erste Version: 7/2019
letzte Bearbeitung: 12/2019

VB217.

Moral - von der Unterordnung zur Verantwortung

Inhalt

VB217.1 Kersti: Die Bedeutung der Moral
VB217.2 Kersti: Kohlbergs Moralstufen
VB217.3 Kersti: Niveau 1 - Prämoralisch
VB217.4 Kersti: Niveau 2 - Moral der Gesetzeswerke und auswendig gelernten Moralsysteme
VB217.4.1 Kersti: Grundlagen der konventionellen Moral
VB217.4.2 Kersti: Stufe 3 - Die Moral des Vertrauens in Autoritäten
VB217.4.2.1 Kersti: Die wohlwollende Autorität und ihr Schüler
VB217.4.2.2 Kersti: Was blockiert den Übergang auf Strufe 3
VB217.4.2.3 Kersti: Verdrängung und Moralstufe 3 - Wann und warum die Moral des guten Kindes zu Verdrängungen führt
VB217.4.2.4 Kersti: Erziehung durch Stufe 3 Menschen
VB217.4.2.5 Kersti: Grobe moralische Fehler durch Stufe 3 Menschen und ihre Gründe
VB217.4.3 Kersti: Stufe 4 - Der Kenner von Konventionen und Gesetzen
VB217.4.3.1 Kersti: Grundlegende Erklärung der Moralstufe 4
VB217.4.3.2 Kersti: Rückfälle auf das Verhalten tieferer Stufen
VB217.4.3.3 Kersti: Über-Ich-Bildung nach Freud und Kohlbergs Moralstufen
VB217.4.3.4 Kersti: Mißbrauch von Regeln, um Verbrechen zu rechtfertigen
VB217.4.3.5 Kersti: Fallbeispiel Milgram-Experimente
VB217.5 Kersti: Niveau 3 - Ableitung der Moralsysteme von grundlegenden moralsichen Prinzipien
VB217.5.1 Kersti: Der Übergang zum nächsten Niveau
VB217.5.1.1 Kersti: Die grundlegenden moralischen Prinzipien und die Erkenntnis, was Moral überhaupt ist
VB217.5.1.2 Kersti: Der Nutzen von Erziehungsfehlern für die Moralentwicklung
VB217.5.1.3 Kersti: Kulturschock und Moralentwicklung
VB217.5.2 Kersti: Stufe 5: Moral des Gesellschaftsvertrages
VB217.5.3 Kersti: Stufe 6: Lehrer des moralischen Denkens: Wie lernt man moralische Gesellschaften zu bauen?
VB217.5.3.1 Kersti: Stufendefinition der Moralstufe sechs, die zu kohlbergs System passen würde
VB217.5.3.2 Kersti: Erziehung durch Personen auf Moralstufe 6: Antiautoritäre Erziehung
VB217.5.3.3 Kersti: Entwicklungshindernisse und Entwicklungshilfen durch antiautoritäre Erziehung: Antiautoritäre Erziehung
VB217.6 Kersti: Moralisches Lernen im Überblick
VB217.6.1 Kersti: Text
VB217.6.2 Kersti: Moralisches Lernen läßt sich nachholen
VB217.6.3 Kersti: Gesellschaftssysteme, ihre moralischen Wurzeln und Auswirkungen
VB217.6.3.1 Kersti: Moral und Gesellschaft
VB217.6.3.2 Kersti: Niveau 1: Stammesgesellschaften
VB217.6.3.3 Kersti: Niveau 2: Ständegesellschaften mit Schulsystem
VB217.6.3.4 Kersti: Niveau 3: Demokratie und Wissenschaft
VB217.6. Kersti: Text
VB217.6. Kersti: Text
VB217. Kersti: Quellen

 
Inhalt

1. Die Bedeutung der Moral

Die Fähigkeit zu moralischem Denken ist sozial sehr wesentlich: Handlungen, die als unmoralisch gelten, zerstören, wenn sie überhand nehmen, das soziale System, in das wir eingebunden sind. Sie sind natürlich auch für das Funktionieren aller anderen gesellschaftlichen Systeme unerläßlich: zu viel Diebstahl bringt den Handel zum Erliegen, zu viel wissenschaftlicher Betrug verhindert eine sinnvolle Fortentwicklung der Wissenschaften. Zu viele Kriege zerstören die bestehenden Kulturen auf allen Ebenen.

Unsere Fähigkeit Moral zu verstehen und zu entwickeln beruht auf der Fähigkeit Weltbilder zu verstehen und zu entwickeln. Anders ausgedrückt: Unsere Fähigkeit moralisch zu urteilen, beruht auf der Fähigkeit überhaupt zu denken und zu urteilen.

Die Moralstufen beruhen auf den Weltbildstufen
VB50. Kersti: Entwicklungspsychologie: Weltbild-Stufen

 
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2. Kohlbergs Moralstufen

Wesentliche Übergänge sind nicht die zwischen den Stufen sondern die zwischen den Ebenen oder Niveaus. Innerhalb dieses Systems ist die jeweils erste Stufe die Schülerstufe des Niveaus - die betroffene Person hat begriffen, was grob die zu lernende Fähigkeit ist und hat ausreichende Kompetenzen, um überhaupt erkennbar auf diesem Niveau zu denken, sie ist aber noch nicht in der Lage, die Inhalte des Niveaus zu lehren, weil ihre Verständnis des Niveaus noch zu überflächlich ist.

Die zweite Stufe des Niveaus ist jeweils die Stufe in der die Person sich ihres Moralverständnisses ausreichend sicher ist, um die Kompetenzen des Niveaus selbst zu lehren.

Zu jeder Moralstufe gibt es eine A- und eine B-Unterstufe. Der A-Unterstufe gehören diejenigen an, die das Instrumentarium dieser Stufe noch nicht sicher beherrschen. Die B-Unterstufe ist erreicht, wenn derjenige sich auf der neuen Stufe stabilisiert hat.1. S.26f, S.51ff, S.364ff

Je höher die Moralstufe einer Person, desto konsequenter hält sie sich an die von ihr selbst befürworteten Regeln. Angehörige der B-Unterstufen halten sich wesentlich konsequenter an die von ihnen befürworteten Regeln als Angehörige der A-Unterstufe.1. S.222f, S.252f, S.418ff

 
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3. - Niveau 1 - Prämoralisch

Auf der ersten Ebene (Stufe 1 und 2) gibt es keine Moral im eigentlichen Sinne. Fairness und Gerechtigkeit, sie hat aber noch keinen Begriff davon, worum es bei Moral geht.

Stufe 1: Orientierung an Lob und Strafe (fraglose Unterwerfung unter Macht)

Stufe 2: Naiver instrumenteller Hedonismus (Moral ist wie ein Handelsgeschäft: wichtig sind Fairneß, Gefälligkeiten erwidern, aber auch Rache für Unrecht. Wie Du mir, so ich dir.)

 
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4. - Niveau 2 - Moral der Gesetzeswerke und auswendig gelernten Moralsysteme

4.1 Grundlagen der konventionellen Moral

Personen, die Auf der Weltbildebene 2 und damit auf Stufe 3 oder 4 stehen, übernehmen Weltbilder als Ganzes, indem sie die darin enthaltenen Fakten und Rechenregeln auswendig lernen. Damit fehlt ihnen ein Bewußtsein dafür, wie das Weltbild von den zugrundeligenden Beobachtungsdaten abgeleitet wurde.

Personen, die auf den zweitene Niveau, dem Niveau der konventionellen Moral (Moralstufe 3 oder 4) stehen, übernehmen Moralvorstellungen im Rahmen eines Weltbildes als Ganzes, indem sie die im Weltbild enthaltenen Fakten und Rechenregeln auswendig lernen, statt sie auf wenige grundlegende Prinzipien zurückzuführen. Da dieses zurückführen auf die Gründe für die Regel nicht stattfindet und nicht bewußt wird, bleibt unklar, ob der Grund für eine Regel

Daher sind Menschen die sich auf Niveau 2 der Moral- oder Weltbildentwicklung befinden nicht in der Lage, die eigentlich moralischen oder moralisch verwerflichen Teile eines Weltbildes von denen zu trennen, die keinen Bezug zu moralischen Fragen haben. Scherzhaft überspitzt sage ich deshalb oft: "Menschen auf Moralstufe 4 sind nicht in der Lage, eine moralische Regel von einem Kochrezept zu unterscheiden."

Für die Personen dieser zweiten Ebene (Stufe 3 und 4) sind die Gesetze und Konventionen, sowie die Autoritäten, die sie vertreten, die Moral. Sie entscheiden sich daher im Zweifel für die Autorität oder Gesetz und mißverstehen individuelle, von konkreten Gesetzen und Präzedenzfällen unabhänige moralische Entscheidungen, wie sie auf Niveau 3 auftreten, als unmoralisch.

 
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4.2 - Stufe 3 - Die Moral des Vertrauens in Autoritäten

4.2.1 Die wohlwollende Autorität und ihr Schüler

Die Moral der Moralstufe 3 ist die Moral des guten Kindes, das gute Beziehungen aufrechterhält und die Anerkennung der anderen sucht. Die Konventionen werden auf dieser Stufe durch die geliebte Gemeinschaft und geliebte Autoritätspersonen repräsentiert.

Wenn ein Kind auf Moralstufe 3 agiert, wirken mehrere Faktoren zusammen.

Der Rahmen, für den ein Kind Regeln lernt, ist sehr klein. Erst gegen Ende der Grundschulzeit ist den meisten Kindern die Identifikation mit der eigenen Schulklasse möglich, davor sind wesentlich kleinere Gruppen von zwei bis drei Leuten bedeutsam.13..
O4. Kersti: 3.1 Vom Einzelmenschen zum Angehörigen einer Kultur - Das Überschauen immer größerer sozialer Zusammenhänge

Während ein Kind sich seine Bezugspersonen nicht auswählen kann, weil die Instinkte ihm sagen, daß nur die Eltern sich zuverlässig um es kümmern werden, beginnen Jugendliche sich gezielt eine geeignete Autorität zu suchen. Jugendliche haben in traditionellen Gesellschaften bereits ausreichend zu bieten, um sich selbst zu versorgen. Wenn die Eltern aus irgendeinem Grund ungeeignet erscheinen, sucht sich der Jugendliche eine geeignetere Autorität. Dabei spielt eine Rolle:

Die Identifikation mit größeren sozialen Einheiten wie Nation, Religion, Ethnie, Kultur etc. nimmt zwischen 5./6. und 8./9. Klasse rapide zu13.. In diesem Alter kann ein Mensch auf Moralstufe 3 also auf den Gedanken kommen, sich als "guter Staatsbürger" zu fühlen und sich mit den Regeln die durch eine solche größere Einheit vorgegeben werden zu identifizieren.

 
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4.2.2 Was blockiert den Übergang auf Strufe 3

Um von Stufe 3 auf Stufe 4 zu gelangen, braucht man drei Faktoren
  1. eine geeignete Autorität
  2. ein erfaßbares Regelsystem
  3. ausreichend Intelligenz um das Regelsystem von den zur Verfügung stehenden Autoritäten zu lernen
Die Intelligenz ist teilweise vererbt, läßt sich aber auch dadurch positiv in ihrer Entwicklung beeinflussen, daß man bei jedem Entwicklungsstand genug zu lernen anbietet, was für die Betroffene Person eine geistige Heruasforderung darstellt, aber nicht zu schwierig ist, um lernbar zu sein.

 
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4.2.3 Verdrängung und Moralstufe 3 - Wann und warum die Moral des guten Kindes zu Verdrängungen führt

Ein weitverbreitetes Modell unterscheidet zwischen dem Ich, mit dem man sich identifiziert und das die bewußten Entscheidungen trifft und einem Ego, das für sich selbst im Weg stehen, Selbstsabotage aber auch einfach Gewohnheiten zuständig ist. Andere Autoren nennen das Ego auch "falsches Selbst". Ich habe auch schon mal ein Buch gelesen, wo dann dieses wahre Ich als Ego bezeichnet wurde, wo also die Aufteilung zwischen Ich und Ego gemacht wurde wie oben, aber die Bedeutung beider Wörter ausgetauscht war.

VB156. Kersti: 2. Ich und Ego
Das Ego entsteht aus dem Konflikt zwischen Konventionen, von außen vorgegebenen Regeln und Gesetzen und den eigenen Bedürfnissen und Wünschen, die als unberechtigt und nicht erlaubt erlebt werden.

In ihrem Buch " Buch: Betrayal Trauma" (Wörtlich: Verratstrauma) beschäftigt sich Autor: Jennifer J. Freyd mit der Frage, warum Menschen gewisse traumatische Erfahrungen verdrängen und andere nicht. Sie kommt zu der Schlußfolgerung daß vor Allem Erinnerungen an Verrat durch wichtige Bezugspersonenen verdrängt werden, von denen das Opfer abhängig ist. Freyd beschäftigt sich im größten Teil ihres Buches damit, daß Kinder verdrängen, wenn ihre Eltern sie psychisch oder körperlich mißhandeln oder mißbrauchen, um eine lebensnotwendige Beziehung nicht zu gefährden und zeigt in späteren Kapiteln das Kriegveteranen und durch ihrem Mann mißhandelte Frauen aus sehr ähnlichen Gründen verdrängen und verleugnen7.. So werden Erinnerungen an inzestuösen Kindesmißbrauch häufiger verdrängt als Erinnerungen an Kindesmißbrauch, der nicht inzestuös ist7. S.139ff. Tatsächlich konnte in mehreren Studien auch kein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Gewalt und dem Ausmaß der Verdrängung nachgewiesen werden8.. Außerdem scheint emotionaler Mißbrauch bei Kindern zu mehr Dissoziation zu führen als körperlicher Mißbrauch und körperliche Mißhandlungen7. S.134f. Der Grund für diese Verdrängung ist nicht, daß die Erfahrung so traumatisch ist, sondern er liegt darin, daß es eine tatsächlich oder vermeintlich lebensnotwendige Beziehung gefährden würde, wenn die Erfahrung erinnert würde7.. Daneben hat das Kind aber auch selbst ein Bedürfnis nach einer moralischen Autorität, die es akzeptieren kann und ihm fehlt aufgrund seines Entwicklungsstandes noch die Möglichkeit, eine moralische Autorität sinnvoll in Frage zu stellen.
O11.1.3 Kersti: Verdrängung, Kryptomnesie und Wiederauftauchen von Erinnerungen

 
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4.2.4 Erziehung durch Stufe 3 Menschen

Stufe-3-Menschen erziehen indem sie Unterordnung unter die nächste verfügbare Autoritätsperson verlangen. - Beispiel: "Aber man muß doch den Fachleuten vertrauen."

V150. Kersti: Den Fachleuten vertrauen?

 
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4.2.5 Grobe moralische Fehler durch Stufe 3 Menschen und ihre Gründe

Typische Fehler von Menschen, die auf Moralstufe 3 stehen sind:

 
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4.3 - Stufe 4 - Der Kenner von Konventionen und Gesetzen

4.3.1 Grundlegende Erklärung der Stufe

Die Konventionen werden hier durch geschriebene und ungeschriebene Gesetze und Regeln konkreter Gruppen repräsentiert. Die bestehenden Gesetze werden nicht infrage gestellt, wohl aber die Autorität von Autoritätspersonen, die gegen diese Regeln verstoßen. Stufe-4-Menschen erziehen, indem sie darauf pochen, daß alles weiter so gehandhabt werden muß, wie das schon immer war. Da sie die Konventionen, auf deren Einhaltung sie bestehen, auswendig lernen und sie nicht an den dahinter stehenden Grundsätzen messen, sind sie nicht fähig moralische Regeln von formalen Regeln zu unterscheiden.

 
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4.3.2 Rückfälle auf das Verhalten tieferer Stufen

Unter dem Verhalten des Menschen der auf Moralstufe Vier steht, liegt das Fundament der vorher gelernten moralischen Stufen. Wenn das Wissen der stufe 4 das eine person erworben hat in dem Bereich, in dem er sich gerade bewegt, nicht ausreichend ist, geht er auf die Stufe 3 zurück und verläßt sich auf Fachleute. Wenn er keine geeigneten Fachleute findet fällt er auf das Verhalten von niveau 1 zurück, verhält sich also wie ein Mensch auf Moralstufe 1 oder zwei.

 
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4.3.3 Über-Ich-Bildung nach Freud und Kohlbergs Moralstufen

Aus " Buch: Das Ich und das Es"6. von Autor: Sigmund Freud stammt die Vorstellung, daß sich die Persönlichkeit des Menschen aus einem ich, das wie in der obigen Aufteilung in Ich und Ego unser bewußtes Handeln repräsentiert, einem Es, das unsere Triebe und Bedürfnisse repräsentiert (da müßten aber auch andere verdrängte Inhalte angesiedelt sein, damit das Bild halbwegs vollständig ist) und einem Über-Ich, das für Moral- und Wertvorstellungen steht zusammensetze.

Damit beschreibt die Über-Ich-Bildung den Übergang von der 3. auf die 4. Moralstufe, indem die dadurch entstehende Aufspaltung in verschiedene Persönlichkeitsanteile mit verschiedenen Aufgaben beschrieben wird.

Ich habe als Kind letztlich auch die Regeln meiner Eltern übernommen und vertreten, es gab aber keinerlei Anlaß, da einen Konflikt zu erleben, der schwerwiegend genug wäre, um Anteile abzuspalten, da meine Eltern nicht auf Moralstufe 3 oder 4 gestanden haben. Im Rahmen einer antiautoritären Erziehung - also einer Erziehung durch eine Autorität, die selbst auf Moralstufe 5 oder 6 steht - ist die Über-Ich-Bildung als abgespaltener Anteil nicht gegeben, da moralische Regeln nicht als ein "soll" oder "darf nicht" erklärt werden, sondern als ein "Es ist sinnvoll, das Zusammenleben so zu organisieren, weil wir alle (zunächst die Familie, später die Gesellschaft) damit besser leben können, als wenn wir es anders machen würden." - Regeln sind nicht beliebig, weil nicht alles funktionieren würde, aber sie sind verhandelbar, da sie auf individuelle Bedürfnisse genauso abgestimmt werden müssen, wie auf das Funktionieren der Familie und der Gesellschaft als Ganzem. Wenn man den Sinn einer Regel verstanden hat, kann man sie freier interpretieren oder durch Alternativregeln ersetzen, die denselben Zweck erfüllen. Wann immer eine Regel mit Protest beantwortet wird reagiert die Autorität mit einer Erläuterung des Sinnes der Regeln und akzeptiert Widersprüche als Beitrag zur möglichen Verbesserung der Regeln. Zunächst paßt die Autorität Regeln selbst an besondere Bedürfnisse des Kindes an, die ihr vor dem Protest nicht bewußt waren, später werden Regelvorschläge zunehmend vom betroffenen Kind selbst eingebracht. Das Kind wird in dem Instrumentarium der nächsten Stufen trainiert, bevor es emotional wirklich bereit ist, sie zu erklimmen, daher ist der Übergang fließender.

VB156. Kersti: 3. Ich, Über-Ich und Es nach Freud und Kohlbergs Moralstufen

 
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4.3.4 Mißbrauch von Regeln, um Verbrechen zu rechtfertigen

Da für das Verständnis des Stufe-4-Menschen die auswendig gelernten Regeln mit der Moral identisch sind, begreift er Kritik an Regeln als Angriff auf die Grundfesten der Moral und merkt es nicht, wenn er diese Regeln verwendet, um unmoralisches Handeln zu rechtfertigen. Typische grobe moralische Fehler durch Stufe 4 Menschen haben deshalb oft mit dem Mißbrauch von Regeln für üble Zwecke zu tun.

 
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4.3.5 Fallbeispiel Milgram-Experimente

Daß sich einige Leute in den Milgram-Experimenten, die prinzipiell auf Stufe 4 stehen auf den als "Wissenschaftler" vorgestellten Versuchsleiter als Fachmann für die Sicherheit und Unbedenklichkeit des Versuchs verlassen, wird durch den Unterschied zwischen den Varianten wo das Opfer, das die Stromschläge erhält unsichtbar ist und den anderen Varianten des Versuches deutlich. In der Variante, wo von dem Opfer nichts zu sehen ist, geben 26 der vierzig Versuchspersonen auch noch den stärksten Schock. Diejenigen die abbrechen, verlassen sich offensichtlich auf die Beschriftung: Am Schalter mit der Aufschrift "300 Volt" steht auch "Sehr schwerer Schock", an dieser Stelle brechen die meisten Abbrecher ab, der letzte direkt nach 360 Volt mit der aufschrift "Gefahr! Bedrohlicher Schock", mit einem Schock von 375 Volt. Insgesamt geben 26 Personen den schwersten Schock. Die nächsten vier höheren Schocks führen nicht zu weiteren Abbrüchen. Wenn das Opfer zu hören ist, führt die Tatsache daß bei 150 Volt die Versuchsperson gegen die Wand hämmert zu den meisten Abbrüchen. Eine weitere Häufung tritt um das Wort "Sehr schwerer Schock" herum auf. Insgesamt ist die Situation aber so unklar, daß in dieser zweiten Versuchsgruppe nur eine Person mehr den Versuch abbricht, insgesamt geben 25 den schwersten Schock. Wenn die Versuchsperson zu sehen ist und sowohl hefig protestiert als auch qualvolle Schreie von sich gibt, tun das nur 16 wenn sie durch eine Glasscheibe sichtbar im Nachbarraum ist und nur zwölf wenn sie in Berührungsnähe ist. "Wissenschaft kann so etwas nicht rechtfertigen" ist da wohl für den Stufe-Vier Menschen eine ausreichend klare Regel, wenn er die Folgen drastisch vor augen geführt bekommt.14.

Die Moralstufenerklärung ist natürlich keine Ersatzerklärung für Milgrams eigene Erklärung seiner Experimente. Es handelt sich um eine ergänzende Erklärung, die genau das erklärt, was Milgrams Erklärungsansätze nicht ausreichend erklären. Milgram erklärt, warum ein unterschiedlicher Versuchsaufbau zu unterschiedlichen Ergebnissen führt, Kohlbergs Moralstufen erklären, warum bei gleichem Versuchsaufbau unterschiedliche Menschen unterschiedlich reagieren, aber auch warum es einige Menschen gab, die als Versuchspersonen die Experimente als wesentlichen Anstoß zu eigenem moralischen Lernen erlebten und warum das bei anderen nicht funktioniert hat. Daß es auch bei gleichem Informationsstand noch Unterschiede gibt, die sich durch zunehmende Nähe erklären lassen, hat wahrscheinlich genau den emotionalen Grund den Milgram nennt. Wenn wir jemanden anfassen der leidet - oder in dem Fall nur zu leiden scheint - geht uns das näher, als wenn er im Nachbarraum durch eine Glasscheibe sichtbar ist, entsprechend denken wir mehr darüber nach, ob das so richtig ist14..

 
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5. - Niveau 3 - Ableitung der Moralsysteme von grundlegenden moralsichen Prinzipien

5.1 Der Übergang zum nächsten Niveau

5.1.1 Die grundlegenden moralischen Prinzipien und die Erkenntnis, was Moral überhaupt ist

Der Übergang von Niveau 2 auf Niveau 3 oder von Stufe 4 auf Stufe 5 geschieht aus der Erkenntnis heraus, daß es für moralisches Verhalten nicht ausreichend ist, Gesetze und Regeln auswendig zu lernen, sondern daß man diese Gesetze und Regeln selbst daraufhin überprüfen muß, ob sie moralisch tragbar sind.

Zunächst führt das zu Konfusion. Die Regeln von Stufe 4 reichen nicht mehr aus, keine Autorität ist gut genug, daß man sie als Krücke verwenden kann, das Instrumentarium der nächsten Stufe ist noch nicht eingearbeitet. Er fällt deshalb auf die früheren Stufen 1 und 2 zurück, um die Situation zu bewältigen.

Aus den Prinzipien von Stufe 1 und 2 stammen dann auch die grundlegenden Prinzipien, auf die dann ein neues Regelsystem fußt. Man geht zurück auf Fairness und Gerechtigkeit und überlegt sich, wie man daraus ein Regelsystem bauen müßte, wie man es auf Moralstufe 4 erlebt hat. Mann erlebt Moral zunächst als eine Art Gesellschaftsvertrag, der fair sein sollte.

Mit der Zeit stellt sich dann heraus, daß nicht jede art von Gesellschaftssystem funktionieren kann, daß moral nicht jeder beliebige Gesellschaftsvetrag ist, sondern nur die Verträge, die dem allgemeinen wohl dienen und möglichst niemanden hinten runter fallen lassen.

 
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5.1.2 Der Nutzen von Erziehungsfehlern für die Moralentwicklung

Kinder machen Fehler, Erwachsene machen Fehler, Menschen die sich mit Erziehung beschäftigen, machen Erziehungsfehler. Es gibt keinen Trick, mit dem man die Fehlerrate in einem der drei Bereiche auf null reduzieren könnte.

Es gibt Familien, in denen die Rate und Art der Fehler, die bei der Erziehung gemacht werden in einem Rahmen liegen, den das Kind ohne weiteres erfolgreich bearbeiten, überwinden und die ihn nicht daran hindern, zu einem gesunden und kompetenten Erwachsenen heranzuwachsen.

Wenn die berechtigten Bedürfnisse des Kindes wahrgenommen als berechtigt bestätigt und entweder mit "tut mir leid, ich kann das Bedürfnis nicht erfüllen" oder mit Erfüllung der Bedürfnisses beantwortet wird, ist eine solche Verdrängung zur Anpassung an die Anforderungen der Autorität nicht nötig. Verdrängungen beruhen also letztlich auf der Forderung man dürfe nicht bemerken, daß Eltern manchmal auch irren, gemein oder ungerecht sein können9., 10., 11..

Es gibt aber auch Familien, in denen die Erziehung so schief läuft, daß keine gesunde Entwicklung mehr möglich ist. Das kann an mehreren grundsätzlichen Faktoren liegen

Eltern die keine Erziehungsfehler machen, wären jedoch nicht die besten Eltern, denn der wichtige Lernvorgang des Übergangs von Niveau 2, Moralstufe 4 auf Niveau 3, Moralstufe 5 hat damit zu tun, daß man die Regeln, die die Erziehenden aufstellen, in Frage stellt und dadurch tiefgreifender versteht. Wenn es nichts gäbe, was man in Frage stellen könnte, würde der Schüler nicht lernen, selbstständig moralisch zu urteilen. Die beste moralische Erziehung ist also nicht die nicht einmal theoretisch mögliche perfekte Erziehung, sondern eine Erziehung, die ausreichend für den Jugendlichen erfaßbare Fehler enthält, daß er daran lernen kann, wie man Regelsysteme prüft, verbessert und falls nötig grundlegend neu aufstellt!

 
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5.1.3 Kulturschock und Moralentwicklung

Ausgelöst werden kann diese Erkenntnis dadurch, daß einem plötzlich bewußt wird, daß da ein Gesetz erlassen oder eine Regel festgelegt wurde, die selbst falsch ist. Sie kann durch einen Kulturschock ausgelöst werden. Der Jugendliche oder junge Erwachsene kommt in eine Situation, in der die Regeln seines bisherigen sozialen Umfeldes nicht mehr gelten (z.B. aus der Kleinstadt an die Uni) oder für die es in seinem Sozialsystem keine Regeln gibt. Hier ist die Erkenntnis: Hier sind die Regeln ganz anders, aber es funktioniert trotzdem etwa so gut wie zuhause. Es kann aber auch durch eine Sektenerfahrung oder die Erfahrung mit einem totalitären Staat aufgelöst werden, also durch die Erkenntnis: Meine Welt wird von zunehmend verwerflichen Regeln und Gesetzen beherrscht.

 
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5.2 Stufe 5: Moral des Gesellschaftsvertrages

Moral des Vertrages, der individuellen Rechte und des demokratisch anerkannten Gesetzes/Rechtssystems. (Das konkrete einzelne Gesetz wird nicht mehr als absolut richtig und unveränderlich betrachtet sondern an den dahinter stehenden moralischen Prinzipien gemessen. Hier erst bekommt der Begriff "Gesetzeslücken" seine Bedeutung: Gesetzeslücken sind besondere Situationen, wo das konkrete Gesetz nicht mehr dem Prinzip gerecht wird, dessen Einhaltung es garantieren soll oder wo es mit übergeordneten Prinzipien in Konflikt gerät.)

 
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5.3 - Stufe 6: Lehrer des moralischen Denkens: Wie lernt man moralische Gesellschaften zu bauen?

5.3.1 Stufendefinition der Moralstufe sechs, die zu kohlbergs System passen würde

Kohlbergs ursprüngliche Moralstufe 6 war: "Orientierung an universellen ethischen Prinzipien (keine konkreten, ausformulierten Regeln wie die 10 Gebote)".

Ich habe das schon in die Definition von Stufe 5 einbezogen. Ich weiche hier bewußt von Kohlbergs Stufendefinition ab, da Kohlberg mit den Jahren immer weniger mit seiner eigenen Stufendefinition anfangen kann, keine Vertreter der 6. Stufe mehr findet, weil er die Stufe strenger definiert 1. S.301ff und weil meine Erfahrungen mit der moralischen Entwicklung mir bekannter Menschen in eine andere Richtung weist.

Abweichend von Kohlberg Gesetzgeber: Menschen die sich bewußt sind, daß eine moralische Entwicklung stattfindet, daß Menschen, die auf Stufe 1-4 stehen noch nicht fähig sind die bestehende Moral sinnvoll infrage zu stellen, und daß man ihnen deshalb Rahmenbedingungen vorgeben muß, die

  1. einfache Regeln vorgeben, die allgemein anerkennbaren Prinzipien entsprechen und
  2. dazu anleiten, eine moralische Entwicklung durchzumachen, so weit es die Intelligenz und die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten ermöglichen, möglichst bis zu Stufe 6 der moralischen Entwicklung führt.
Typisch ist eine Überlegung wie: "In diesem speziellen Fall ist es zwar vielleicht moralisch gerechtfertigt, daß er den Entführer Foltern androhte, um das entführte Kind retten zu können. Aber wenn ich das jetzt nicht bestrafe, könnte sich der nächste schon in einem weniger eindeutigen Fall verpflichtet fühlen, zu foltern. Also wird er bestraft und nachher begnadigt."

 
Inhalt

5.3.2 Erziehung durch Personen auf Moralstufe 6: Antiautoritäre Erziehung

Antiautoritäre Erziehung im eigentlichen und ursprünglichen Sinne des Wortes ist Erziehung durch Menschen, die auf Weltbild- und Moralstufe 6 stehen. Hier wird der Sinn von Regeln dem Kind erklärt, indem man sie auf wenige grundlegende Prinzipien zurückführt. Ein Buch, das beschreibt, wie antiautoritäre Erziehung praktisch funktioniert ist Familienkonferenz von Autor: Thomas Gordon. Im Kapitel 11 über die niederlagelose Methode der Konfliktbewältigung findet sich eine Stelle die deutlich zeigt, daß Antiautoritäre Erziehung tatsächlich mit den Moralstufen zusammenhängt:
"In der Elternerziehung ist ein Großteil der Literatur 'Lösungsorientiert' gewesen; Eltern wird geraten, ein besonderes Problem der Kindererziehung durch irgendeine Standartlösung nach dem 'Rezeptbuch' zu klären, die die Fachleute für die Beste halten. Den Eltern sind 'beste Lösungen' für das Problem des Schlafengehens, für ein Kind, das bei Tisch trödelt, für das Fernsehproblem, das Problem des unordentlichen Zimmers, das Problem der häuslichen Pflichten usw. ad infinitum angeboten worden.

Meine These lautet daß Eltern nur eine einzige Methode zur Bewältigung von Konflikten, eine für Kinder jeglichen Alters brauchbare Methode lernen müssen. Bei dieser Einstellung gibt es keine 'beste' Lösung, die für alle oder nur die meisten Familien anwendbar ist. Eine Lösung, die für eine Familie die beste ist - das heißt für diesen besonderen Elternteil und dieses besondere Kind annehmbare - ist für eine andere Familie vielleicht nicht die 'beste'."12. S.191

Die Regeln der Familie werden hier als als verhandelbarer Familienvertrag - ein Gesellschaftsvertrag im Kleinen, wie das Moralstufe fünf entspricht - gesehen, nicht als ein feststehendes Gefüge an Regeln, wie das bei Moralstufe vier entsprechen würde.

Zunächst werden die Regeln aber von Erwachsenen samt Begründung vorgegeben, später lernt das Kind, sie zu hinterfragen und tiefergehend zu verstehen.
VA145.3.5 Kersti: Wenn die Ich-Botschaft nichts bringt, ergreife ich Maßnahmen
VB156. Kersti: Beispiel: Die Erwachsenen sind komisch
VB156. Kersti: Beispiel: Gute oder schlechte Erziehung und heiße Dinge

 
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5.3.3 Entwicklungshindernisse und Entwicklungshilfen durch antiautoritäre Erziehung: Antiautoritäre Erziehung

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6. Moralisches Lernen im Überblick

6.1

Zum Inhaltsverzeichnis

6.2 Moralisches Lernen läßt sich nachholen

Sofern die zugrundeliegenden kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten zuvor erworben wurden, kann man die moralischen Stufen auch als Erwachsener nachträglich erwerben.1.

 
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6.3 Gesellschaftssysteme, ihre moralischen Wurzeln und Auswirkungen

6.3.1 Moral und Gesellschaft

Bestimmte Gesellschaftssysteme begünstigen typischerweise bestimmte vorherrschende Moralstufen. Solche Darstellungen sind aber immer Idealisierungen, daher läßt sich ein gewisser zusammenhang erkennen, aber andere vermittelnde Faktoren können das Ergebnis ändern. Tendenziell läßt sich sagen: Je größer und komplexer das gesellschaftliche System, desto höher ist die vorherrschende Moralstufe. Da aber die moralische entwicklung nicht nur von der Größe des Systems abhängt sondern auch davon, wie viel Zeit man zum lernen, diskutieren und selbstständigen Nachdenken hat und auch, ob es beispielsweise Kriege und Naturkatastrophen gab, die das gesellschaftliche System nachhaltig erschüttert haben, gibt es von diesem Prinzip deutliche Abweichungen.

 
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6.3.2 Niveau 1: Stammesgesellschaften

Außerdem handelt es sich bei Stufen der Entwicklungsbiologie um Verhaltensweisen, die sich in Jäger- und Sammlervölkern bewährt haben müssen, da sie sonst durch die natürliche Auslese aussortiert worden wären 3. , 4. Eine sechste Stufe die Eigenbrödler hervorbringt, die nur noch nach ihren eigenen Grundsätzen handeln, ohne bestehende Gesetze in Betracht zu ziehen, hätte zur Ausgrenzung der Angehörigen der 6. Stufe aus der Jäger- und Sammler-Gemeinschaft geführt und damit diese Gemeinschaft gerade ihrer moralisch kompetentesten Mitglieder beraubt und wäre damit ein Nachteil im Wettbewerb mit Angehörigen anderer Kulturen (=Fortpflanzungsgemeinschaften; Menschen heiraten nahezu ausschließlich innerhalb der eigenen Kultur 5. S.354 gewesen. Notwendig ist dagegen immer wieder einmal jemand, der bestehende gesellschaftliche Regeln modifiziert.
VB197. Kersti: Zivilisation erfordert Kritik

Wer also erreichte in traditionellen Gesellschaften die höchsten Moralstufen? - Der soziale Schock, daß die altbekannten Regeln plötzlich nicht mehr tragen ist in ihrem Leben selten, so daß bestehende Regeln nahezu nicht in Frage gestellt werden. Was also geschieht mit denen, für die die üblichen Gesetze nicht funktionieren, denen die üblichen Methoden nicht helfen?

Sie werden zum Schamanen gebracht - sowohl die Kranken, bei denen die üblichen Hausmittel nicht helfen, als auch die Behinderten, die die übliche Lebensweise nicht teilen können und schließlich auch die Hochbegabten und die - nach unseren Vorstellungen - Verrückten. Der Schamane ist also der Fachmann für alles, was aus dem Rahmen fällt.

Aufgrund dieser Aufgabenstellung enthält die traditionelle Ausbildung zum Schamanen die künstliche Herbeiführung eines Schocks, der alles für wahr gehaltene in Frage stellt. - Es wird also künstlich der Übergang von Stufe 4 zu Stufe 5 herbeigeführt.

 
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6.3.3 Niveau 2: Ständegesellschaften mit Schulsystem

Kohlberg selbst weist nach, daß in traditionellen Gesellschaften nahezu alle Erwachsenen auf Moralstufe 3 oder 4 und darunter stehen 1. S.59, S.31.

 
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6.3.4 Niveau 3: Demokratie und Wissenschaft

Kersti

 
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Quellen

  1. Autor: Lawrence Kohlberg (Herausgegeben von Wolfgang Althof, Gil Noam und Fritz Oser): Buch: B125.2 Die Psychologie der Moralentwicklung. (1996) Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. ISBN 3-518-28832-6
  2. Autor: Werner Stangl: Die Milgram Experimente. (2019-07-19) (Welt: Volltext) Auf: Autor: Werner Stangl: Quelle: Werner Stangls test & experiment, Welt: www.stangl-taller.at
  3. Autor: Wolfgang Wickler, Autor: Uta Seibt: Buch: B150.1 Das Prinzip Eigennutz. Zur Evolution sozialen Verhaltens. (1991) München, Zürich: Piper, ISBN: 3492113095
  4. Autor: Stuart Kauffman: Buch: B135. Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft. (1998) München, Zürich: Piper. ISBN 3-492-22654-X
  5. Autor: Beate Marquardt: Buch: B150.2 Die Sprache des Menschen und ihre biologischen Voraussetzungen. (1984) Tübingen: Gunter Narr Verlag, ISBN: 3878082363
  6. Autor: Sigmund Freud: Buch: B126.3.4 Das Ich und das Es. (Welt: Volltext) In: Welt: http://www.textlog.de/, Gesammelte Werke 1893-1939 (Volltext, 1920-1939)
    • 6.3 III. Das Ich und das Über-Ich (Ichideal) (Welt: Volltext)
  7. Autor: Jennifer J. Freyd: Buch: B100.3 Betrayal Trauma. The Logic of Forgetting Childhood Abuse. (1997) Cambridge, Massachusetts, London, England: Harvard University Press, ISBN: 0-674-52553-1
  8. Autor: David S. Holmes: The evidence for repression: An examination of sixty years of research. In: Autor: Jerome L. Singer: Buch: B100.2 Repression and Dissociation: Implications for Personality Theory. (1995) University of Chicago Press, ISBN: 978-0226761060, pp. 85--102 (Welt: Volltext)
  9. Autor: Alice Miller: Buch: B100.1 Das verbannte Wissen. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ISBN 3-518-02227-X

     

  10. Autor: Alice Miller: Buch: B101.1.1 Am Anfang war Erziehung (1992) Frankfurt am Main: Suhrkamp. ISBN 3-518-37451-6
  11. Autor: Alice Miller: Buch: B101.1.2 Der gemiedene Schlüssel (1988) Frankfurt am Main: Suhrkamp, ISBN: 3518022261
  12. Autor: Thomas Gordon: Buch: B28. Familienkonferenz. Die Lösung von Konfikten zwischen Eltern und Kind. (1974) Hamburg: Hoffmann und Campe. ISBN 3-455-02320-7
  13. Autor: Rainer Dollase: Freudschaft oder Feindschaft. Zum Umgang mit ,Fremden' in der Grundschule. In: Autor: Ulrike Itze, Autor: Herbert Ulonska, Autor: Christiane Bartsch: Buch: B168.6 Problemsituationen in der Grundschule. Wahrnehmen - verstehen - handeln. (2002) Bad Heilbrunn: Klinkhardt, ISBN: 3781511936, S.275-289
  14. Autor: Stanley Milgram (Deutsch von Roland Fleissner): Buch: B158.6 Das Milgram Experiment. Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität. (2017) Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. ISBN 978-3-499-17479-7
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