"Wer arbeitet, macht auch Fehler."
Das ist ein Spruch, den ich sehr mag denn das ist tatsächlich der
Punkt, an dem man eine lesenswerte wissenschaftliche Arbeit von einem Text
unterscheiden kann, der sich gut anhört, aber inhaltsleer ist.
Wenn eine wissenschaftliche Arbeit diesen Namen verdient, sind im Text
die Quellen angegeben. Anmerkungen geben zusätzliche Hinweise, die
vielleicht den Textfluß gestört hätten, aber
sehr wichtig sind, wenn man Aussagen im Text hinterfragen
will. Deshalb wird man bei einer wissenschaftlichen Arbeit, die über
hundert Seiten Text enthält, wenn man anderes Hintergrundwissen hat
als der Autor selbst, immer einen oder mehrere sachliche Fehler finden und
eindeutig nachweisen können, wenn man sich die Mühe macht, die
Arbeit gründlich zu hinterfragen und zu überprüfen.
Politik ist die Kunst, mit möglichst vielen Worten möglichst
wenig so zu sagen, daß es sich gut anhört. Wenn man sich die
Reden eines typischen Politikers anhört - so viele, daß diese
hundert Seiten auch zusammenkommen, ist nicht gesagt, daß man ihm
nachweisen kann, daß er etwas Falsches gesagt hat. Auf jede
Widerlegung kann er antworten - "Aber das habe ich doch gar nicht gesagt,
schau mal, da steht doch könnte und würde, eigentlich meine ich
das genaue Gegenteil." - Das ist übrigends keine böse Absicht
sondern eine politische Überlebenstechnik. Denn da jeder, der einen
nennenswerte Anzahl klarer Aussagen macht, auch diverse nachweisbare
Fehler einbauen wird, - wer arbeitet macht auch Fehler - macht sich damit
in vielen Punkten angreifbar. Allerdings sollte man dieser politischen
Überlebenstechnik dringend einen Riegel vorschieben, Politiker
zwingen in ihren Reden klare Wahlversprechen zu machen, diese
schriftlich zu veröffentlichen und an diese dieselben
Anforderungen stellen, wie an wissenschaftliche Arbeiten. Aber das ist im
Grunde ein anderes Thema und sollte anderswo behandelt werden.
Welche Fehlertypen treten auf?
- Betrug: Ein gewisser Prozentsatz der
wissenschaftlichen Arbeiten ist - wie in allen Lebensbereichen -
bewußt verfälscht. Weit verbreitet ist die Vorstellung,
daß in den unteren Gesellschaftsschichten Verbrechen deutlich
häufiger wären als in der Mittel- und Oberschicht, der
Wissenschaftler angehören. Tatsächlich werden mehr
Straftaten in den unteren Gesellschaftsschichten angezeigt, das ist
meiner Ansicht nach aber kein Beweis, darauf, daß dort auch
weniger Verbrechen gibt. (Also Taten durch die Menschen ernsthaft
geschädigt oder getötet werden - auch dann, wenn es
zufälligerweise noch kein Gesetz gibt, um sie angemessen zu
bestrafen.) Gesetze werden von Angehörigen der Mittel und
Oberschicht geschaffen, kontrolliert und durchgesetzt. Angehörige
der Oberschicht können sich besserere Anwälte leisten und
sind deshalb oft geschickter darin Gesetzeslücken auszunutzen
oder aber eine Anzeige durch Bestechung, Drohungen,
Überredungskunst oder schlicht durch das Wissen, daß sie
einen so guten Anwalt haben, daß die Polizisten
grundsätzlich keine Strafzettel an einen Mercedes kleben, weil
der Staat dadurch am Ende doch nur Kosten hat. (Wie ich aus
persönlichen Unterhaltungen erfuhr.) Deshalb ist anzunehmen,
daß Betrug in der Wissenschaft etwa so häufig ist, wie
jedes andere Verbrechen, daß wir ähnlich wichtig nehmen.
Daß Betrug in der Wissenschaft durchaus in nennenswerter
Häufigkeit vorkommt ist
- Mangelnde Qualifikation: Bei Tageszeitungen kommt oft
vor, daß der Autor des Artikels keine Ahnung von dem
Thema hat, über das er schreibt. Bei wissenschaftlichen
Fachblättern tritt dasselbe Problem sehr oft mit
Außenseitermeinungen auf: viele Autoren, die
Außenseitermeinungen kritisieren, haben sich nur sehr
oberflächlich damit beschäftigt. Die Beschäftigung
mit wissenschaftlichen Außenseitermeinungen erfordert meist
neben aktuellen Texten die Auseinandersetzung mit Büchern
die 50 oder mehr Jahre alt sind. In der Wissenschaft ändert
sich die Bedeutung der Fachbegriffe allmählich mit der
Änderung des wissenschaftlichen Weltbildes.
(vgl: VA66.).
Hinzu kommt, daß Außenseitermeinungen oft ihre
eigene, teilweise beträchtlich vom Üblichen abweichende
Nomenklatur (=Fachsprache) haben. Beides fordert
Mißverständnisse geradezu heraus. Deshalb erfordert die
Beschäftigung mit wissenschaftlichen Außenseitermeinungen
praktisch ein eigenes Studium. Man muß sich intensiv mit
Außenseitermeinungen und dem zugehörigen Weltbild, der
Nomenklatur, wissenschaftlichen Meinungen aus der Zeit, aus der
sie stammen auseinandersetzen, ehe man die Arbeiten zu
Außenseitermeinungen kompetent kritisieren kann. Da sie
diese Arbeit scheuen, schweigen seriöse Fachleute oft zu diesen
Themen, wärend Menschen, die sich allgemein weniger
gründlich informieren, sich eher daran wagen, da sie schneller das
Gefühl haben, kompetent zu sein.
- Mangelnde Allgemeinbildung:
- Schlamperei: Sehr häufig scheinen wissenschaftliche
Kritiker die Bücher der Außenseiterautoren, die sie
kritisieren, nur vom Hörensagen zu kennen - oder sie haben
lediglich den Umschlag dieser Bücher von außen
betrachtet. Anders lassen sich manche als wissenschaftlich
ausgegebene Artikel kaum erklären - es sei denn, man
würde den Kritikern bewußte Irreführung
unterstellen - was sicher nicht in allen Fällen so ist.
- Verdrängung: Wissenschaftler betreiben
üblicherweise Forschung nicht als Hobby (diese Internetseite
dagegen ist aus hobbymäßiger Beschäftigung mit
den aufgezählten Themen entstanden) sondern als Beruf.
Dadurch sind sie wirtschaftlich von den Forschungergebnissen
abhängig. Viele Menschen verdrängen deshalb Tatsachen,
die zu äußern oder zu berücksichtigen sie in
Konflikt mit ihrem Arbeitgeber bringen würden.
- Nicht veröffentlichen von Arbeiten durch Autoren: aus
ähnlichen Gründen, wie verdrängt wird, werden oft
unbequeme wissenschaftliche Arbeiten von denen, die sie erstellt
haben, nicht veröffentlicht.
- Nicht veröffentlichen von Arbeiten durch
Zeitschriften: Zeitschriften lehnen Artikel manchmal ab, weil
sie Konflikte mit ihren Anzeigenkunden befürchten oder da sie
Vorurteile gegen ausgefallenen Meinungen haben.
Wie groß sind die Abweichungen von der Realität, die durch
die genannten Fehlerquellen entstehen?
Um das abzuschätzen, schaue man sich nur ein paar mal Diskussionen
zwischen Vertretern von relativ weit verbreiteten
Außenseitermeinungen und von denen der jeweiligen Lehrmeinungen an.
In den Fällen, wo jemand es wagt, alleine gegen mehrere
Wissenschaftler anzudiskutieren und das auch lange durchhält, wird die
Außenseitermeinung normalerweise besser begründet als die
Lehrmeinung. Das liegt allerdings nicht daran, daß
Außenseitermeinungen immer besser wären, als Lehrmeinungen. Im
Gegenteil. Die Lehrmeinung ist fast immer eine der am besten
begründeten Meinungen, die zur Auswahl stehen. Es zeigt aber,
daß die meisten Wissenschaftler so schlecht über Bereiche ihres
Faches informiert sind, die nicht gerade ihr Spezialgebiet betreffen,
daß sie einem gut informierten Vertreter einer
Außenseitermeinung nichts als unbewiesene Geglaubtheiten
entgegenzusetzen haben.
Wie ich oben schrieb, ist das nicht etwa auf Faulheit
zurückzuführen, sondern darauf, daß es sehr, sehr viel
Arbeit macht, sich auch nur in ein solches Spezialgebiet einzuarbeiten.
Es ist aber für einen Nicht-Fachmann nicht wesentlich schwieriger
als für einen Fachmann sofern er eine umfassende Allgemeinbildung -
mehr als man in der Schule lernt - mitbringt.

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