erste Version zwischen: 11.05.02 und 15.10.02
letzte Bearbeitung: 11/2011
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Üblicherweise ist mit der Aussage "XY ist nicht kritikfähig."
gemeint, daß XY nicht fähig ist, Kritik anzunehmen. Nun ist es
zweifellos wichtig, sich Kritik anhören zu können, ohne sich
gleich angegriffen zu fühlen. Es ist wichtig, Kritik richtig
einordnen und daraus lernen zu können. Zu Kritik gehören allerdings zwei - einer, der kritisiert wird und einer, der kritisiert. Und meiner Erfahrung nach ist die angebliche "Kritikunfähigkeit" der kritisiertten Personen sehr oft eine Kritikunfähigkeit der Kritisierenden Fehler in der Technik des KritisierensMan kann in seine Kritik persönliche Angriffe mischen wie beispielsweise "Du Arschloch hast...", "Was Du getan hast zeigt, wie dumm du bist." - mit der Wirkung, daß es nur wenigen gelingen wird, so ruhig zu bleiben, daß sie aus der Kritik noch etwas lernen können.
Man kann Kritik so indirekt formulieren, daß nur diejenigen sie
verstehen, die auch ohne Kritik wußten, daß sie gegen
irgendwelche Regeln verstoßen. Jede Andeutung ist eine so indirekte
Kritik, daß sie nur denen, die absichtlich gegen die Regeln
verstoßen, verständlich ist. Aber auch, wer in seiner Kritik darüber redet, was der Kritisierte sich wohl bei seinen Äußerungen gedacht haben mag, statt zu beschreiben, was er getan hat, wird ziemlich sicher nicht verstanden: solche Vermutungen sind meist falsch.
Außerdem reicht es nicht, die Handlungen des Kritisierten zu
beschreiben: er muß auch wissen, was sein Kritiker gegen diese
Handlungen hat. Und man muß so lange mit dem kritisierten reden, bis man ein alternatives Handlungsmuster hat, von dem der Kritisierte glaubt, es umsetzen zu können. Neuer Abschnitt: 11/2011 Kritik an anderen als Möglichkeit eigene Probleme zu verdrängenDies habe ich in drei grundsätzlichen Varianten erlebt oder erzählt bekommen. Gemeinsam ist allen drei Varianten, daß der Kritiker sich in Anwesenheit einer Person unwohl fühlt und sie daraufhin menschlich abwertet. Unterschiedlich sind die Gründe für das unwohl fühlen.Eine Bekannte erzählte mir einmal, daß sie sich sehr gewundert hatte, warum eine ihr fremde Person ihr so unsympathisch war. Deshalb machte sie einen Option-Dialog1. und kam im Verlauf dieses Gesprächs darauf, daß diese Person sehr ihrer Tante ähnelte, mit der sie sich sehr schlecht verstanden hatte. - Während in diesem Beispiel das Problem mit dem Option-Dialog gelöst wurde, kommt es häufig vor, daß Menschen andere nur deshalb nicht mögen, weil diese sie durch harmlose Dinge wie Aussehen, Kleidung, Floskeln die sie gewohnheitsmäßig im Gespräch verwenden, Angewohnheiten die anderen nicht schaden an Menschen erinnern, die ihnen böses getan haben - oder auch nur in einer schlimmen Situation anwesend waren. Statt sich bewußtzumachen, daß der andere ihnen nur unangenehm ist, weil er schlechte Erinnerungen wachruft und das auch so zu erklären, machen viele Menschen dem, der sie an ihre Probleme erinnert oft Vorwürfe, die völlig unverständlich bleiben, wo man nur denken kann "Hä - und was soll jetzt das Problem daran sein? Was ich mache ist doch völlig harmlos?" - Wenn es um Verhaltensweisen geht, die man ändern kann, kann man noch darauf achten sie vor der betroffenen Person möglichst nicht zu zeigen. Wenn dem Kritisierenden aber buchständlich "die Nase nicht gefällt" weil sie an die böse Stiefmutter2. erinnert, dann hat derjenige Person, die kritisiert wird, keine Chance.
Mit mir zu reden, scheint bei enorm vielen Menschen ihre Minderwertigkeitskomplexe bezüglich ihrer Intelligenz aufzurühren. Meiner Erfahrung nach, sind die Menschen die so reagieren selber nicht dumm sondern durchschnittlich oder knapp überdrurchschnittlich intelligent aber nicht hochbegabt. Sie haben normalerweise ein Gymnasium besucht und dort eher besser als schlechter abgeschnitten als ich und erreichen danach durch Fleiß oft eine angesehene Stellung. Also nichts, wofür man vernünftigerweise Minderwertigkeitskomplexe entwickeln sollte, sondern ein Lebensweg auf den man zu recht stolz sein könnte. Nichtsdestotrotz habe ich von solchen Menschen, wenn sie Lehrer oder Dozenten waren, oft bösartige Angriffe und Mobbing erlebt. Herauszubekommen, was denn ihr Problem war, erforderte dedektivische Fähigkeiten .... und sich so zu verhalten, daß sie kein Problem mehr mit meiner Anwesenheit hätten, hätte mein Problem verschlimmert, denn mündliche Beteiligung zählt in der Schule zum Pflichtprogramm, und wenn ich mich beteilige, merkt man auch, daß ich etwas im Kopf habe. Ein drittes Problem, das mir bei meiner Arbeit mit Menschen, die als Kinder schwer mißhandelt wurden öfter begegnet, ist, daß diese von Therapeuten erzählen, die sich offensichtlich durch das überfordert fühlen, was ihre Patienten ihnen mitteilen. Statt nun zu sagen "Du das was Du mir erzählst überfordert mich. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll." kommen dann allerlei merkwürdige Reaktionen.
QuelleDieser Artikel beruht im Wesentlichen auf eigenen Beobachtungen.
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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