Der Glaube kann reale Effekte hervorrufen
Ich bringe den Satz, weil ich erst vor kurzem wieder darüber
gestolpert bin, daß jemand ihn als Argument benutzte, um die
fantastischeren der Erfahrungen zu widerlegen, die auf meiner
Internetseite auftauchen.
Gerade dieser Satz ist allerdings schlicht falsch. Was wir glauben oder
nicht glauben, hat durchaus auch direkte meßbare Auswirkungen
darauf, was in der materiellen Realität geschieht. Zu deutsch: es
gibt durchaus reale Dinge, die verschwinden, wenn wir nicht an sie
glauben.
Das bekannteste Beispiel dafür ist der Placebo-Effekt. Zu deutsch:
ein an sich unwirksames Medikament kann so erhebliche Wirkungen in allen
medizinisch nachweisbaren Parametern zeigen, daß heutzutage meist
nur noch solche medizinische Studien ernst genommen werden, bei denen
weder der Arzt noch der Patient wissen, ob der Patient nun der
Verum-Gruppe, die das Medikament mit dem Wirkstoff erhält, oder der
Placebo-Gruppe, die das Medikament ohne Wirkstoff erhält,
angehört. Das heißt also - wir glauben ein wirksames
Medikament zu nehmen (das in Wirklichkeit ein wirkungsloses
Scheinmedikament ist) und dieser Glaube heilt uns - oder ruft
Nebenwirkungen hervor, als wäre da ein wirksames Medikament.
Viel amusanter ist für mich an diesem Satz, daß ich diese
verrückten Dinge, die ich immer wieder mal erlebe, alle, wenn sie mir
die ersten Male passieren, einfach nicht glaube. Ich habe jedes einzelne
dieser Phänomene zuerst einmal für Einbildung, Irrtümer
(Zufall ist keine gute Erklärung, wenn etwas eigentlich völlig
unmöglich sein sollte wie beispielsweise eine Zeitreise eine Stunde
in die Vergangenheit.)
oder Produkte meiner Fantasie gehalten, bis sie dann so häufig
aufgetaucht sind, daß ich sie dann widerstrebend doch ernstgenommen
habe. - Als nächstes habe ich dann nach psychologischen
Erklärungen gesucht. Nur wenn das auch nicht funktionierte, habe ich
vor mir selbst zugegeben, daß da wohl etwas real Merkwürdiges
geschehen ist.
Umgekehrt ist es aber nachgewiesen, daß Menschen fast nur die Dinge
wahrnehmen, die in ihr Weltbild passen. Das kenne ich auch von mir: sehr
viel, was ich erlebt habe, habe ich erst einmal vergessen, weil es mir zu
unglaublich war. Erst, wenn ich damit umgehen konnte, ohne in Panik
zu geraten, weil ich fürchtete, ich könnte wahnsinnig werden,
und wenn danach dann wieder so etwas auftauchte, konnte ich mich auch
an die vorhergehenden ähnlichen Ereignisse wieder erinnern. Das ist
ein Aspekt des Phänomens, das man in der Psychologie als
Verdrängung bezeichnet.1.
Es verschwinden also durchaus reale Dinge aus unseren Wahrnehmungen, nur
weil wir es nicht ertragen könnten, sie als real wahrzunehmen. Das
heißt, man muß zwar nicht daran glauben, um sie wahrzunehmen -
aber wenn uns die Vorstellung, daß es wahr sein könnte, als
sehr bedrohlich erscheint, können wir durchaus reale Dinge nicht mehr
wahrnehmen.

1.1.2002
Ursprünglich stammt der Satz aus einem anderen Zusammenhang
Zu diesem Text bekam ich folgende Antwort:
Schön, dass Du Dich des Satzes von Philip K.Dick angenommen hast.
Leider hast Du da etwas gründlich missverstanden...
Kurz zusammengefaßt wollte der Autor damit sagen, daß man nur diejenigen Effekte eines Medikaments oder einer physischen Behandlung als Medikamentenwirkung interpretieren darf, die in einer placebokontrollierten Studie über die beobachteten Wirkungen bei der nicht behandelten Kontrollgruppe hinausgehen.
Dazu möchte ich nur kurz anmerken, daß ich die Werke von
Phillip K. Dick nicht kenne und seinen Namen deshalb nicht genannt habe.
Meiner Erfahrung nach meinen die bekannten Urheber solch griffiger
Sätze mit dem, was sie schreiben, oft durchaus Dinge, denen ich
vorbehaltslos zustimmen kann.
Erst diejenigen, die den Satz aus dem Zusammenhang reißen und eine
vereinfachte Interpretation davon als Waffe gegen Dinge verwenden, die
ihnen suspekt erscheinen, deuten Inhalte da hinein die
- ziemlich unrealistisch sind und
- vom Urheber dieses Satzes nicht gemeint waren.
Dieser Text richtet sich hauptsächlich gegen solche vereinfachten
Interpretationen, die mir persönlich begegnet sind, nicht gegen das
Original, das eventuell im Textzusammenhang durchaus berechtigt war.
- Und auch nur am Rande gegen diejenigen, die sich die Mühe gemacht
haben, das Originalzitat herauszusuchen, ohne zu erwähnen, inwieweit
sie diesen vereinfachten Interpretationen zustimmen.
Schon an dieser ursprünglichen Aussage ist allerdings eines falsch:
Die Placebowirkung ist eine reale Wirkung - sie hat nur kein Medikament sondern unseren Glauben, psychotherapeutische Einflüsse und möglicherweise unbewußter Geistheilung2. als Ursache. Sie als irreal zu bezeichnen ist grob irreführend, egal wie man diesen flapsig dahingeschriebenen Satz eigentlich gemient haben mag - er ist schlecht formuliert.

Quelle
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V4.
Merkwürdige Erfahrungen: Zufallserfahrungen
V4.
Merkwürdige Erfahrungen: Wenn das ganze Leben
plötzlich Magie wird
V10.
Bilde ich mir meine übersinnlichen Fähigkeiten nur ein?
V13.
Ich würde mir nie die Mühe machen, etwas zu kritisieren,
was ich schlecht finde
V58.
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V82.
Meinungsfreiheit - Wer könnte Zensur üben?
V91.
Instinkte und Freiheit
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V94.
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