erste Version vor: 07.06.00
letzte Überarbeitung: 2/06
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Nach der zweiten Klasse zogen wir um. Von den neuen Klassenkameraden wurde ich, auf jede Art, die ihnen einfiel, geärgert und ungerecht behandelt. Von verschiedenen Leuten erhielt ich immer dieselben, wenigen Ratschläge, die ich im Laufe der Jahre jeden, mehrfach, wochenlang ausprobierte. "Zeige nicht, daß du dich ärgerst!" rieten sie mir. Also verzog ich keine Miene, als meine Klassenkameraden mich beim Spitznamen riefen. Da bewarfen sie mich mit Kreide. Weil ich nicht reagierte, zupften sie an mir herum. Dann traten oder schlugen sie. Verlor der eine die Lust, fing der nächste an. Bis ich aus Erschöpfung und Verzweiflung in Tränen ausbrach oder mich gegen meinen Vorsatz wehrte, so daß sie drei Meter Sicherheitsabstand zu mir halten mußten. "Schlag sofort so fest zurück, daß die anderen nicht wagen, dir etwas zu tun!" war ein Rat. Dabei wollte ich natürlich niemanden ernsthaft verletzen. Wenn ich hart zuschlug, schlugen die anderen genausofest zurück. Achtete ich jedoch darauf, nicht fester zu schlagen als sie, bestanden körperliche Angriffe bald nur aus Knüffen, die jeder für sich nicht geschadet hätten. "Geh zum Lehrer, der hilft dir!" Wenn ich mich an Lehrer wandte, weil ich im Unterricht von allen Seiten geärgert, mit Papierkügelchen oder Kreide beworfen oder mir meine Sachen geklaut wurden, unterstützte mich niemand, weil das als Petzen galt. Dann begriff der Lehrer nicht, daß ich als Außenseiterin allein stand, obwohl ich im Recht war und dringend Hilfe gebraucht hätte. Wehrte ich mich, gab es immer drei, vier Leute, die petzten. Ich sagte jedesmal, daß mich die anderen vorher geärgert haben. Kein Lehrer glaubte mir. "Paß dich an!" Ich hätte alles getan, was mit meinem Gewissen zu vereinbaren war, um anerkannt zu werden. Ich habe sogar versucht, nur zu denken, was ich für normal hielt. Doch genützt hat das nichts. Tag für Tag pausenlos von allen Seiten geneckt zu werden, kostet auf Dauer mehr Kraft, als man erübrigen kann. In der Schulzeit merkte ich, wie ich nach und nach meine Reserven verbrauchte. Und ich glaubte, daß das auch als Erwachsene bei der Arbeit so bleiben würde, weil ich anormal sei. Irgendwann wäre ich daran zerbrochen. Welch ein Glück, daß ich mich geirrt habe! |
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal
im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von
Lesern immer bekomme.