erste Version: 1/2021
letzte Bearbeitung: 1/2021

Ägyptische Priesterleben: Ägyptische Priesterleben - Das Recht auf eigene Gefühle

F1980.

Mir war gesagt worden, daß ich vor Gericht die Worte eines hohen Priesters übersetzen sollte, der nur Gedankensprache spricht

Vorgeschichte: F907. Kersti: Ich fand erstaunlich, wie sehr es mich befriedigte, diesem verzogenen Jüngling all dies ins Gesicht gesagt zu haben, auch wenn ganz bestimmt das dicke Ende nachfolgen würde und schlief ganz zufrieden ein

Erns neuer Sklave Miran erzählt:
Mir war gesagt worden, daß ich vor Gericht die Worte eines hohen Priesters übersetzen sollte, der nur Gedankensprache spricht. Ein sehr hoher Priester vom Tempel des Schweigens hatte mir befohlen, alles Wort für Wort wiederzugeben, was ich telepathisch mitgeteilt bekomme und ich müsse mir keine Sorgen machen, ich wäre in diesem Fall nur Sprachrohr, ich wäre nicht für den Inhalt des gesagten verantwortlich.

Gerade daß mir das gesagt wurde, beunruhigte mich. Noch mehr beunruhigte es mich als ich ihn sah, denn er war der Angeklagte vor Gericht und sah wie ein Sklave aus. Und daß sich irgendjemand dafür interessiert, was mir versprochen wurde, halte ich doch für ein Gerücht. Trotzdem würde ich sicher dafür bestraft, wenn ich etwas falsch wiedergebe, mußte aber auch damit rechnen, bestraft zu werden, falls richtig wiederbegebene Worte irgendjemandem nicht gefallen.

Das nächste beängstigende Detail war, daß dem Priester vorgeworfen wurde, er hätte den Sohn des Pharao umbringen wollen. Die Antwort, die er gab schockierte mich, denn er sagte, daß so etwas nur ein Idiot glauben würde, schließlich hätte er seinen Gegner am Boden gehabt und ihn erstechen können, wenn er das gewollt hätte. Daß er das nicht getan hätte, läge also offensichtlich nur daran, daß er diese Absicht nicht gehabt hätte.

Ich tat mein Bestes, mir nicht anmerken zu lassen, was in mir vorging und das was gar nicht so einfach, denn beide Prieser konnten offensichtlich sehr gut Gedanken lesen, so daß man in ihrer Nähe nicht einmal das Falsche denken oder fühlen darf. Ich glaube, es ist mir aber trotzdem gelungen, meine Gedanken und Gefühle gut genug unter Kontrolle zu halten, daß ihnen nichts auffiel.

Ich dachte, als ich nachts allein war, daß das doch bescheuert ist, wenn ein Mensch aus irgendwelchen spirituellen Überlegungen heraus seinen Mund nicht benutzt und andere für sich sprechen läßt.

Am nächsten Tag vor Gericht war ich dann entsetzt, wie unverschämt das war, was der Priester, dessen Worte ich aussprechen sollte, von sich gab. Wenn er vorher noch nichts getan hätte, worauf Todsstrafe stünde, würden sie ihn jetzt ganz bestimmt wegen diesen Unverschämtheiten umbringen. Allerdings kann ich nicht behaupten, daß mir das Gesagte nicht gefiel. Er sagte dem Sohn des Pharaos all die Dinge ins Gesicht, die man diesen Adeligen immer schon gerne gesagt hätte. Trotzdem wartete ich darauf, daß sie ihn den Krokodilen vorwerfen. Anders konnte das einfach nicht enden.

Eigentlich wunderte mich, daß sie ihn wirklich drei Tage am Stück reden ließen, bevor sie das taten. Und als wir dann zur Urteilsverkündung bestellt wurden, wirkte er auch, als würde er an ein Todesurteil glauben, auch wenn er sich sehr gut unter Kontrolle hatte. Stattdessen befahl der Pharao ihm, seinen Sohn zum Priester auszubilden. Und wenn ich es vorher noch nicht gewußt hätte, dann wäre mir jetzt aufgefallen, daß er auch geglaubt hatte, daß sie ihn sowieso zum Tode verurteilen, denn von ihm kam ein Gefühl der ungläubigen Fassungslosigkeit und nichts, was ich hätte in gesprochene Worte übersetzen können.

Erst als es um praktische Gesichtspunkte ging, fand er seine Sprache wieder und ich sollte übersetzen, daß er mich dann aber weiterhin als Übersetzer bräuchte. Als ihm das mit der typischen Beiläufigkeit gewährt würde, mit der Sklaventhemen immer abgehandelt wurden, lächelte er mich plötzlich an und dachte:
"Das hat dir aber etwas erspart."
Diese Worte waren mit dem Gefühl verbunden, daß er mir das herzlich gönnt.

Kersti

Fortsetzung:
F908. Kersti: Ich war immer noch verwirrt, daß ich nicht hingerichtet, sondern bevördert worden war, weil ich mich gewehrt hatte, als der Sohn des Pharaos versucht hatte, mich zu ermorden

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben