erste Version zwischen: 13.1.2002 und 20.04.2002
letzte Bearbeitung: 12/2010
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An einer Bushaltestelle sitzt eine Mutter mit ihrer Freundin und
zwei Kleinkindern. Die beiden erwachsenen Frauen unterhalten sich
über das sehr heißte Wetter, wobei die Mutter auffallend
gereizt und unruhig ist, während die Kinder sich - so weit wie man
das beobachten kann - vollkommen normal zu verhalten scheinen. Im Verlauf
der Unterhaltung sagt die Mutter der Kinder zu ihrer Freundin, daß
ihre Kinder ja bei dieser Hitze (es war wirklich sehr heiß) immer
so gereizt wären. Es mag sein, daß die Kinder tatsächlich unruhiger waren als sonst ... aber wenn dann lag es wohl daran, daß die Mutter die Hitze nicht gut vertrug und deshalb schnell gereizt reagierte. Hier wirkt es eher wie eine Kuriosität, daß Schuld bei den Kindern gesehen wurde, denn niemand schien ein ernsthaftes Problem zu haben oder die Kinder für die Gereiztheit bestrafen zu wollen. Einerseits ist es verständlich, daß man die kleinen Unverschämtheiten oder auch nur ihre Spiele, ihr lachen und ihre hohen stimmen als viel lauter und greller empfindet, wenn man gerade nicht so belastbar ist und gar nicht selber wahrnehmen kann, daß es die eigene geringe Belastbarkeit ist, die alles so laut, schrill und heftig erscheinen läßt. Andererseits ist es aber immer der Erwachsene, der den Tag strukturiert und alles organisieren muß - und deshalb hat das Kind, selbst wenn es wirklich gerade derjenige wäre, den die Hitze gereizt macht, nicht dasjenige, das die Lösung für das Problem umsetzen kann. Unabhängig davon ob das Kind oder die Mutter besonders hitzeempfindlich ist, muß also die Mutter sich überlegen wie sie das Problem löst - denn sie plant letztlich den gemeinsamen Alltag. Ähnlich ist es auch im gesamtgesellschaftlichen Rahmen. Nur daß in diesem Fall in der Unterschicht auf alle Fälle eine bunte Mischung an unterschiedlichen Veranlagungen undArten mit der Situation umzugehen vorhanden sind. Wenn sich die Häufigkeit bestimmter Problemformen verschiebt liegt die Verantwortung immer bei den äußeren Rahmenbedingungen und den Machthabern, die den Gesellschaftlichen Rahmen vorgeben. Die bösen Sozialhilfeempfänger oder Asylanten dafür verantwortlich zu machen ist lächerlich. Denn die Asylanten wurden erst durch politische Entscheidungen ins Land geholt - und es ist vorhersehbar daß dabei eine ganze reihe Anpassungsprobleme entstehen - und wie viele Sozialhilfeempfänger es insgesamt gibt, hängt vor allem davon ab, mit welchen Entscheidungen die Regierung auf die äußeren Rahmenbedingungen reagiert. Persönliche Anstrengungen einzelner Privatleute ändern vielleicht etwas an deren persönlicher Situation aber nicht an der Zahle der Arbeitsstellen. Wenn Gewaltbereitschaft zunimmt, dann hat das etwas mit dem gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun - die die Regierung mit beeinflußt - besonders negativ wirken sich dabei beispielsweise Rechtsbrüche durch das Sozialamt und andere staatliche Stellen gegenüber den Ärmsten der Armen aus.
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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