erste Version: 2/2008
letzte Bearbeitung: 11/2011
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Wenn man Kohlbergs Aussage, daß die kognitive Entwicklung der moralischen Entwicklung parallel läuft, ernst nimmt, so muß man für Weltbilder annehmen, daß es entsprechend der prämoralischen Phase (Ebene), in der für das Kind noch unverständlich ist, was Moral ist, eine Prä-Weltbild Phase gibt, in der das Kind noch nicht erfassen kann, was ein Weltild ist. Dann müßte eine Ebene, in der vorhandene Weltbilder erlernt werden geben und zum Schluß ein Bewußtsein dafür entstehen, daß man sich ein eigenes Weltbild erschaffen kann. O4. O6. 3.3 Moral und Hochbegabung
Wenn man für jede Moralstufe eine Weltbildstufe beschreibt, die strukturell gleich funktioniert ergibt sich damit Folgendes: Niveau 1: Weltbilder können noch nicht erfaßt werdenEntspricht: O6. Niveau 1 - Prämoralisch nach Kohlberg1. Stufe: Lernen durch Versuch und Irrtum2. Stufe: Lernen durch Anwendung von GlaubenssätzenNiveau 2: Übernehmen vorgegebener WeltbilderEntspricht: O6. Niveau 2 - Moral der konventionellen Rollenkonformität nach Kohlberg3. Stufe: Vertrauen auf das Weltbild der AutoritätJemand auf dieser Stufe sucht sich eine Autorität aus und übernimmt deren Weltbild.4. Stufe: Die Person hat ein Weltbild gut genug erlernt um es unabhängig von einer Autorität anzuwenden. Suche nach dem "richtigen Weltbild"Hier wird ein Mensch zu "normaler Wissenschaft" nach Kuhn fähig.Wenn ein Mensch auf dieser Stufe sein Weltbild ändert, tauscht er sein gesamtes Welbild aus und ersetzt es durch ein anderes Weltbild "von der Stange". Eine Person auf Stufe 4 ist in der Lage als Lehrer oder wissenschaftliche Autorität aufzutreten, da er sich seines Weltbildes sicher genug fühlt, um es vermitteln zu können. Da Personen, die auf Stufe 3 oder 4 stehen, Weltbilder als ganzes übernehmen, indem sie die darin enthaltenen Fakten und Rechenregeln auswendig lernen, statt sie auf wenige grundlegende Prinzipien zurückzuführen, sind sie auch nicht in der Lage, die eigentlich moralischen oder moralisch verwerflichen Teile eines Weltbildes von denen zu trennen, die keinen Bezug zu moralischen Fragen haben. Scherzhaft überspitzt sage ich deshalb oft: "Menschen auf Moralstufe 4 sind nicht in der Lage, eine moralische Regel von einem Kochrezept zu unterscheiden." Übergang zu Niveau 3 und Stufe 5Die Ursache für einen Übergang von Stufe 4 zu Stufe 5 ist eine massive Verunsicherung bezüglich des eigenen Weltbildes. Daher können sich Menschen auf dieser Stufe vorübergehend verhaölten wie Menschen, die noch kein Weltbild erlernt hatten.Niveau 3: Wissenschaft, das Erschaffen neuer WeltbilderEntspricht: O6. Niveau 3 - Moral der selbst akzeptierten moralischen Prinzipien nach Kohlberg5. Stufe: Die Fähigkeit Weltbilder aus einem Satz an Glaubenssätzen selbst zusammenzufügen bildet sichEin Mensch dieser Stufe wendet die Grundprinzipien der Logik an, um Schritt für Schritt ein Welbild zu überprüfen. Weltbilder werden nicht mehr als Ganzes übernommen oder verworfen sondern als logische Systeme verstanden, die man selber nach den Gesetzen der Logik konstruieren und Punkt für Punkt überprüfen kann.
Die Dialektik ist dieser Stufe zuzuordnen. 6. Stufe: Bewußtsein für das Vorhandensein dieser Stufenentwicklung und gezieltes Vermitteln der einzelnen Stufen bis Stufe 6Antiautoritäre Erziehung im eigentlichen und ursprünglichen Sinne des Wortes ist Erziehung durch Menschen, die auf Weltbild- und Moralstufe 6 stehen. Hier wird der Sinn von Regeln dem Kind erklärt, indem man sie auf wenige grundlegende Prinzipien - oder auf Naturgesetze zurückführt. Je nachdem, ob es sich um moralische Regeln oder um Maßnahmen zur Erhaltung von Sicherheit und Gesundheit oder zur sinnvollen Einteilung der Recourcen der Familie geht. |
VA3. VA30. VA33. VA42. VA43. VA48. VA49. VA67. VA122. VA125. VA126. VA127. VA128. VA178. VA189. VA229. VA237. VA241. VA246. VA249. VA253. VA271. VA277. VA279. VA280. VA286. VA306. |
Heute kann ich zurückverfolgen, daß ich aufgrund meiner im Wesentlichen antiautoritären Erziehung spätestens ab dem fünften Lebensjahr auf Moral- und Weltbildstufe fünf stand. Da aber 80% der erwachsenen Bevölkerung auf den Moral- und Weltbildstufen drei oder vier steht, ergaben sich die Konflikte daraus, daß die Lehrer ein anderes Verständnis von Autorität hatten als ich als Schülerin.
| Erwartungen von Schülern auf Weltbildstufe 3 an Autoritäten | Erwartungen von Schülern auf Weltbildstufe 5 an Autoritäten |
|---|---|
| Wissen muß man auswendig lernen, damit man genug parat hat, wenn man es braucht. | Wissen muß man verstehen und auf seine grundlegenden Prinzipien zurückführen können, damit man es in möglichst vielen unterschiedlichen Gebieten richtig anwenden kann. |
| Eine gute Autorität muß möglichst viel wissen, damit man viel von ihr lernen kann. | Eine gute Autorität muß gut denken, argumentieren und sich verständlich ausdrücken können, damit man gut von ihr lernen kann. Sie muß fähig sein, ihre Ansichten Punkt für Punkt zu belegen, damit man sie Punkt für Punkt überprüfen kann. |
| Wenn mir die Sicht meines Lehrers nicht fundiert vorkommt, muß ich mir eine bessere Autorität suchen. | Wenn mir die Sicht meines Lehrers unlogisch oder aufgrund meines bisherigen Wissens falsch erscheint, habe ich ihn sehr wahrscheinlich falsch verstanden oder baue auf unvolltändigem Wissen auf. Ich muß ihm möglichst deutlich erklären, wie ich denke, damit er erkennen und mir erklären kann, wo mein logischer Irrtum liegt oder wo ich auf falschen Daten aufbaue. Wenn sich dann aber zeigt, daß mein Wissen auf umfassenderen Daten beruht oder er einen logischen Fehler eingebaut hat, hat er sich geirrt. Da ich Punkt für Punkt prüfen kann, kann ich auch von Menschen lernen, die weniger wissen und können als ich. |
| Verhalten von Autoritäten auf Weltbildstufe 4 | Verhalten von Autoritäten auf Weltbildstufe 6 |
|---|---|
| Um die eigene Autorität zu unterstreichen verweist man auf Lehrer oder Abschlüsse, die man erworben hat und gibt die Dauer der eigenen Berufserfahrung an. | Autorität wird ausschließlich themenbezogen durch Quellenangaben und Angaben darüber, was man selbst dazu geforscht oder erlebt hat, belegt. |
| Wissen fließt von oben nach unten, vom Lehrer zum Schüler. | Ein guter Lehrer lernt von jedem seiner Schüler etwas dazu. |
| Kritische Fragen durch Schüler werden als Angriff auf die eigene Autorität wahrgenommen. Ihnen wird mit einem Hinweis auf die Eigene Fachausbildung begegnet. | Kritische Fragen werden als Interesse wahrgenommen. Sie werden mit weiteren Erklärungen, Informationen und Hinweisen auf weiterführende Literatur beantwortet. |
| Der Lehrer gibt Fachwissen und zum Auswendiglernen vor und übt mit den Schülern Rechen- und andere Arbeitsmethoden ein. | Der Lehrer stellt eine umfassende Materialsammlung bereit und läßt die Schüler auf dieser Grundlage Ergebnisse erarbeiten. Er lehrt vor allem, wie man sich Fachwissen eigenständig erwirbt und es nutzt, um selber zu neuen Erkenntnissen zu kommen. |
Wenn eine Autorität auf Weltbildstufe 4 auf einen Schüler auf Weltbildstufe 3 trifft, passen die Erwartungen des Schülers an Autoritäten und die Erwartungen des Lehrers an Schüler zusammen. Wenn der Lehrer seine fachbezogenen Abschlüsse und seine Berufserfahrung als Fähigkeitsnachweis angibt, erscheint das dem Schüler auch als angemessen. Die Erwartung der Schüler, daß Lehrer mehr wissen müssen als sie, entspricht auch der Ansicht der Lehrer. Kritische Fragen des Schülers sind als infragestellen der Autorität gemeint und werden auch so verstanden. Wenn der Lehrer Fachwissen und Arbeitsmethoden zum einüben vorgibt, wird das vom Schüler auch als angemessene Lehrmethode angesehen.
Ebensogut passen die Erwartungen des Lehrers auf Weltbildstufe 6 zu denen des Schülers auf Weltbildstufe 5. Wenn der Lehrer seine fachliche Qualifikation dadurch belegt, daß er besser erklären kann als der Schüler und schneller darin ist, die Fakten, die seine Meinung belegen zu finden und zu präsentieren, wird das als angemessenes Verhalten einer Autorität aufgefaßt. Wenn kritische Fragen durch den Lehrer als Interesse wahrgenommen werden, entspricht das auch der Intention des Schülers. Aufgabenstellungen, die eigenständiges erarbeiten von Ergebnissen erfordern, werden vom Schüler auch als Herausforderungen angenommen, die der eigenen kritischen Haltung entsprechen. Allgemin ist das Machtgefälle zwischen Lehrer und Schüler viel weniger ausgeprägt und die Bereitschaft auch von Lehrern zu lernen, die weniger wissen als der schüler ist gegeben.
Wenn eine Autorität auf Weltbildstufe 4 auf einen Schüler auf Weltbildstufe 5 trifft, kommt es dagegen zu Komplikationen. Die Fragen des interessierten Schülers werden als infragestellen der Autorität des Lehrers fehlinterpretiert. Die Verweise auf die überlegene Bildung und langjährige Berufserfahrung werden empört mit: "Ach ja und wo ist Dein Fachwissen?" beantwortet, weil die erwarteten zusätzlichen Erklärungen, Informationen, sowie Quellen- und Literaturangaben nicht kommen. Da der Lehrer nicht bereit ist von seinem Schüler auch mal eine Kleinigkeit zu lernen und stattdessen den Schüler persönlich abwertet (Sinngemäß: "Du bist nur Schüler ich bin Lehrer." Oft verfälscht und verkürzt zu "Du bist dumm."), fühlt sich der Schüler in seiner Menschenwürde verletzt.
Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal
im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von
Lesern immer bekomme.
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