erste Version: 10/2003
letzte Bearbeitung: 12/2011
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Ich diskutiere oft zum vergnügen.
Nicht damit ich zeigen kann, was ich besser weiß,
sondern damit ich das was an geistigen Fähigkeiten
in mir steckt ausleben, erleben kann. Es ist Spiel,
hat nichts mit mich beweisen zu tun. Ich habe genausoviel Freude an einer Diskussion, wo meine Ansichten weitgehend widerlegt werden wie an einer, wo ich mich mit meiner Meinung weitgehend durchsetze - wenn nur der Andere mir in etwa gewachsen ist, damit sich niemand ganz zurücknehmen muß. Es macht dabei relativ wenig Unterschied ob man dabei über praktische Probleme redet "Was pflanzen wir jetzt hier im Garten?", ob es um irgendein wissenschaftliches Thema geht, oder ob es eine reine Unfugdiskussion ist. Na ja - Unfugdiskussionen sind im Grunde schöner, weil man dann nicht aufpassen muß, daß man vor lauter Spaß am Diskutieren, nicht vergißt, daß ja am Ende jeder zu seinem Recht kommen muß. Irgendwann habe ich mich mal - rein aus Unfug, es war also kein echter Streit - mit meinem Mann gestritten. Das Thema war sowieso unwichtig und im Grunde lächerlich. Irgendwann fiel mir das ultimative Argument ein - begeistert fing ich an zu reden - erst nach einigen Sätzen fiel mir auf, daß ich aus der Rolle gefallen war: Es war das Ultimative Argument für den Standpunkt meines Mannes. Ich unterbrach mich mitten im Satz, woraufhin mein Mann sofort meinte, daß ich nicht weiterwüßte, würde ja eindeutig beweisen, daß ich im Unrecht wäre. Ich widersprach mit der Begründung, daß derjenige, der im Recht sei, ja bei der Wahrheit bleiben müsse, während der, der im Unrecht sei, seine Argumente frei erfinden könne. Deshalb sei es nur logisch, daß derjenige im Recht sei, der irgendwann nicht mehr weiterwüßte. Ich habe ihm nachher natürlich erzählt, warum ich nicht weitergeredet habe - das war einfach eine zu schöne Geschichte, um sie nicht zu erzählen. Unfugdiskussionen sind wohl meine persönliche Version von Smalltalk, dessen Hauptaufgabe - neben dem reinen Spaß am diskutieren - ist, daß man sich gegenseitig sein Zusammengehörigkeitsgefühl bestätigt. - Deshalb reagiere ich dabei sehr verletzt auf persönliche Angriffe. Das ist der Grund, warum ich die Informationen, die ich aus Büchern habe, lieber in Diskussionen mit Menschen erfahren hätte. - Nur die Menschen, die sie mir hätten vermitteln können, waren halt oft nicht da. Deshalb habe ich als Notlösung so viele Bücher gelesen.
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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