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Zuerst erschienen in Idee und Bewegung Heft 45 (Heft 4/1999)
zuerst auf dieser Internetseite vor: 1.5.2000
letzte vollständige Überarbeitung: 8-9/2016
letzte Bearbeitung: 9/2016

V9.

Ernährungsintuition: Auf den eigenen Körper hören

Inhalt

Übergeordnete Artikel:
V6. Kersti: Gesunde Ernährung
V240. Kersti: Intuition
Dieser Artikel:
V9.1 Kersti: Wilde Tiere ernähren sich gewöhnlich gesund
V9.2 Kersti: Ein paar Geschichten über Bitterstoffe: wie uns die Intuition vor Vergiftungen schützt
V9.2 Kersti: Ich war froh, daß ich auf die Warnung meines Körpers gehört hatte
V9.2 Kersti: Mein bisher seltsamstes Geschmackserlebnis: Wermuttee
V9.2 Kersti: Vergiftung durch eine Zucchini
V9.3 Kersti: Heißhunger: wie unser Körper uns sagt, was wir brauchen
V9.3 Kersti: Salzgeschichten
V9.3 Kersti: Vitamin C und der scheußlich - oder verlockend - künstliche Geschmack
V9. Kersti:
V9. Kersti:
V9. Kersti:
V9. Kersti:
V9. Kersti:
V9. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Wilde Tiere ernähren sich gewöhnlich gesund

Der Körper von Menschen und Tieren nimmt eine Auswertung der Nährstoffe vor, die in der Nahrung enthalten sind und meldet an das Bewußtsein, was als Nahrung gebrucht wird, um die Bedürfnisse des Körpers zu erfüllen. Daher gelingt es wilden Tieren gewöhnlich, sich gesund zu ernähren, wenn die nötige Nahrung für sie in Reichweite ist. Bei Mineralmangel nehmen viele Tiere Erde auf, um sich mit den nötigen Mineralien zu versorgen.
V43. Kersti: Geschmack, die beste chemische Kurzanalyse
Wenn das nicht der Fall ist, entweder weil der Boden nicht die nötigen Nährstoffe enthält oder aber weil die Jahreszeit zu kalt oder zu trocken ist um ein ausreichendes Pflanzenwachstum zu ermöglichen. Altersschwache Tiere verhungern auch möglicherweise, weil sie keine Zähne mehr haben. Gelegentlich führen auch ortsfremde sehr giftige Pflanzen zu Vergiftungen.

Wenn wir prinzipiell dieselben Tiere als Schoßtiere halten, sind sie aber oft genauso fehlernährt, wie die Menschen, die sie besitzen. In diesem Artikel geht es darum, wie das natürliche System, das wir besitzen, damit uns unser Körper mitteilen kann, was wir essen müssen, in der Praxis funktioniert.


Mineralienlecke mit Gelbbrustaras (Ara ararauna, blaugelbe Vögel), Hellrote Aras (Ara macao, die mit der roten Schulter), Mülleramazonen (Amazona farinosa, grün, rechts unten) und Rotbugara (Ara severus, grün mit blauem Rand am Flügel, links unten) in Peru5.. Die Vögel nehmen hier Erde auf, da Ihre Nahrung aus dem Regenwald oft zu wenig Mineralien enthält.

 
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2. Ein paar Geschichten über Bitterstoffe: wie uns die Intuition vor Vergiftungen schützt

Bitterstoffe in der Nahrung haben die Funktion vor Giften zu warnen, deshalb ist uns dieser Geschmack unangenehm.
Beispielgeschichte, Kersti:

Ich war froh, daß ich auf die Warnung meines Körpers gehört hatte

Aus dem Gedächtnis hatte ich einige Kräuter gesammelt, die ich in einem Kräuterbuch gefunden hatte und würzte damit das essen, was ich auf einer Wanderung kochte. Zunächst schmeckte es Gut, doch schon nach wenigen Bissen begann mich der bittere Geschmack eines der Kräuter zu stören. Der Geschmack wurde immer störender und aus dem Bauchraum kam das gefühl, daß man das aber wirklich nicht essen könne. Schließlich schüttete ich den Rest weg, weil ich mich nicht überwinden konnte, noch mehr davon herunterszuschlucken.

Diese Malzeit hatte keinerlei negative Auswirungen auf meine Gesundheit, ich wanderte in den nächsten Tagen weiter, allerdings war das essen knapp, weil man wenn man mit vollem Gepäck wandert, keine überflüssigen Malzeiten mitnimmt.

Als ich einige Tage später wieder in der Hütte ankam, in der meine Familie Sommerurlaub machte, schaute ich das bittere Kraut nach und stellte fest, daß ich es durchaus richtig identifiziert hatte. Ja die Pflanze war eßbar und wurde als Gewürzkraut verwendet. Allerdings sollte man mit der Dosierung vorsichtig sein, weil es leicht giftig war. Ich war froh, daß ich auf die Warnung meines Körpers gehört hatte.

Das heißt jedoch nicht, daß jede bittere Pflanze zwangsläufig giftig ist. Der Geschmack einer Malzeit ist nur eine erste Grobauswertung, was im Essen drin ist. Eine genauere Rückmeldung, ob die Nahrung das enthält, was der Körper grade braucht, gibt der Körper, sobald sie im Verdauungssystem angekommen ist. Daher ist dieses zweite Signal weitaus wichtiger als das Geschmackserlebnis im Mund.

Beispielgeschichte, Kersti:

Mein bisher seltsamstes Geschmackserlebnis: Wermuttee

Mein bisher seltsamstes Geschmackserlebnis hatte ich mit Wermut. Eine Bekannte hatte mir ein Marmeladenglas voll mit frischem Wermut aus ihrem Garten gegeben. Ich solle, das probieren, es wäre gesund.

Ich kochte mir also Wermuttee proberte ihn und in meinem Mund zog sich alles zusammen, weil er so bitter war. Das wunderte mich nicht, denn das ist genau das, wofür man Wermut im allgemeinen Sprachgebrauch kennt. Doch kaum kam er im Magen an, kam von unten aus dem Bauchbereich die Rückmeldung:
"Das ist genau das was gebraucht wird, wir brauchen mehr davon!"
Ich habe das jetzt in Sprache übersetzt, weil ich das mit intuitiven Rückmeldungen gewohnheitsmäßig tue, doch tatsächlich handelte es sich um eine Art Wohlgefühl, das sich im Bauchraum ausbreitete und was in mit den Wunsch weckte, noch mehr zu trinken, weil sich das so großartig anfühlte.

Ich trank also in den nächsten Tagen mehrfach am Tag Wermuttee und amusierte mich innerlich über dieses absurd widersprüchliche Geschmackserlebnis.

Übrigens habe ich in der Woche dort zwar viel Wermuttee getrunken, aber auch hier kam jeweils irgendwann ein "Noch mehr kann man nicht trinken!"-Gefühl auf, auf das ich gehört habe. Wermut enthält Thujon, das in hohen Dosen ebenfalls giftig ist.

Wermuttee wird oft bei Verdauungsstörungen eingesetzt und ist daher manchmal genau das was unsere Leber als Nahrung braucht, um wieder richtig zu arbeiten.


Wermut. Ich habe die frischen Pflanzen zum Teekochen verwendet. 5.

In beiden Fällen war der Geschmack im Mund störend bitter. Doch während im ersten Fall die Rückmeldung aus dem Magen-Darm-Trakt war "Das kann man nicht essen!" kam im zweiten Fall zunächst eine "Das ist großartig! Mehr davon!"-Meldung aus dem Verdauungssystem, gegen Ende aber ein "Stop, das reicht!". Da ich auf diese Signale gehört habe, habe ich trotz der in der Nahrung durchaus enthaltenen Giftstoffe und trotz der enormen Mengen an Wermuttee, die ich getrunken habe: zu jeder Malzeit ein Liter keinerlei negative Auswirkungen erlebt.

Für mich selber heißt das daß ich mich wohl darauf verlassen kann, daß mich mein Körper rechtzeitig warnt. Das scheint auch der Normalfall zu sein, sofern man die wenigen richtig gefählich giftigen Pflanzen vermeidet.
VB195. Kersti: Bebilderte Liste der gefährlich giftigen Pflanzen
Doch erschreckenderweise gibt es zu diese Faustregel Ausnahmen:

Beispielgeschichte, Kersti:

Vergiftung durch eine Zucchini

Irgendwann fand ich einen Artikel in dem stand, daß ein Rentner sich an einer Zucchini vergiftet hatte und daran gestorben war. Ich war verblüfft, denn so etwas hatte ich noch nie gehört. Also suchte ich ein wenig weiter und fand weitere Artikel zu demselben Fall1., 2., 3., 4..

Dabei ergab sich das Bild, daß der Rentner einen Zucchinieintopf gegessen hatte, obwohl er - nach eigener Aussage - fand, daß der scheußlich schmeckte. Die Ehefrau hatte weniger gegessen und überlebte die Vergiftung knapp. Das war in Deutschland der erste bekannte Fall einer tödlichen Zucchinivergiftung, schwächere Vergiftungen mit Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen werden jährlich etwa 60-70 den Giftinformationszentren gemeldet. Ursache dafür sind die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe, die Cucurbitacine.3., 4.

Da das der erste bekannt gewordene Fall einer tödlichen Vergiftung war, wurde es auch Gerichtsmedizinisch untersucht. Selbstverständlich geht es in einem solchen Fall nicht darum, jemanden zu bestrafen, sondern zu prüfen, ob man die Gesundheitsempfehlungen für Ärzte und die allgemeine Bevölkerung ändern muß. Das Ergebnis einer solchen Untersuchung ist dann eine Mittweilung vom Bundesinstitut für Risikobewertung wie das unten als Quelle angegebene4..

In einem Artikel stand zudem, daß dasselbe Gift auch in bitteren Gurken und Melonen vorkommt2..

Gurken, die ich nicht aufgegessen habe, weil sie so bitter waren, daß man sie nicht essen kann - gemeint ist das zweite Gefühl nach dem runterschlucken, das erst nachträglich mit dem bitteren Geschmack verbunden wird - waren mir schon öfter begegnet. Ich hatte im allgemeinen erst aufgehört zu essen, wenn mir mein Körper meldete, daß man mehr aber wirklich nicht essen könne, hatte aber nie negative gesundheitliche Auswirkungen bemerkt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: "Im Allgemeinen verhindert der bittere Geschmack eine Aufnahme toxischer Mengen. Dass ein stark bitterer Geschmack nicht als Warnung wahrgenommen wird, wird in seltenen Fällen berichtet. Eine Einschränkung des Geschmacksempfindens könnte eine Rolle spielen."

Wenn man also eine Abneigung gegen einen Geschmack entwickelt, die in die Richtung "das kann man gar nicht essen!" geht, sollte man das unbedingt beachten!

 
Inhalt

3. Heißhunger: wie unser Körper uns sagt, was wir brauchen

Wenn der Körper etwas braucht, bekommen wir Heißhunger auf ein Lebensmittel, das es enthält. Typisch sind die sprichwörtlichen Gelüste schwangerer Frauen, die für das in ihnen wachsene Kind viele sonst in geringeren Mengen gebrauchte Lebensmittel benötigen.

Wenn sich die Zusammensetzung der Nahrungsmittel ändert, die uns zur Verfügung stehen, ändert sich auch unser Empfinden dafür, was gut schmeckt.

Beispielgeschichte, Kersti:

Salzgeschichten

Lange war ich der Meinung, daß Kräutersalz wesentlich besser schmeckt als anderes Salz. Ich benutzte immer das Kräutersalz, obwohl ich frische Kräuter im Garten hatte, die ich auch ins essen tat.
VA240. Kersti: Wie man mit Kräutern kocht

Irgendwann schmiß mein Mann das raffinierte Speisesalz weg, das ich sowieso nicht verbrauchte und wir kauften stattdessen nur noch unraffiniertes Salz, das noch alle Mineralien in näherungsweise angemessener Menge enthält.
VA64. Kersti: Die Sache mit dem Salz

Kurz darauf benutzte ich das Kräutersalz immer weniger und dachte mir schließlich, daß ich doch gar kein Kräutersalz brauche, schließlich habe ich reichlich frische Kräuter im Garten. Ich aß also von da ab unraffiniertes Salz und frische Kräuter aus dem Garten.

Als mir der Zusammenhang zwischen dem Wegschmeißen des raffinierten Salzes und dem Verzicht auf Kräutersalz auffiel mußte ich innerlich schmunzeln. Obwohl ich bewußt keinen Unterschied geschmeckt hatte, hatte ich auf den veränderten Mineralstoffgehalt durch verändertes Verhalten reagiert.

Diesen Zusammenhang wollte ich ausnutzen, um Vitamine genau bedarfsgerecht zu dosieren. Wie sehr sich das Geschmacksempfinden mit dem Bedarf an gewissen Nahrungsmitteln ändern kann, erlebte ich dabei sehr deutlich.
Beispielgeschichte, Kersti:

Vitamin C und der scheußlich - oder verlockend - künstliche Geschmack

Es war Winter, und Erkältungen und das Gefühl, das mir irgendetwas fehlte, hatten mich zu den Verdacht gebracht, daß mir Vitamin C fehlen könnte.

Ich ging also in mehrere Apotheken und sagte, ich wollte Vitamin C mit Zink, ohne Zitronensäure (mein Magen reagierte zu der Zeit darauf mit Sodbrennen) und mit einem identifizierbaren Geschmack. - Es durfte also nicht in einer Gelkapsel sein, die ich wegen ihrer Größe sowieso nicht schlucken konnte, ohne das Risiko einzugehen, daß sie im Hals an einer Stelle steckenbleibt, wo ich sie dann weder richtig runterschlucken, noch ausspucken kann. Wie häufig, wenn ich etwas, was ich nicht regelmäßig kaufe, einkaufe, mußte ich eine regelrechte Umfrage in den Apotheken Kassels machen, bis ich das Gesuchte fand. Ich scheine einfach zu kreativ dabei zu sein, was ich kaufen will!

Ich fand zwei Produkte, die diesen Kriterien genügten. Das eine bestand tatsächlich nur aus Vitaminen und Mineralstoffen, der Eigengeschmack reichte aber aus, um seinen Zweck zu erfüllen. Viel leichter war aber an Tabletten oder Brausepulver zu kommen, das eigentlich einen unangenehm künstlichen Geschmack nach Apfelsine oder Himbeere - je nach Sorte - hatte, den ich normalerweise gar nicht mochte.

Nachdem ich die erste Packung davon verbraucht hatte - man sollte nicht mehr als eine Packung pro Tag nehmen - war dieser unangenehm künstliche Geschmack aber plötzlich so verlockend, daß ich am selben Tag noch drei weitere Packungen in Wasser auflöste und trank. Ich amusierte mich über mich selber und fühlte mich in meinem Verdacht bestätigt, daß ich tatsächlich unter Vitamin-C-Mangel gelitten hatte. In den Tagen danach nahm das Empfinden, daß dieser Geschmack ganz furchtbar lecker sei, allmählich ab. Nach einer Woche hatte ich nur noch alle paar Tage Lust darauf.

Danach mochte ich dieses unangenehm künstliche Zeug den ganzen Sommer nicht, im Winter, als es weniger frisches Obst und Kräuter gab, hatte ich aber wieder Lust darauf.

V36. Kersti: Der "Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht"-Instinkt

 
Inhalt

4. Sucht - oder wann unsere Ernährungsintuition typischerweise versagt

VB29. Kersti: Essen als Sucht

 
Inhalt

5. Extreme Ernährungsformen und das Heißhungerrisiko

V37. Kersti: Uns schmeckt, was wir für gut halten
Auch andere Menschen haben diese Gabe, doch hören sie oft nicht darauf. Beispiel:
VB29. Kersti: "Doch, ich hatte Hunger auf was Kräftiges"

Wir haben Instinkte, die dazu dienen sollen, daß wir uns gesund ernähren. Allerdings sind sie auf Sammler- und Jägervölker zugeschnitten. Deshalb führen sie uns heute manchmal in die Irre. Ein fundiertes Grundwissen über gesunde Ernährung, hilft uns, das rechtzeitig zu erkennen.

Kersti

 
Inhalt

Quellen

Ich schildere, wann immer möglich, selbst erlebte Beispiele. Das tue ich nicht, weil es keine anderen gäbe, mit denen man dasselbe belegen kann, sondern weil ich die Literatur mit neuen, zusätzlichen Beispielen bereichern will.
VA272. Kersti: Wenn meine Beispiele alle von mir handeln - heißt das etwa, daß ich selbstbezogen bin?
Selbst erlebte Beispiele sind - da sie aus erster Hand sind - genauer beschrieben als Beispiele aus meiner Praxis, wo ich die Erklärungen meiner Patienten mißverstanden haben könnte und sie deshalb möglicherweise falsch wiedergeben könnte.
V175. Kersti: Kriterien zum Bau eines realistischen Weltbildes: Realitätsnähe
Und diese sind genauer und richtiger als aus der Literatur übernommene Beispiele, da ich bei diesen die betroffene Person nicht einmal persönlich kenne und das Beispiel deshalb möglicherweise in einen falschen Kontext einordne.


Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.