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letzte Bearbeitung: 7/2009

VA20.

Warum manche Ärzte explodieren, wenn sie von Naturheilkunde hören

Beispielgeschichte, Kersti:

Die "böse" Verschwörungstheorie

Eines Tages stellte ich in einer Verschwörungsnewsgroup (de.soc.verschwörung) die Theorie zur Diskussion, daß die Fehler der Schulmedizin eventuell ja als Ausrottungsversuch an der Bevölkerung gedacht sein könnten. - Es war mir nicht wirklich ernst damit, ich wollte einfach nur schauen, ob neue Argumente für oder wider diese Theorie auftauchen würden. Daraufhin ging ein anderer Teilnehmer der Diskussion dort hoch wie eine Rakete. Ich wußte vorher nicht einmal daß sie irgendetwas mit Schulmedizin zu tun hatte. Ich probierte alle Tricks, die mir einfielen um sie wieder auf die sachliche Diskussionseben runterzubringen und dazu noch alle Tricks, die mir einfielen, damit ich diese sachliche ebene selber nicht verließ, von vorne bis hinten durch. Beides ist mir nicht gelungen. Ich war nur absolut verblüfft über die Wirkung, die ich ausgelöst hatte - und daß sie nicht wieder auf den Boden zu bringen war. Ich konnte einfach nicht glauben, daß es unmöglich war, normal mit ihr zu reden. Ich habe es auch noch nicht erlebt, daß jemand einen solchen Sturm an Beschimpfungen losgelassen hat. - Und nicht wieder damit aufgehört hat. Sie hat erstaunlich treffsicher jedes Knöpfen gefunden, das ich irgendwo noch hatte, ohne es zu wissen. Dann hat sie draufgedrückt und fand sich schrecklich ungerecht behandelt von mir "unmöglichem Mensch". Ich jedenfalls fand keine Lösung... - was sicherlich mit daran lag, daß ich ständig zwischen absolutem Unglauben und Wut hin und herschwankte.

Die Bedeutung der Medizin

Medizin ist ein wichtiges Thema, da es dabei ja um Menschenleben geht. - Also geht das gefühlsmäßig für jeden anständigen Menschen sehr tief und löst heftige Reaktionen aus.

Wenn allerdings ein solches Chaos entsteht, wie ich oben beschrieben habe, steht da noch mehr dahinter.

Faktor 1: Naturheilkundliches versus schulmedizinisches Weltbild

Durch das Heilpraktikergesetz, das neben den wissenschaftlich ausgebildeten Ärzten auch Laien mit einer umfassenden schulmedizinischen Grundbildung die Ausübung der Heilkunde erlaubt, gibt es zwei Gruppen von Menschen, die heilkundlich praktizieren. Die Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und die behandlung von meldepflichtigen Infektionskrankheiten ist dem Heilpraktiker verboten. Hinzu kommt das fast nur Ärztliche Leistungen durch Krankenkassen bezahlt werden.

Dadurch entsteht die Situation, daß Heilpraktiker mit dem schulmedizinischen Teil ihrer Ausbildung praktisch nur wenig anfangen können: Hier ist der Arzt besser ausgebildet und wesentlich billiger für den Patienten. Sie müssen sich also auf das spezialisieren, das aus irgendeinem Grunde von der Schulmedizin vernachlässig wird.

Die Schulmedizin vernachlässigt hauptsächlich zwei Sorten von Problemen:

  1. Dinge die wissenschaftlich noch nicht sinnvoll erforschbar sind, da sie zu komplex sind oder weil das Grundlagenwissen, das vor der Erforschung des Themas erarbeitet werden müßte, noch nicht wissenschaftlich erforscht ist
  2. Dinge die zu erforschen zu teuer wäre oder deren Erforschung sich wirtschaftlich nicht lohnt, da die erforschende Firma kein Monopol auf die Vermarktung ihres Forschungsergebnisses hätte. Es kommt auch vor, das wissenschaftliche Forschung gezielt unterdrückt wird, da sie den wirtschaftlichen Interessen einer oder mehrerer großer Firmen entgegensteht.
Damit ist die Naturheilkunde aber weitgehend auf Wissen angewiesen, das auf einer vorwissenschaftlichen Kulturstufe stehengeblieben ist und das deshalb - selbst in den Fällen wo dieses Wissen in der Anwendung zuverlässig und weitaus wirkungsvoller als die aktuellen schulmedizinischen Methoden ist - dem Wissenschaftler schwammig und nicht ausreichend belegt erscheinen muß.

Faktor 2 - die Vorsicht der vernünftigen Leute

Vernünftige Leute mit medizinischen Verschwörungstheorien, sind meist klug genug, eine solche Theorie nicht gerade im Krankenhaus der Krebsforscherin zu präsentieren. - Schon aus Sicherheitsgründen. Derjenige könnte ja hochgehen wie eine Rakete - und selbst wenn er nachher sein Bestes tut, führt Aufregung leicht zu Fehlern.

Abgesehen davon gehen Leute, die ein einigermaßen fundiertes Wissen über Naturheilkunde haben, seltener zum Arzt - wegen Nichtigkeiten sowieso nicht, in vielen Fällen ist es besser sie gar nicht zu behandeln, ehe man es mit Schulmedizin versucht, weil sie von alleine heilen und eine naturheilkundliche Behandlung ist in solchen Fällen meist sowieso wirkungsvoller. Schwerere Erkrankungen sind seltener, wenn man vernünftig mit seinem Körper umgeht. Ich war das letzte mal vor etwa zwei Jahren beim Arzt. Ich wollte einen Schnitt über dem Auge genäht bekommen.

Bei denen, die sich gut überlegen, was sie tun, und auf Anzeichen daß es nicht funktioniert rechtzeitig reagieren, wird es meist funktionieren. Entweder wirkt die angewendete naturheilkundliche Methode oder man sieht daß sie nicht wirkt und reagiert rechtzeitig, wenn etwas schief läuft. Nur wer auf Teufel komm raus trotzdem weitermacht, wenn es nicht funktioniert wird von dem "rechtgläubigen Schulmediziner" dann als Anhänger der Naturheilkunde wahrgenommen.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
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