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VA33.

Real ist, was nicht verschwindet, wenn man nicht mehr daran glaubt?

Ich bringe den Satz, weil ich erst vor kurzem wieder darüber gestolpert bin, daß jemand ihn als Argument benutzte, um die fantastischeren der Erfahrungen zu widerlegen, die auf meiner Internetseite auftauchen.

Gerade dieser Satz ist allerdings schlicht falsch. Was wir glauben oder nicht glauben, hat durchaus auch direkte meßbare Auswirkungen darauf, was in der materiellen Realität geschieht. Zu deutsch: es gibt durchaus reale Dinge, die verschwinden, wenn wir nicht an sie glauben.

Das bekannteste Beispiel dafür ist der Placebo-Effekt. Zu deutsch: ein an sich unwirksames Medikament kann so erhebliche Wirkungen in allen medizinisch nachweisbaren Parametern zeigen, daß heutzutage meist nur noch solche medizinische Studien ernst genommen werden, bei denen weder der Arzt noch der Patient wissen, ob der Patient nun der Verum-Gruppe, die das Medikament mit dem Wirkstoff erhält, oder der Placebo-Gruppe, die das Medikament ohne Wirkstoff erhält, angehört. Das heißt also - wir glauben ein wirksames Medikament zu nehmen (das in Wirklichkeit ein wirkungsloses Scheinmedikament ist) und dieser Glaube heilt uns - oder ruft Nebenwirkungen hervor, als wäre da ein wirksames Medikament.

Viel amusanter ist für mich an diesem Satz, daß ich diese verrückten Dinge, die ich immer wieder mal erlebe, alle, wenn sie mir die ersten Male passieren, einfach nicht glaube. Ich habe jedes einzelne dieser Phänomene zuerst einmal für Einbildung, Irrtümer (Zufall ist keine gute Erklärung, wenn etwas eigentlich völlig unmöglich sein sollte wie beispielsweise eine Zeitreise eine Stunde in die Vergangenheit.) oder Produkte meiner Fantasie gehalten, bis sie dann so häufig aufgetaucht sind, daß ich sie dann widerstrebend doch ernstgenommen habe. - Als nächstes habe ich dann nach psychologischen Erklärungen gesucht. Nur wenn das auch nicht funktionierte, habe ich vor mir selbst zugegeben, daß da wohl etwas real Merkwürdiges geschehen ist.

Umgekehrt ist es aber nachgewiesen, daß Menschen fast nur die Dinge wahrnehmen, die in ihr Weltbild passen. Das kenne ich auch von mir: sehr viel, was ich erlebt habe, habe ich erst einmal vergessen, weil es mir zu unglaublich war. Erst, wenn ich damit umgehen konnte, ohne in Panik zu geraten, weil ich fürchtete, ich könnte wahnsinnig werden, und wenn danach dann wieder so etwas auftauchte, konnte ich mich auch an die vorhergehenden ähnlichen Ereignisse wieder erinnern. Das ist ein Aspekt des Phänomens, das man in der Psychologie als Verdrängung bezeichnet.

Es verschwinden also durchaus reale Dinge aus unseren Wahrnehmungen, nur weil wir es nicht ertragen könnten, sie als real wahrzunehmen. Das heißt, man muß zwar nicht daran glauben, um sie wahrzunehmen - aber wenn uns die Vorstellung, daß es wahr sein könnte, als sehr bedrohlich erscheint, können wir durchaus reale Dinge nicht mehr wahrnehmen.

Kersti


1.1.2002

Zu diesem Text bekam ich folgende Antwort:
Schön, dass Du Dich des Satzes von Philip K.Dick angenommen hast. Leider hast Du da etwas gründlich missverstanden...

Dazu möchte ich nur kurz anmerken, daß ich die Werke von Phillip K. Dick nicht kenne und seinen Namen deshalb nicht genannt habe. Meiner Erfahrung nach meinen die bekannten Urheber solch griffiger Sätze mit dem, was sie schreiben, oft durchaus Dinge, denen ich vorbehaltslos zustimmen kann.

Erst diejenigen, die den Satz aus dem Zusammenhang reißen und eine vereinfachte Interpretation davon als Waffe gegen Dinge verwenden, die ihnen suspekt erscheinen, deuten Inhalte da hinein die 1. ziemlich unrealistisch sind und 2. vom Urheber dieses Satzes nicht gemeint waren.

Dieser Text richtet sich hauptsächlich gegen solche vereinfachten Interpretationen, die mir persönlich begegnet sind, nicht gegen das Original, das eventuell im Textzusammenhang durchaus berechtigt war. - Und auch nur am Rande gegen diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, das Originalzitat herauszusuchen, ohne zu erwänen, inwieweit sie diesen vereinfachten Interpretationen zustimmen.

Kersti

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