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VA163.

Indirekte Kritik

Ich möchte dann doch mal erklären, was mich daran so gestört hat, daß ich meinte, da eine Antwort drauf geben zu müssen, die ein Stück weit eine Zurechtweisung ist. "Hallo Kerstin, ich hoffe du nimmst es mir nicht übel wenn ich sage, daß du ziemlich unglaubwürdig auf mich wirkst?" Es geht mir um den Unterschied zwisch dem obigen Satz und den anderen möglichen Reaktionen, mit denen man seinen Unglauben hätte ausdrücken können, wie:
"Ich kann das nicht glauben."
"Das erscheint mir unlogisch/unglaubwürdig."
"Das paßt nicht zu dem, was ich bisher darüber weiß."
oder
"Hör endlich damit auf so einen Blödsinn zu reden."
"Verschon mich mit diesen Fantastereinen."

Wegen dem "ich hoffe du nimmst es mir nicht übel" nehme ich an, daß es nicht wirklich so gemeint war, aber wenn jemand schreibt: "daß du ziemlich unglaubwürdig auf mich wirkst", dann muß ich schon sagen, daß mich das weit mehr verunsichert oder verletzt als jede von den Alternativen, die ich aufgezählt habe.
"Hör endlich damit auf so einen Blödsinn zu reden."
"Verschon mich mit diesen Fantastereinen."
sind ein direktes Redeverbot, zwar nicht sehr freundlich, aber so eindeutig, daß man sich wehren darf - und kann - ohne daß irgendjemand dann nachher behauptet, man hätte keinen Grund sich zu wehren. das heißt, man fühlt sich nicht so hilflos ausgeliefert.

"Ich kann das nicht glauben."
"Das erscheint mir unlogisch/unglaubwürdig."
"Das paßt nicht zu dem, was ich bisher darüber weiß."
drücken zwar auch Unglauben aus - werten das Gegenüber aber nicht ab und halten von der Formulierung her die Möglichkeit offen, daß die Ursache des Unglaubens vielleicht auch bei dem liegen könnte, der es nicht glauben kann.

"Hallo Kerstin, ich hoffe du nimmst es mir nicht übel wenn ich sage, daß du ziemlich unglaubwürdig auf mich wirkst?"
hätte für mich vor ein paar Jahren völlig ausgereicht, daß ich mich nicht traue auch nur ein weiteres Wort zu sagen, und ich will diese Formulierungen deshalb nicht unwidersprochen hinnehmen - wobei es mir aber nicht darum geht, diejenige rauszuekeln, die so etwas sagen und mehr darum, bewußt zu machen, wie solche Formulierungen wirken.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, Internetseite: http://www.kersti.de/, E-Mail an Kersti_@gmx.de