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Direkte Zensur - indirekte Zensur - Gedankenzensur

Als Zensur bezeichne ich es hier nur, wenn jemand die Macht hat, bestimmte Informationen nahezu flächendeckend nahezu jedem vorzuenthalten. Diejenigen, die gezielt nach bestimmten Informationen suchen, kommen natürlich auch an Bücher, die ausdrücklich verboten sind.

Die Macht zu Zensur hat bei uns

  • der Staat
  • die großen Verlage In Deutschland produzieren weniger als zehn Verlage, die zudem noch wirtschaftlich miteinander verflochten sind etwa 90% der Bücher (Zahlen aufgrund der mir bekannten Informationen über Verlage, und wie sie zusammengehören geschätzt). Wenn sie ein bestimmtes Thema oder einen Autor flächendeckend boykottieren, kommt das einer Zensur gleich,
  • wichtige Anzeigenkunden der Zeitschriften und Zeitungen (die meisten in Deutschland verkauften Zeitschriften und Zeitungen finanzieren sich überwiegend durch Anzeigen - damit haben die meisten großen Konzerne die Macht, Zensur zu üben).

Direkte Zensur

Wenn jemand das Wort Zensur hört, stellt er sich gewöhnlich das vor, was ich hier als direkte Zensur bezeichne: Jemand will ein Buch veröffentlichen oder schreibt einen Brief - dann bekommt eine Behörde das zu lesen und jemand streicht einige Stellen heraus oder verbietet auch das ganze Buch.

Indirekte Zensur

Indirekte Zensur tritt auf, wenn nicht bestimmte Aussagen einzeln verboten werden, sondern große wirtschaftliche Verluste ohne Vorwarnung demjenigen drohen, der sich zu weit vorgewagt hat. Noch schlimmer ist es, wenn gefängnis oder Tod drohen.

So ist es hier in der Bundesrepublik Deutschland so, daß man bei den offiziellen Behörden nicht vor der Veröffentlichung eines Buches definitiv bestätigen lassen kann, daß es so verkauft werden dürfen wird. - Das heißt, wenn ein Buch verboten wird, hat der Verlag immer schon die gesamten Druckkosten für die Auflage investiert. Die Angst vor diesen finanzellen Verlusten hält viele davon ab, ein ähnluiches Buch zu veröffentlichen, wie eines, das schon verboten wurde.

Das heißt, wenn sich ein Verleger nicht sicher sein kann, was nun erlaubt und was verboten ist, dann zieht jedes Buch das aus zweifelhaften Gründen verboten wurde - auch in Deutschland kommen Bestechung und Vetternwirtschaft an Gerichten vor - einen ganzen Rattenschwanz an Büchern nach sich, die gar nicht erst veröffentlicht werden.

Oft wird gemeint, das wäre ja gar nicht so schlimm, da es sich dabei ja sowieso um Sachen handeln würde, die fast so schlimm wären, wie die, die zu recht verboten gehören.

Die Realität aber sieht anders aus: der Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Drogen war noch nie das einzige Motiv, warum Drogen verboten wurden. Natürliche Rauschmittel sind ja auch oft eine Konkurrenz für die Produkte von Pharmafirmen. Und die Abhängigkeit von legalen Medikamenten ist heute eine sehr wichtige Krankheitsursache.
Deshalb war Arzeneimittel- und Drogenpolitik immer ein Ringen zwischen mächtigen Pharmafirmen und denjenigen, die die Bevölkerung vor Mißbrauch schützen wollten. Und es kommt immer wieder vor, daß eben niocht die gefährlichsten Arzenien verboten werden - sondern die, an denen man am wenigsten verdienen kann.

Der Schutz der Kinder vor sexuellem Mißbrauch war nie der einzige Grund, warum Bücher, die von Sexualität handeln, verboten werden. Es kommt immer wieder auch vor, daß Bücher, die eben dazu beitragen könnten und sollten, daß dergleichen nicht mehr geschieht, unter diesem Vorwand verboten werden.

Politische Bücherverbote finden nicht immer deshalb statt, weil der Staat die Bevölkerung (insbesondere Minderheiten, die ja besonders auf diesen Schutz angewiesen sind) vor gewalttätigen Terroristen schützen will. Immer wieder werden unter diesem Vorwand auch Bücher verboten, die über die Verfehlungen der Mächtigen in unserer Gesellschaft aufklären sollen.

Diese Probleme existieren in leicht abgewandelter Form in allen heutigen großen Industriestaaten und man wird sie nicht so ohne Weiteres aus der Welt schaffen können. Kein in der Bundesrepublik existierendes Gesetz wurde geschaffen um eine schrankenlose Zensur zu ermöglichen - darin unterscheidet sich unser Rechtssystem von einer Diktatur wie beispielsweise dem dritten Reich - dennoch läßt es sich nicht vermeiden, daß Gesetze, die zu Recht zum Schutz der Bevölkerung geschaffen wurden, Hintertürchen bieten, die mächtigen Konzernen die Möglichkeit bieten, Bücher verbieten zu lassen, die ihnen aus wirtschaftlichen Gründen nicht genehm sind.

Um Zensur zu üben, wird das Heilpraktikergesetz sowie die Verordnung die Werbung für medizinische Produkte verbietet,

Gedankenzensur

Fast jeder kennt heutzutage das Lied "Die Gedanken sind frei". Aber - sind sie es wirklich? Ja und nein. Selbstverständlich kann man die Gedanken eines Menschen nicht zensieren, ohne daß er tatkräftig dabei mitarbeitet. Zumindest nicht mit den hier und jetzt üblicherweise verwendeten Methoden.

Dennoch habe ich zwei Anworten auf meine Frage, wie es denn im dritten Reich wirklich gewesen sei immer wieder gehört: "Aber wir haben doch nichts gewußt." und "Jeder der wollte, konnte es herausfinden.". Da ich keinerlei Grund habe, anzunehmen, daß diese Menschen mich alle belogen haben, nehme ich an, daß beide Antworten der Wahrheit entsprechen. Das heißt ein erheblicher Teil der Bevölkerung hat nie etwas von Verbrechen erfahren, die jeder leicht hätte herausfinden können.

Dergleichen kann aber nur dann passieren, wenn die Menschen bestimmte Dinge nicht einmal zu denken wagen, sonst hätte ihnen ja bewußt werden müssen, daß sie sich selbst betrügen. Und eine Gedankenzensur, die bei 90% der Bevölkerung beinahe perfekt funktioniert, ist nur dann erklärlich, wenn der psychologische Mechanismus, der diese Zensur hervorruft in den Köpfen der Menschen so lange aktiv ist, wie sie sich bewußt zurückerinnern können. Das heißt - seit der frühen Kindheit. Muster, die so wenig bewußt sind, werden aber automatisch unbewußt an die nächste Generation weitergegeben. Das heißt der Mechanismus, der damals die Gedanken der Bevölkerung an die offizielle Linie angepaßt hat, ist heute noch aktiv und paßt die Meinung der meisten Menschen an das an, was heute als "richtig" und "vernünftig" gilt. Nur gibt es heute nicht eine offizielle Linie - sondern drei-vier Hauptmeinungen, die als "normal" gelten (vgl. B5., B100., B101.).

Kersti

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