören, riechen oder tasten als Sehende.
Damit man sich das vorstellen kann, hier ein Beispiel aus dem Buch einer ehemals Blinden.
Judy Taylor erblindete als Kind durch grauen Star, konnte aber bis zu ihrem neunten Lebensjahr immerhin noch gut genug sehen, um die Regelschule zu besuchen. Als Erwachsene hatte sie durchaus noch bildhafte Vorstellungen. Dennoch hatte sie nach der Staroperation anfangs Schwierigkeiten, zu verstehen, was sie sah.Erst ab einem Alter von sieben Jahren ist das Behalten der visuellen Bilder sicher, wobei jedoch die Qualität mit der Zeit verblasst. Stattdessen erlangt der Hörsinn höchste Priorität. 3.3 S.294Judy Taylors erste Erfahrungen nach einer Staroperation
Und dann war der einerseits gefürchtete, andererseits ersehnte Augenblick gekommen. Als ich mit den beiden Schwestern ins Behandlungszimmer ging, um die Binde abnehmen zu lassen, fühlte ich mich, als hätte ein Schalter automatisch mein Gehirn ausgeknipst. Ich konnte keinen einzigen Gedanken fassen, wartete nur, daß die Wahrheit ans Licht kam. Die Atmosphäre in dem kleinen Zimmer war wie elektrisch geladen, wie in den Momenten, wenn ein Gewitter aufzieht und man sich wundert, warum die Stille so laut ist, bis man merkt, daß die Vögel nicht mehr singen.Ich weiß nicht, was ich eigentlich erwartet hatte. Vielleicht hatte ich gar nicht gewagt, überhaupt etwas zu erwarten - nur auf etwas gehofft. Was ich sah, war ein helles, waagerechtes Licht, und dann, als ich meinen Kopf nach rechts drehte, sah ich noch mehr helle Lichter, die senkrecht verliefen.
Wieder drehte ich meinen Kopf, diesmal nach links. Da glänzte etwas besonders hell. Ich zeigte mit dem Finger drauf, und man konnte förmlich spüren, welche Erleichterung durch das Zimmer ging. Ich hatte auf die silbrige Gürtelschnalle an der Uniform der Schwester gezeigt. Aber was waren diese geheimnisvollen waagerechten und senkrechten Lichter? Plötzlich dämmerte es mir: Das waagerechte Licht war der weiße Rahmen über der Tür, und die senkrechten Lichter waren drei Flaschen, die auf einem braunen Schrank standen. Alles Helle war für mich ein überwältigendes Gleißen.
Als ich nach unten blickte, sah ich mehrere ganz helle Streifen, die alle in eine Richtung zeigten. Dazwischen lagen tiefe Schatten. Was konnte das sein, so nah bei mir und doch so fremd, daß ich keinen Namen dafür gewußt hätte? Unwillkürlich bewegte ich meine Hand, und die hellen Streifen verschwanden - ich hatte auf meine eigenen Finger geschaut. 4.16 S.224-226
Zwei Jahre nach der Operation
Im Nachwort schreibt die Autorin:Wieder einmal ist ein Weihnachtsfest vorbei, das zweite, seitdem meine Augen geöffnet wurden für eine Welt voller Bewegung, bunter Farben und leuchtender Schönheit. Noch immer sehe ich diese Welt nur halb, verstehe sie nur halb. Aber ich habe zumindest nicht mehr das Gefühl, mich auf einer herumwirbelnden Drehscheibe zu befinden, auf der meine Füße keinen sicheren Halt haben. Allmählich habe ich mich eingerichtet zwischen den Welten des Sehens und des Nicht-Sehens. Es macht mir nicht mehr so viel aus, daß ich nicht so sehe wie andere Leute, daß meine Finger über ein Buch in Blindenschrift huschen, daß mein Blindenhund zu meinen Füßen liegt und ich dennoch im nächsten Moment aufsehen und mit eigenen Augen das Zimmer sehen kann. Wenn jemand heute zu mir sagt: "Ich weiß nicht, wieviel du sehen kannst", kann ich ehrlich antworten: "Ich auch nicht, aber das macht mir nichts mehr aus." Und je selbstbewußter und gelassener ich mich in dieser immer noch vergleichsweise neuen Situation zurechtfinde, desto gelassener werden offenbar auch die Menschen um mich herum. 4.16 S.330-331
Judy Tailor kann durchaus auch Schwarzschrift mit ihren Augen lesen. Sie liest also Blindenschrift, weil ihr das leichter fällt.
Wegen ihrer geringen Zahl an potentiellen Experiencern konnte die Blindenstudie nicht repräsentativ ausfallen. Der kleinere Personenkreis hätte wegen der intensiveren Befragung jedoch für eine gewisse Glaubwürdigkeit bürgen können. Bedauerlicherweise wurden in diesem Zusammenhang jedoch bald fehlerhafte und sogar gefälschte Berichte über blinde Experiencer publiziert, weil die erforderlichen Rückragen und Prüfungen nicht durchgeführt worden waren. So sind auch die zweifellos recht aussagekräftigen Hinweise auf ein Sehen blinder Experiencer in ein schiefes Licht geraten. 3.3 S.294-295
Wenn Blinde Gegenstände richtig beschreiben, von deren Aussehen sie bisher keine eine bildliche Beschreibung kennen und die sie auch nicht abgetastet haben und dabei auch die Farben richtig angeben, dann läßt sich das nicht mit Vorstellungen erklären.
Laut Experiencer Vicky lassen sich Nahtodeserlebnisse nicht mit dem Traum eines Blinden vergleichen. Die von Blackmore vertretene These der retrospektiven Rekonstruktion geht von der Konstruktion eines Bildes aus Geräuschen aus, wenngleich die blinde Person die Verben des Sehens weiter benutzt. 3.3 S.294
Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615,
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Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal
im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von
Lesern immer bekomme.
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