erste Version: 11/2019
letzte Bearbeitung: 12/2019

Das Sternenreich der Zuchtmenschen: Das Leben des perfekten Kriegers

F1561.

Wenn man die Macht hat, stellt man fest, daß Politik frustrierend ist

Vorgeschichte: F1564. Der Drachenfürst: Deshalb hatten sie dafür gesorgt, daß die klügeren Zuchtmenschen jetzt bei den Tyrannen vom Licht herrschen

Geson XZB12-56-78 erzählt:
Nachdem der Nichtangriffsvertrag mit den Drachen unterzeichnet war, hatte ich etwas mehr Zeit und ich beschäftigte mich damit, Land und Leute kennenzulernen. Das mußte ich auch, denn der König hatte mir gesagt, daß er mich hier als Botschafter vorgesehen hatte.

Dira hatte sich diesen Befehl angehört und mir zwei ihrer untergeordneten Offiziere als Adjudanten zugewiesen, einen aus ihrem eigenen Volk und einen Freigeborenen aus unserem Adel. Sie erklärte mir, ich solle alles mit den beiden absprechen, weil jeder von ihnen beiden seine ganz eigene Sichtweise auf alles haben würde.

Die Sichtweise des Freigeborenen war wirklich sehr eigen. Er bildete sich nämlich ein, er dürfe mir Befehle erteilen und war dann höchst erstaunt, daß sein Strafer bei mir nicht funktionierte. Tharr hatte das in meinem Körper eingepflanzte Gerät natürlich entfernen lassen, als ich Gruppenführer wurde, weil er sich bewußt gewesen war, daß das Ding meine Autorität wirkungsvoll untergraben hätte. Ich hatte das nicht erwähnt, weil ich die Miene des Adjudanten hatte sehen wollen. Mir war schon beigebracht worden, daß man Vorgesetzten zu gehorchen hat und was ein Untergebener ist - er mußte das offensichtlich noch lernen, denn jetzt bin ich sein Chef.

Ich entschied, daß alle Befehle, die er erhielt, so aussehen sollten, als kämen sie von mir persönlich und daß ich sein Umfeld so organisieren würde, daß es für ihn nichts zu essen geben würde, sollte er nicht da erscheinen, wo ich ihn hinbefohlen hatte. Nicht, weil es nichts zu essen für ihn gab, sondern weil es eben da zu finden war, wo ich ihn hingeschickt hatte. Ich sorgte auch dafür, daß ihm selbst die einheimischen Restaurants nichts servierten, wenn er an der falschen Stelle war. Das war natürlich auch sehr einfach, denn er hatte echtes Talent darin, es sich mit jedem zu verderben, den er für einen Untergebenen hielt. Er brauchte zwar ein paar Wochen, bis es zuverlässig klappte, dann hatte er aber begriffen, daß ich sein Chef bin und das es sein Essen da gibt, wo ich ihn hingeschickt habe. An den restlichen Umgangsformen mußten wir etwas länger arbeiten, bis er begriffen hatte, daß er nur dann bei Tisch bedient wird, wenn er seinen Strafer nicht benutzt, um sich damit zu amusieren, wie Sklaven zusammenzucken können und bis ähnliche Grundlagen der Höflichkeit bei ihm angekommen waren.

Mit meiner restlichen Mannschaft war einfacher umzugehen, weil sie nicht ganz so viel Arroganz mitgebracht hatten. Der König hatte den Leuten, mit denen er direkt zu tun hatte, offensichtlich einen Grundkurs verpaßt, zu dem gehört, wenn er einem Sklaven einen Befehl über andere gibt, daß dann der Sklave den Befehl hat, daß man sich bei Dienern bedankt, wenn sie ihre Arbeit gut machen und Ähnliches.

Es war - wie unsere Leute uns geschrieben haben - immer schon so gewesen, daß der König mit seinem nahen Umfeld ganz gut umgegangen war. Wenn er die Leute nicht persönlich gekannt hatte, waren seine Befehle dagegen oft gedankenlos und manchmal auch grausam gewesen. Das hatte sich erst geändert, als Prinz Talis angefangen hatte, ihm ins Gewissen zu reden. Talis älterer Halbbruder, der damals als fertig ausgebildeter Techniker in den Palast geschickt worden war, hatte sich ziemlich Sorgen gemacht, daß das irgendwie nach hinten losgehen könnte. Er war natürlich seine Aufgabe gewesen, Talis ein vernünftiges politisches Denken beizubringen, in dem die Menschlichkeit nicht zu kurz kommt. Daß der Junge aber immer, wenn er selbst etwas begriffen hat, damit zu seinem Adoptivvater gerannt ist und ihm erklärt hat, wie schlimm alles in der Welt ist und wie man es besser machen muß, hat uns richtig Angst gemacht, denn wir sind es gewöhnt, daß wir für jedes ehrliche Wort bestraft werden und konnten es gar nicht fassen, daß der Junge damit nicht nur durchkam, sondern seinen Vater auch noch meist überzeugte.

Es war dem König nicht entgangen, daß wir Einfluß auf sein Adoptivkind ausübten, er schien uns aber aus unverständichen Gründen deshalb plötzlich nicht mehr wie Gegenstände zu sehen, sondern uns als Menschen zu betrachten, die gute Verbündete sein konnten. Aus noch unverständlicheren Gründen trat er zwar weiterhin als König auf, tat aber mit jedem Jahr mehr das, was seine Zuchtmenschen-Adoptivkinder ihm empfahlen. Ihm konnte im Grunde nicht entgangen sein, daß er damit letztlich unsere Politik umsetzte, dazu war er nicht dumm genug. Trotzdem gab er nicht deutlich zu erkennen, daß er das gemerkt hatte. Möglicherweise hielt er das für undiplomatisch.

Nun ja - und wenn man dann die Macht hat, stellt man fest daß Politik frustrierend ist, weil man eine Gesellschaft nicht so schnell verändern kann, wie man es sich wünschen würde. Manche Dinge kann man auch nicht schneller ändern, als man ein ganzes Volk verändern kann und das geht erschreckend langsam.

Jedenfalls ist Dira ja unsere Verbündete und nicht wirklich die des Königs, außerdem ist sie als Kind ausgebildet worden, um später Königin zu werden und deshalb dachte ich mir, daß ich ihr einige Fragen zu dem stellen kann, was ich an der Politik von den Freigeborenen nicht verstehe und was sie denkt, was man tun könnte, um einige Probleme zu lösen.

Die Leute, die wir bei Samans und Trerons Ausflug auf den Boden kennengelernt haben, haben sich auch als ausgesprochen wertvoll erwiesen, weil sie uns eben kennengelernt haben und uns seither, wann immer sie etwas an unserer Politik blöd finden, anschreiben. Nur müßte man auch einige der ganz armen Leute so kennenlernen, um zu ihnen auch so einen Draht zu bekommen, damit man weiß, wie man sie davon abbringen kann, kriminelle Dinge zu tun. Das ist bei ihnen nämlich irgendwie anders als bei den Adeligen Kriminellen, weil sie es tun, um etwas zu essen zu bekommen und damit ihre Kinder nicht sterben.

Kersti

Fortsetzung:
F1565. Staatsregentin Kira Santalon: Nachem ich einen Drachen aufsuchen mußte, hatte ich immer Dinge gemacht und gedacht, als wäre ich ein ferngesteuerter Automat

Quelle

Erinnerung an ein eigenes früheres Leben.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben