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Doppelblindstudien sind in vielerlei Hinsicht gute Studien. Das Wissen
aus Jahren des Lernens vieler guter Forscher geht dort mit ein. Es wird
sich bemüht möglichst jede denkbare Fehlerquelle auszuschalten.
Es wundert also nicht, daß sie als so gut gelten. Allerdings ist es in meinen Augen unwissenschaftlich, anzunehmen, daß man mit AUSSCHLIESSLICH Doppelblindstudien am Besten bedient ist. Doppelblindstudien sind teure und sehr arbeitsintensive Studien. Sie lassen sich nicht unter jeder Bedingung durchführen.
ArbeitDie erste Fehlerquelle, die ich dabei sehe - das heißt sie begegnet mir immer wieder in der Praxis - beruht auf der Tatsache, daß beinahe jeder Mensch sich beim erstellen einer wissenschaftlichen Untersuchung vorher Gedanken macht, wieviel Arbeit er hineinstecken will. Danach konzipiert er die Arbeit dann so, daß er mit dem mit ihm beabsichtigten Aufwand zu einem definitiven Ergebnis kommt.Bei einer Methode, die an sich schon so aufwendig ist, wie eine randomisierte Doppelblindstudie, werden dann, um die Arbeit in Grenzen zu halten, ziemlich viele Nebenfragestellungen ausgeklammert. So habe ich bei vielen derartigen Untersuchungen festgestellt, daß genau das Thema, was nach meinem Wissen aus anderen Quellen in diesem Fall die Hauptursache der so untersuchten Krankheit gewesen wäre, nicht mal am Rande erwähnt worden ist.
EinzelfallstudienBücher die ich sehr schätze sind die, wo wissenschaftlich gebildete Menschen aus eigener Betroffenheit heraus - also weil sie selbst krank waren oder ihr Kind - nach eine Heilmethode für ihre Krankheit gesucht und gefunden haben - das heißt gesund geworden sind.In vielerlei Hinsicht sind sie das genaue Gegenteil einer Doppelblindstudie und eben deshalb die beste Ergänzung dazu, die man sich denken kann. Die eigene Ausbildung - auch ein Physiker hat wissenschaftlich denken gelernt und kann mit Hilfe eines Lexikons mit etwas Übung durchaus medizinische Fachpublikationen verstehen - gibt die Grundlage, um das vorhandene Material korrekt auswerten zu können. Niemand macht so viele Einzelbeobachtungen über eine Krankheit und ihre Symptome, wie der Betroffene selbst. Man kann eben in der beschränkten Zeit eines Arztbesuches nicht alles erzählen, was eventuell eine Rolle spielen könnte. Allerdings ist man bei einer eigenen Krankheit normalerweise zufrieden, wenn man selbst wieder gesund ist - selbst wenn man nur einen Teil der Ursachen beseitigt hat und zudem noch manches davon falsch eingeordnet hat. Aber um diese Schwäche - diese mangelnde Exaktheit auszugleichen, gibt es ja beispielsweise Doppelblindstudien oder Statistiken. KostenDie Kostenfrage ist auch ein Punkt, der zur Verzerrungen im wissenschaftlichen Weltbild führt: Wenn nur die Ergebnisse so teurer, aufwendiger Studien als "wissenschaftlich" anerkannt werden, führt das zu einer Wettbewerbsverzerrung zwischen den zur Auswahl stehenden medizinischen Methoden. Nur für die Methoden, die teuer und gefährlich sind, lohnt es sich, eine dermaßen teure Untersuchung zu machen. Was billig und ungefährlich ist, kann man auch ohne Überprüfung der Wirksamkeit einfach anwenden - schlimmstenfalls hat es keine Wirkung, wenn es nur der Placebo-Effekt ist, der wirkt, kann das dem Patienten nur wirklich egal sein, wenn er trotzdem gesund wird.Für einen Arzt oder Heilpraktiker lohnt eine derartige Studie kaum, für einen Arzeneimittelhersteller nur, wenn er genug daran verdienen kann, um die Kosten durch den Werbeeffekt der Studie wieder hereinzubekommen. Das heißt, Doppelblindstudien für teure Methoden lohnen sich eher als für billige und die teuren werden dann nachher wegen dem guten Ruf der Doppelblindstudien für "wissenschaftlicher" gehalten als billige aber gleich wirkungsvolle, für die sich eine solche Untersuchung einfach nicht gelohnt hat. Das dürfte einer der Gründe für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen sein.
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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