erste Version: 12/2007
letzte Überarbeitung: 1/2009
Englische Bezeichnungen hierfür sind: near-death experience (NDE), death-related sensory experience (DRSE), wenn der Tod nur befürchtet wird, heißen sie fear-death experiences. 1.1, 1.11
Ein Nahtodeserlebnis setzt sich aus mehreren aber meist nicht allen der folgenden Elemente zusammen: Gefühl von Freude, Ruhe, Friede oder Wohlbefinden, einem Außerkörperlichen Erlebnis, Begegnung mit Verstorbenen, religiösen Figuren oder seltener Dämonen oder Teufeln, Lichtwahrnehmungen, einem filmartigen Lebensrückblick, der Passage durch einen dunklen Tunnel, Wahrnehmung eines Paradieses, Himmel oder seltener einer Art Unterwelt oder Hölle, die überlebende meist nicht betreten dürfen. 1.5, 1.8, 1.9, 1.10, 1.11, 2.2, 2.29, 2.40, 3.1
Ein ähnlicher Typ von Erfahrungen sind Todesnähe-Visionen, die bei Erkrankungen auftreten, die langsam zum Tode führen, während der Sterbende bei Bewußtsein ist. Die Totenbettvisionen werden auch Visionen in Todesnähe, Sterbebettvisionen, Sterbebetterscheinungen oder Visionen am Totenbett genannt. 1.1, 1.8, 1.10
Ich schwebte näher hin und schaute hinunter. Ich wußte, daß ich nicht auf diesem Kissen lag. Da war zwar ein Körper mit auf dem Kissen verteilten nassen Haaren, mit geschlossenen Augen und blauen Lippen, das konnte ich schon sehen. Aber ich war das nicht. Ich schwebte ja oben an der Decke. Ich konnte jetzt alles unheimlich genau hören. Ich hörte und sah andere Patienten auf dem Stockwerk. Eine war auf der anderen Seite des Gangs. Sie redete mit der Schwester und beklagte sich über den Lärm, der aus meinem Zimmer kam. Einen Arzt, den ich schon von klein auf kannte, sah ich zur Anmeldung kommen, die weit hinten auf dem Gang war. Die Schwester dort teilte ihm mit, was vor sich ging, und er meinte: 'Da ruf'ich mal lieber ihre Mutter an!', was er auch tat, wie ich später herausfand. Unterdessen fühlte ich mich einfach prächtig. Ich spürte keine Schmerzen. Ich kam mir vor wie ein Zuschauer und schwebte zwischen zwei Welten, einer, die ich gut kannte, und einer, von der ich nicht gewußt hatte, daß sie existierte. Die Decke wirkte mit der Zeit so, als wäre sie mit lauter blauweißen Wolken gepflastert, und die Luft schien mit Goldstaub gesprenkelt. Es wurde sehr hell, und ich stand auf einmal am Eingang - nein, nicht zu einem Tunnel, sondern zu einer Art Baldachin, der ganz lang herunterging, so wie man ihn eventuell vor einem Nachtclub finden könnte. Es war, als wäre er aus blauen und silbernen Strahlen gemacht, und der Baldachin war gewölbt und reichte auf beiden Seiten bis zu dem Wolkenpfad herunter. Am anderen Ende des Baldachins war das starke Licht. Jetzt sah ich aber dort niemanden und sprach auch mit niemandem, doch ich spürte, daß andere menschliche Wesen da waren. Und ich fühlte, daß sie richtig glücklich waren und sich schon freuten auf mein Kommen. Ich aber schaute wieder ins Zimmer hinunter und sah die Ärzte und Schwestern mit der Patientin beschäftigt, die ich war. Diese Patientin, sah ich, rang nicht um Luft und schien sich eigentlich überhaupt nicht zu rühren. Ein Priester kam herein und sagte: 'Ich will für ihre Seele beten' An meinem Bettende stand eine Schwester aus einem anderen Stockwerk und sagte: 'Ich glaube nicht, daß sie durchkommt. Ein Jammer! Sie ist erst fünfundzwanzig.' Vom Gang her konnte ich jetzt ein leises Weinen wahrnehmen. Ich erkannte meinen Mann, der mit seiner Tante redete und zu ihr sagte: 'Was sag ich bloß den Kindern?' Seine Tante, eine Krankenschwester saß mit dem Rücken an die Wand gelehnt vornübergebeugt da und meinte: 'Dabei war sie so eine gute kleine Mutter (...)
Diese Leute befanden sich alle außerhalb des Zimmers und weiter hinten im Gang, waren für mich vom Bett aus also nicht zu sehen. Ich wußte, daß dieser Körper der meine war, aber alles, was ich für ihn fühlte, war Mitleid. Ich versuchte den Leuten im Zimmer mitzuteilen, daß ich keine Schmerzen hatte und mir wünschen würde, sie könnten da oben bei mir sein. Dann tat ich einfach so was wie mich entspannen. Ich fühlte mich privilegiert, daß ich etwas sah, was sie weder verstehen noch sehen konnten. Da fing auf einmal jemand an, mir mit ganzer Kraft auf den Brustkorb zu schlagen, und ich öffnete die Augen. Mehrere Tage lang starrte ich daraufhin nur an die Decke. Ungefähr drei Tage ging das so, wie man mir später gesagt hat. Ich glaube, ich wartete darauf, wieder diese Sterne zu sehen, und darauf, daß sich diese andere Welt wieder auftat. Ich habe lange über das Erlebnis nachgedacht, aber ich wußte nicht, daß so was auch anderen passiert ist, bis ich dann am Radio davon erfahren habe. Es hat mich gefreut, daß es noch mehr so Leute gibt, wie mich." 3.3 S.24-26
Zuletzt beschlossen die Ärzte, drastische Maßnahmen zu ergreifen: Sie zogen mich nackt aus und packten mich zwischen Eiswürfel mit einem Leintuch über dem Ganzen. Eine Schwester stand daneben, um alle paar Minuten meine Temperatur zu messen.
Als sie mich auf diese Weise ganz einpackten, wurde ich ohnmächtig. Ich kam mir vor, als ob ich schwebte, und alles um mich herum war dunkel und angenehm. Und dann kam er, dieser Tunnel aus Licht mit dem ungemein hellen Licht am Ende. Irgend etwas stand mir bei, durch diesen Tunnel hochzukommen. Als ich an seinem Ausgang anlangte, hatte ich eine wunderschöne Aussicht: Vor mir lagen lauter Blumenwiesen, und rechts von mir lief eine hübsche Straße, und die Bäume waren bis zur halben Höhe weiß angestrichen, und ein weißer Zaun war auch da. Es war wunderschön. Und auf der Wiese ganz rechts waren die phantastischsten Pferde, die ich je gesehen hatte. Ich mußte zwar über zwei Zäune klettern, wenn ich zu ihnen hinkommen wollte, aber mit meinen neun Jahren war das kein Problem, und ich machte mich auf den Weg. Nachdem ich ein Stück in diese Richtung gelaufen war, tauchte neben mir so ein weißes Licht auf, so eine Erscheinung, die freundlich und gar nicht bedrohlich war. Die Erscheinung sagte: 'Wohin willst du?' Und ich antwortete: 'Ich möchte da hinüber: Und sie sagte darauf: 'Prima! Gehen wir zusammen!' Unterwegs gab es viele Blumen, deren Namen ich nicht kannte, und ich fragte, wie sie hießen, und pflückte weiche im Gehen. Und dabei redete ich mit diesem blendenden weißen Licht, das alle Farben hatte und gleichzeitig gar keine Farbe. Und es hatte an sich kein Gesicht mit Gesichtszügen, aber das störte mich gar nicht. Ich erinnere mich, daß ich zurückschaute und durch den Tunnel auf die Leute hinuntersah, die da alle um mein Bett herumstanden, und es kümmerte mich nicht, daß ich hier oben war und mein Körper da unten. Es ging mir sogar sehr gut dabei.
So redete ich also mit diesem Licht und wanderte zu diesen Pferden hinüber. Und gerade hatte ich das Bein über den obersten Querbalken des Zauns geschwungen und wollte auf die Pferdeweide, als so eine Stimme aus dem Nichts sagte: 'Was macht sie denn da?' Und das Licht antwortete: 'Sie will zu den Pferden.' Und die Stimme sagte: 'Das geht nicht. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Sie muß zurück: In dem Moment umklammerte ich den Querbalken, weil ich nicht zurückwollte. Das war das allerletzte, was ich wollte. Und dann haben die Stimme und das weiße Licht noch ein wenig miteinander gesprochen und beschlossen, daß ich zurückkehren müsse. Da rastete ich völlig aus. Ich klammerte mich am Zaun fest und schlang die Arme und Beine drurnherum und ließ nicht los. Die Stimme lachte nur. 'Komm, das kannst du später noch haben. Aber jetzt ist nicht die Zeit dafür. Und einen Wutanfall zu kriegen tut dir gar nicht gut: Und ohne mein Zutun schwebte ich über der Weide und hinein in den Tunnel und war auf dem Rückweg. Und ich schrie und kreischte, beißend und um mich schlagend, doch diese Hand führte mich sachte in den Tunnel hinunter, den ich hochgekommen war. 'Warum kann ich denn nicht bleiben?' zeterte ich. 'Weil es für dich noch etwas zu tun gibt', erwiderte die Stimme. Und ich spürte, wie diese Hand mich sanft durch denselben Tunnel, den ich heraufgekommen war, wieder hinunterführte und ich in meinen Körper hinunterschnellte. Ich weiß noch, wie ich in meinem Bett lag und zu einem Arzt hochschaute, der erschrocken neben dem Bett stand. Mit einem Seufzer der Erleichterung sagte er zu einer der Schwestern: 'Ach, wie gut! Sie ist zurück." 3.3 S.21-23
Nachdem man sich dieses angeschaut hat, ist es Zeit die wesentliche Frage zu beantworten:
O7.13
Nahtodeserlebnisse: Einbildung oder jenseitige Wirklichkeit?
Kurz zusammengefaßt, enthalten die Berichte von Nahtodeserfahrungen sowohl Wissen, das weit über unseren irdischen Horizont hinausgeht, als auch ein erhebliches Maß an Verfälschungen, Fantasieprodukten und Irrtümern.
O7.A5
Die Grenzen unseres Gehirns und das Rätsel der Nahtodeserfahrung
Entsprechend behandele ich im folgenden Ideen und Vorschläge zur Deutung der Nahtodeserfahrungen die aus den Erfahrungen selbst stammen, genauso wie ich das mit den Vorschlägen der Wissenschaftler mache. Sie stimmen ganz sicher nicht alle, aber wenn ich diejenigen Ideen, die mir oberflächlich betrachtet verünftig erscheinen so weit wie möglich prüfe, wird sich der ein oder andere Deutungsansatz darunter finden, der beachtenswert ist.
Ablauf
O7.3
Außerkörperliche Erfahrungen
O7.5
Tunnelerlebnis
O7.6
Begegnungen mit verschiedenen Wesen
O7.7
Jenseitige Welten in Nahtodeserfahrungen
O7.8
Der Lebensrückblick in Nahtodeserfahrungen
O7.51
Die Rückkehr vom Nahtodeserlebnis
O7.10
Psychologische Auswirkungen der Nahtodeserfahrungen
Besonderheiten des Nahtodeserlebnisses
O7.A3
Musik und Geräusche in Nahtodeserfahrungen
O7.22
Synästhesie: Zusammenhänge zwischen Licht und Liebe in Nahtodeserfahrungen
O7.30
Hypermnesie als Merkmal der Nahtodeserfahrung
O7.33
Nahtodeserlebnisse und Sprache
O7.58
Telepathische Kommunikation in Nahtodeserlebnis
O7.59
Wissen in Nahtodeserfahrungen
O7.65
Körper und Nahtodeserlebnisse
O7.66
Fortbewegung im Nahtodeserlebnis
O7.68
Ruhe, Frieden, Klarheit, Schmerzfreiheit im Nahtodeserlebnis
O7.71
Erscheinung Sterbender bei ihren Angehörigen
O7.76
Lebensgefahr und Nahtodeserfahrung
O7.12
Änderung der Zeitwahrnehmung in Nahtodeserlebnissen
O7.92
Blinde können im Außerkörperlichen Erlebnis sehen
Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615,
http://www.kersti.de/,
Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal
im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von
Lesern immer bekomme.
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