Hauptseite  /   Suche und Links  /   Philosophie und Autorin dieser Seite


VA29.
Satire: Psychologische Folgen des Rollenspiels

Das Gott-Syndrom

Es ist schon seit längerem bekannt, daß die ununschränkte Macht der Rollenspielmeister in ihrer erfundenen Welt bei ihnen gelegentlich zu einer Geisteskrankheit namends Syndrom Divinitoris(1) führt. Hauptsymptom dieser Krankheit sind - Gerüchten zufolge - Dialoge wie der folgende:
Rollenspieler: "Mein Gott!"
Spielleiter: "Ja?"
(2)
Diese Art von Dialogen beweist ohne jeden Zweifel, daß Spielleiter in einem gemeingefährlichen Ausmaß unter Realitätsverlust leiden.

Da unsere Geheimdienste inzwischen in ihrer unermeßlichen Weisheit zu dem Schluß gelangten, daß Rollenspieler wie auch Walldorfschulen(3) und Esoteriker(4) ein wesentlicher Bestandteil der neuen Gefahr von rechts sind, wurden durch Tonbandprotokolle neue Daten in den Wohnungen der Rollenspieler ohne deren Wissen erhoben. Die Protokolle konnten den Anfangsverdacht nicht erhärten, was zeigt, wie gewieft diese Rechten heutzutage sind.

Allerdings zeigte sich, daß die oben erwähnte Krankheit weitaus gefährlicher ist, als anfangs befürchtet. Hier eine Tonbandmitschrift eines Originalgespräches in der Wohnung eines rollenspielenden Ehepaares:
Ehefrau: "Du mußt bedenken, daß Pfarrer es ziemlich schwer haben mit ihrer Familie. In der Kirche geht es noch. Die Gläubigen sind sicherlich so höflich, ihn nicht in seinem Glauben zu beirren."
Ehemann: "Ach - so schlimm kann das doch nicht sein. Ich habe damit doch auch keine Probleme."
Ehefrau: "Du als Gott hast ja auch etwas mehr Selbstvertauen als sie. Stell dir vor, du wärest nur ein niederer Pfarrer und müßtest mit einem respektlosen Menschen, wie es unserem lieben Freund Karl auskommen. - Eine Schwester seiner Frau ist schließlich mit einem Pfarrer verheiratet. Der muß ja Komplexe kriegen, wenn Karl ihm ständig erzählt, daß das alles nicht stimmt, dieser Ungläubige."
Ehemann: "Aber ich bin doch mit Dir Ketzerin verheiratet - und ich habe immer noch keine Komplexe. Dabei lästerst du mir immer wieder auf unglaublich infame Weise(5)."
Ehefrau: "Ja - Du bist ja auch Gott - und als solcher hast du ein ganz anderes Selbstvertrauen."
(6)

Wie weit der Irrsinn bei diesen beiden Befallenen fortgeschritten ist, zeigte sich unter Anderem darin, daß sie trotz dieser offensichtlich sehr ernsten Symptomme während des gesamten Gespräches ununterbrochen kicherten.

Deshalb empfielt der gutachtende Psychologe, die Betreffenden wegen gemeingefährlichen Wahnsinns in eine geeignete Anstalt einzuweisen(7).

Anmerkungen:
  1. Gott-Syndrom
  2. So ein in Rollenspielerkreisen weitverbreiteter Witz.
  3. 26.2.97 - Hausdurchsuchung im Verlag "Die andere Realität" wegen eines Artikels von Trutz Hardo
    Zitat aus besagtem Artikel: "Und dies ist das eigentliche Ziel meines Farbromans: Die Liebe füreinander auf der Erde zu vermehren."
    Diese Aussage beweist natürlich eine äußerst rechte Einstellung.
  4. "Schwarzbuch Anthroposophie" sowie darauffolgende Artikel, in denen die Anthroposophie pauschal als rechts verschrien wurde.
  5. Die Ehefrau leugnet in anderen Mitschnitten tatsächlich beharrlich ihren Glauben an die Göttlichkeit ihres Ehemannes, während der Mann regelmäßig auf ihre Gebete an Gott antwortet, wie in obigem Witz beschrieben. Durch diese Aussage ist der Unglaube der Ehefrau als Schauspielerei entlarvt.
  6. Tonbandprotokoll vom 25.12.2002 ab 15 Uhr.
  7. Das ist und zum Glück nicht passiert...

    Kersti

V107. Kersti: Rollenspiel
R1: Kersti: Die ausbruchssichere Gefängniszelle
R2: Kersti: Vorhänge sind gefährlich!
R3: Kersti: Der Schlagallestotheld
R4: Kersti: Die Standartrollenspielwelt
V94. Kersti: Eine Sammlung sämtlicher denkbarer Verrücktheiten
V245. Kersti: Satire: Drogenübertragung durch den Bildschirm
V277. Kersti: Das Prinzip der Narrenfreiheit
VA4. Kersti: Tore in die Anderswelt
VA5. Kersti: Gefährliche Aufklärung
VA30. Kersti: Der Unterschied zwischen Meinungsbildung und Pauken
VA33. Kersti: Real ist, was nicht verschwindet, wenn man nicht mehr daran glaubt?
VA45. Kersti: Was ist an Heiligen so gefährlich, daß man sie unbedingt totschlagen muß? oder Wunder sind wie eine Vergewaltigung
VA46. Kersti: Die Wörter: Erleuchteter, Eingeweihter, Clear, OT, Zen-Meister, Heiliger heißen ungefär dasselbe
VA47. Kersti: Die verdrängte Wahrheit ist immer schlimmer, als die Deckerinnerung hinter der wir sie verstecken
VA50. Kersti: Denken verboten Schilder...
VA54. Kersti: Satire: Lauter nützliche Dinge, die ich dringend bräuchte
VA61. Kersti: Kritikfähigkeit hat zwei Seiten
VA102. Kersti: Kosmischer Humor
VA109. Kersti: Geistige Gesundheit
VA144. Kersti: Hundehumor
VA165. Kersti: Fantasie oder Realität?
VA178. Kersti: Der Unterschied zwischen "schlecht recherchiert" und "nicht allwissend sein"
VB5. Kersti: Spiel macht unser Lernen realitätsbezogen
V4. Kersti: Merkwürdige Erfahrungen
EGI. Kersti: Kurzgeschichten
RI. Kersti: R - Rollenspiel
Z69. Kersti: Stichwort: Rollenspiel
Z60. Kersti: Fantasywelt Darkover
VB17. Kersti: Fantasy

Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, http://www.kersti.de/ ; Kersti_@gmx.de
Ich freue mich über jede Art von Rückmeldung, Kritik, Hinweise auf interessante Internetseiten und beantworte Briefe, soweit es meine Zeit erlaubt.