erste Version vor: 07.06.00
letzte Überarbeitung: 2/06
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Ich hatte mehr als eine ungewöhnliche Eigenart, die anderen Anlaß gab, mich auszugrenzen. Hier will ich beschreiben was es mir schwer machte, andere zu verstehen. Als Vierjährige ging ich mit meiner Mutter über einen Parkplatz. Ein älterer Junge warf Steine auf mich. Wie einen schmutziggrauen Nebel sah ich seine böse Absicht auf mich zufließen. Kurz vor mir drehte sie ab und floß zu ihm zurück. Ich fragte meine Mutter, die das natürlich nicht sah, fassungslos: "Warum tut der das?" Sie antwortete: "Weil es Spaß macht." Mich verwirrte das. Wie kann es Spaß machen, sich selber mit ekligem grauen Nebel zu beschmutzen? Ich kann diesen Nebel nicht mehr sehen, doch heute noch kann ich Gefühle anderer spüren. Dennoch schätzte ich ihre Reaktionen oft falsch ein, da ich Tatsachen miteinbezog, die nur für mich offensichtlich waren. Es war unvorhersehbar für mich, wann die anderen das nächstemal wieder etwas deutlich zu Sehendes als Einbildung bezeichnen würden. Bei Konflikten wußte ich ungefähr, wieviel Ärger ich mir eingehandelt hätte, hätte ich darum gestritten. War das Streitobjekt dem anderen wesentlich wichtiger als mir, lohnte der Versuch nicht, da ich mich sowieso nicht durchgesetzt hätte. Ich wunderte mich, warum andere in solchen Fällen dennoch Streit anfingen. Wer Trost braucht, kann keine fremden Probleme verkraften, da er zu viele eigene Sorgen hat. Ein Telepath spürt Probleme anderer, auch wenn diese sie nicht äußern. Mitgefühl, wie ich es brauche, heißt, daß man einfach nur da ist, aufmerksam, sich nicht in negative Gefühle hineinsteigert. Das können wenige. Ein telepathisch Begabter wird in seinem Bedürfnis nach Trost wieder und wieder enttäuscht. Wenn ich versuchte, anderen zu erklären, was ich sah, verstanden sie meine Worte ebensowenig, als hätte ich chinesisch geredet. Sie lebten in einer einfacheren Welt. Was ich spürte, existierte für sie nicht. Es war zum Verzweifeln: Nie war normal, was ich tat. Oft meinten die anderen, ich wäre meinem Alter voraus. Ich kann meine Gefühle beherrschen, mich auf Befehl freuen, mich vollkommen entspannen oder auch wütend werden. Wenn ich nach reiflicher Überlegung entschieden hatte, wütend zu werden, nannten sie es Unbeherrschtheit. Sie fanden mich interessant, niedlich, verrückt, dumm oder intelligent. Ich lernte, wenig von mir zu verraten, um nicht pausenlos im Brennpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit zu stehen. Auch mir erschienen die anderen verrückt, unbeherrscht, kindisch, blind. Doch ich habe anderen immer das Recht zugestanden, anders sein zu dürfen. Ich habe sie weder geärgert, noch verspottet, weil ich mir wünschte, sie würden mich endlich einmal verstehen. Je mehr ich von außen unter Druck gesetzt wurde, desto ruhiger, ausgeglichener, überlegter reagierte ich. Weder Freude noch Ärger oder Trauer zeigte ich noch. Ich hörte nach und nach auf, spontan zu reagieren, um anderen keine Angriffspunkte zu bieten. Bis ich mich fast selbst verloren hatte. |
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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5,
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Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal
im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von
Lesern immer bekomme.